Remscheid: Humorvoller Tanz zwischen Kulturen

Remscheid: Humorvoller Tanz zwischen Kulturen

Die Bühnenversion des Films "Maria, ihm schmeckt's nicht" begeisterte das Publikum im Teo Otto Theater.

Ethno-Comedy ist ein Genre, das in jeder Form beim Publikum meist gut ankommt. "Maria, ihm schmeckt's nicht" funktioniert offensichtlich gleich dreifach, wie rund 450 Zuschauer im sehr gut besuchten Teo Otto Theater am Donnerstagabend feststellen konnten. Da ist zum einen das Buch von Jan Weiler, das eigentlich aus der Verlegenheit entstanden ist, dass der Journalist einige Seiten im SZ-Magazin zu füllen hat. Wenig später ist die humorvolle Analyse der Unterschiede zwischen Süditalien und dem Niederrhein ein Bestseller. 2011 folgt die Verfilmung des Stoffes mit Christian Ulmen in der Rolle des Jan und Mina Tander als seine Zukünftige, Sara. Das Westfälische Landestheater hat sich im Dezember 2016 an eine Theaterversion gewagt, die nun auch im Remscheider Theater für große Unterhaltung und Begeisterung sorgte.

Buchadaptionen sind oft so eine Sache, seien es Filmversionen, die eher nicht so gelungen sind, oder ein Theaterstück, das einfach nicht funktioniert. Aber im Falle dieser Inszenierung des Weiler'schen Erlebnisberichts aus Süditalien - der beinahe nicht veröffentlicht wurde, weil er den Titel "Für einen Handvoll Ravioli" bekommen sollte - ist die Befürchtung bereits mit dem ersten Auftritt Jans (korrekt, ängstlich und doch der perfekte Erzähler: Maximilian von Ulardt) vom Tisch. Mit einem Strauß Tulpen für die Schwiegermutter in spe tritt er aus dem Publikum heraus auf die Bühne, wo er schon von seiner Sara (tanzt sicher zwischen den Welten: Pia Seiferth) erwartet wird.

So weit, so normal. Dann aber folgt das Aufeinandertreffen der Kulturen - in Gestalt von Schwiegervater Antonio (mit herrlichem italienischem Akzent: Francesco Russo), der mit seiner Frau Ursula (der ruhende Pol neben dem temperamentvollen Antonio: Vesna Buljevic) den Schwiegersohn sehr herzlich in der Familie aufnimmt. Wenn Antonio dann aber auf Jans Eltern Eberhard (der perfekt-korrekte Bildungsbürger: Mike Kühne) und Gisela (wie frisch vom Nierentisch aufgestanden: Samira Hempel) trifft, dann sorgt alleine der optische Gegensatz auf der Bühne für zahlreiche Lacher.

Noch schöner wird es, als Jan in Campobasso auf die restliche Familie Marcipane trifft. Das provoziert dann nicht nur Verwicklungen auf sprachlicher Ebene, sondern einfach auch ein zum Schmunzeln und Lachen anregendes Durcheinander der verschiedenen Mentalitäten, die so herrlich ungezwungen aufeinandertreffen - ein so wunder- wie liebevoller und warmherziger Kommentar zum Fremdsein und Sich-Näherkommen.

In diesen Szenen hilft es, dass die Schauspieler allesamt leidenschaftlich und hochmotiviert ihre verschiedenen Rollen spielen und ganz nebenbei noch für die jeweils richtige Bühnendekoration (liebevoll und detailliert: Manfred Kaderk) sorgen.

Dirk Böhling hat die Vorlage Jan Weilers nicht nur wunderbar für die Bühne adaptiert, sondern sorgt mit seiner spritzigen Inszenierung auch für allerbeste Unterhaltung im Publikum. Ein hervorragendes Beispiel, wie Bücher auch im Theater funktionieren können.

(RP)
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