Hier geht’s durch die Nacht der Kultur in Remscheid

Veranstaltungstipp in Remscheid : Hier geht’s durch die Nacht der Kultur

Viel erleben, ohne dabei gehetzt zu sein – das ist am Samstagabend nicht leicht. BM-Redakteur Christian Peiseler favorisiert für sich diese Events.

Wer durch das Programmheft der „Nacht der Kultur“ blättert, erlebt so etwas wie Produktflimmern. Viel zu viele Angebote. Man kann nicht alles besuchen. Was also tun? Entscheiden! Es gilt, eine Schneise durch die kulturelle Programmflut zu schlagen. Ziel: Viel sehen, aber nicht durch die Nacht hetzen.

Um entspannt den Abend zu beginnen, empfiehlt sich eine kleine Weinprobe im Barista Lerose am Rathausplatz. 50 Weine stellt der Wirt zur Verkostung bereit. Mir würde ein kleines Glas seines Weißweins aus Apulien zur Einstimmung reichen. Ein Schluck Fiano.

Lange kann ich mich dort aber nicht aufhalten. Mich reizt der Frauenchor Lyra. Jawohl. Ich habe noch nie in einem Chor gesungen. Ich könnte es mal anonym ausprobieren. Alle 20 Minuten geben die Frauen Einblicke in die Abläufe einer Probe. Und alle 20 Minuten gibt es Rudelsingen. Welche Textzeilen eingeblendet werden, wird nicht verraten. Bei Udo Jürgens würde ich noch mitsingen. Bei den Beatles sowieso. Auch bei Udo Lindenberg. Nur bei Helene Fischer ziehe ich mich zurück. Sympathischer Weise haben die Chorfrauen auch eine Ecke für Sing-Unwillige in ihrem Probenraum eingerichtet.

Nach meiner ersten Chorprobe ließe sich eine Erfahrung auffrischen, die weit zurückliegt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ein Hemd gebügelt habe. Ein T-Shirt, kein Problem. Aber ein Hemd? Das Tuchmuseum in Lennep stellt alte Bügeleisen aus. Und es gibt dort jede Menge Ratschläge, wie feiner Stoff unfallfrei geglättet werden kann.

Nach dem Ausflug nach Lennep wird es mit der Zeit schon knapp. Zwei Stunden bin ich dann bereits unterwegs. Im Teo Otto Theater tritt eine vielversprechende Sängerin mit einem vielversprechenden Programm auf. Rossini trifft auf Ramazotti. Zwei italienische Herzensbrecher. Mit dem Wein aus Apulien habe ich die Sonne Italiens in der Blutbahn. Vielleicht könnte der Frauenchor Lyra beim Rudelsingen einen Ramazzoti-Hit aufnehmen. Das wäre eine runde Sache. Viva Italia!

Nach gedankenschwerer Kultur habe ich in der „Nacht der Kultur“ kein sonderliches Verlangen. Eine Ausstellung zum „Klimawandel“ in der SPD-Geschäftsstelle – geschenkt. Foto-Ausstellung über das Element Wasser in den Räumen des Ambulanten Hospiz – geschenkt. Und auch die angeblichen Verwerfungen in der Deutschen Sprache durch englische Wörter interessieren mich diesmal wenig. Auch das Café Marktlücke, wo der Verein Deutsche Sprache seine Comics zeigt, suche ich nicht auf.

Also lieber etwas Buntes. Ich schaffe es wahrscheinlich noch, kurze Eindrücke von der Modeschau im Kommunalen Bildungszentrum zu bekommen. Nach meinem Bügelkurs im Tuchmuseum habe ich einen geschärften Blick dafür, ob die Klamotten bügeltechnisch auch gut sitzen und kein Knick im Revers den Auftritt schmälert.

Ob sich das verträgt? Party und Meditation? Warum nicht? Also ein bisschen stickige Luft im Löf einatmen. Dort steigt wieder die Zack-Zack-Party mit jeder Menge bekannter Gesichter. Auf den Musikgeschmack von Uwe Rapp ist Verlass. Spätestens um 23.40 Uhr muss ich die Theodor Körner Straße verlassen, um kurz vor Mitternacht in der St. Suibertus-Kirche zu sein. Dort gibt es ein Nachtgebet mit Taizégesängen. Das wäre auch eine neue Erfahrung.

Erfahrungsgemäß kommt es bei der „Nacht der Kultur“ aber immer anders als geplant. Doch das ist das Reizvolle. Ansonsten: Das komplette Programm steht auf der Internetseite der Stadt.