Hilfestellung für werdende Eltern in Remscheid

Begrüßungstasche in Remscheid : Hilfestellung für werdende Eltern

Eine Begrüßungstasche voller Informationen unterstützt Mütter und Väter von Neugeborenen.

Seit nunmehr fast neun Jahren arbeitet Kathrin Eikholt am Sana-Klinikum Remscheid. In dieser Zeit hat die Chefärztin der Frauenheilkunde und Geburtsmedizin vielen Eltern dabei geholfen, ihr Kind gesund auf die Welt zu bringen. Alleine in diesem Jahr waren es – Stand gestern – 1106 Neugeborene, die am Sana-Klinikum geboren wurden. Für die meisten der Eltern bringt der Nachwuchs vor allem Freude.

Doch für einige von ihnen bedeutet ein Kind vor allem eine Herausforderung, die sie alleine kaum stemmen können. Wie beantrage ich Kindergeld? Wie wickle ich mein Kind richtig? Was tue ich, wenn ich mich als Mutter nach der Geburt nicht so glücklich fühle, wie es doch sonst alle tun? Bei solchen Fragen kommen die „Frühen Hilfen“ ins Spiel.

Seit 2013 ist das Netzwerk in Remscheid vor Ort. Hier können sich Eltern, die sich überfordert fühlen, Unterstützung suchen. Durch Beratung und Information, aber auch durch intensivere Betreuung durch eine der beiden Familienhebammen oder die Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenschwester im Team.

„Es liegt oft nicht am Unwillen, sondern am Hintergrund der Eltern“, beschreibt Kathrin Eikholt ihre Erfahrung, dass gerade Mütter und Väter aus schwierigen sozialen und finanziellen Verhältnissen mit der Situation überfordert seien. Für sie ist die Fachstelle Frühe Hilfen in der Trägerschaft von Caritasverband und Kinderschutzbund die richtige Anlaufstelle. Allein: Sie müssen wissen, dass es diese Anlaufstelle überhaupt gibt.

Stadtsparkasse und Sana-Klinikum sorgen gemeinsam dafür, dass den Eltern die helfende Hand gereicht wird. Oder besser: die helfenden Hände. Solche sind nämlich abgebildet auf den Begrüßungstaschen, die dank der Sponsoren an die Eltern Neugeborener überreicht werden.

Sie enthalten neben Schnuffelhase „Ole“ und Babysöckchen vor allem eines: wertvolle Informationen für die ersten Tage, Wochen und Monate mit dem Kind sowie zu Themen wie Kinderbetreuung und ärztlichen Früherkennungsuntersuchungen.

„Uns ist bewusst, wie wichtig es ist, die Eltern schon früh über die Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren“, begründet Michael Wellershaus, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Remscheid, das Engagement. Dazu gehört auch das Babytagebuch, das die Stadtsparkasse aufgelegt hat. Darin können Eltern die Entwicklung ihrer Kinder Monat für Monat verfolgen und mit persönlichen Notizen begleiten.

„Wir sind sehr dankbar, dass es Sponsoren gibt, die die Kosten für die Begrüßungstaschen übernehmen“, betont Marie-Therese Frommenkord als Koordinatorin des Netzwerks. Nur so könne die personelle Ausstattung aufrechterhalten werden. Und das ist dringend notwendig.

2017 haben Frommenkord und ihre Kolleginnen Beate Nierhoff und Annette Stevens von der Fachstelle knapp 40 Anfragen auf eine Betreuung erreicht. Hinzu kommen Beratungen und andere Anfragen von hilfesuchenden Eltern. „Es gibt Warteschlangen. Und das in einem Bereich, in dem es eigentlich keine Zeit für Warteschlangen gibt“, sagt Annette Stevens. Finanziert werden die Frühen Hilfen jährlich einerseits durch 65 000 Euro an Bundesmitteln. Als im vergangenen Jahr klar wurde, dass dies nicht ausreichen wird, um dem Bedarf zu decken, stockte die Stadt auf.

Sie finanziert Fachstelle und Gesundheitsfachkräfte von 2018 bis 2020 jährlich mit 40.000 Euro. „Das ist eine Investition, die sich auszahlt. Umso früher sich anbahnende Probleme gelöst werden können, desto weniger Probleme gibt es später, wenn die Kinder älter werden“, erklärt Sozialdezernent Thomas Neuhaus.

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