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Hubertus Heil in Remscheid: Aus der Krise durch Kurzarbeit

Hubertus Heil in Remscheid : Kurzarbeit mit Qualifizierung verbinden

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil diskutierte auf Einladung der SPD mit Betriebs- und Personalräten über den richtigen Weg aus der Krise auch für bergische Unternehmen.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil war am Samstag in Lennep, um bei einer von der SPD Remscheid organisierten Diskussionsrunde mit einer Handvoll Betriebs- und Personalräten über Mittel und Möglichkeiten zu sprechen, wie Unternehmen aus der Corona-Krise geführt werden können und wie sich die bergische Wirtschaft aufstellen muss, um auch nach der Pandemie zu bestehen.

Weit über 20.000 Remscheider befinden sich seit Corona in Kurzarbeit. Ein Instrument, „das uns viel Geld kostet“, wodurch allerdings auch viele Arbeitsplätze durch die Krise hindurch gerettet werden könnten, urteilte Hubertus Heil vor den rund 15 Anwesenden in der Klosterkirche. Um diese Behauptung zu untermauern, zog er das Beispiel der USA heran: „Dort sind in den vergangenen sechs bis sieben Monate 40 Millionen Jobs weggefallen. Das ist kein Triumph für uns, weil es uns auch betrifft, wenn die Kaufkraft dort sinkt und Produkte aus Deutschland nicht mehr nachgefragt werden.“

Rund 6,7 Millionen Menschen, das sind etwa 20 Prozent aller sozialversicherten Beschäftigten in Deutschland, befanden sich im Mai dieses Jahres in Kurzarbeit. Der Staat, betonte Heil, könne zwar in dieser Situation die Unternehmen mit diesen arbeitsmarktpolitischen Instrumenten unterstützen, sie seien allerdings auch selbst gefordert, die Situation zu nutzen, um sich auf die anstehende und durch die Corona-Pandemie heranrasende Transformation einzustellen. Die Automobilindustrie beispielsweise befinde sich längst im Wandel, was bereits Auswirkungen auf die Automobilzulieferer in der Region habe. „Daher macht es Sinn, Kurzarbeit mit Qualifizierung zu verbinden, die Digitalisierung voranzutreiben, sich mit den neuen Antrieben zu beschäftigen und die Mitarbeiter mitzunehmen.“

Denn nach der Krise werde nichts mehr sein wie früher sein. Die weltweiten Folgen für die Wirtschaft seien längst noch nicht abzusehen. „Die Exportnachfrage in Deutschland wird voraussichtlich noch bis Ende nächsten Jahres gedämpft sein“, prophezeite der Bundesarbeitsminister. Deswegen habe die Regierung beschlossen, das Kurzarbeitergeld von bislang zwölf Monaten auf bis zu zwei Jahre zu verlängern, worüber sich beispielsweise ein Mitglied des Betriebsrats von Gedore glücklich zeigte, allerdings auch Nachbesserungsmöglichkeiten äußerte. Seit November 2019 befinden sich bei Gedore 75 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit. „Wir trauen uns bislang nicht, aus der Kurzarbeit rauszugehen, weil wir die Welle nicht absehen können und dann nicht wieder so schnell reinkommen.“ Ein Unternehmen muss drei Monate warten, bis es erneut Kurzarbeit beantragen kann. „Es wäre sinnvoller, wenn man diese Zeit verkürzen würde, dann würden sich möglicherweise auch mehr Unternehmen trauen, früher hinauszugehen.“

Grundsätzlich lobten die in der Klosterkirche anwesenden Betriebs- und Personalräte die Maßnahmen und schnelle Umsetzung der Bundesregierung. Marko Röhrig, Geschäftsführer der IG Metall Remscheid und Solingen, wünschte sich allerdings auch, dass das Transferkurzarbeitergeld ebenfalls von zwölf auf 24 Monate verlängert würde. Denn in den Transfergesellschaften würden die geforderten Qualifizierungsmaßnahmen für einen schnellen Einstieg in einen neuen Job angeboten.