Heuballenbrände – Urteil erwartet

Prozess in Wuppertal : Heuballenbrände – Urteil erwartet

Für den Berufungsrichter scheint die Sache nach dem Ende der Beweisaufnahme klar zu sein: Der Angeklagte hat im Sommer 2017 die Heuballen angezündet.

Gemeinsam mit seinem Komplizen, der seine Berufung mittlerweile zurückgezogen hat und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Aber auch der hatte bis zum Schluss behauptet, nichts mit den Brandstiftungen zu tun zu haben.

Damit hat er etwas gemein mit dem 68-Jährigen, der auch diesmal wieder das Angebot der Kammer ausschlug, seine Berufung zurückzuziehen: Das könne er nicht, er sei schließlich nicht der Brandstifter. Stattdessen wurde der Angeklagte nun nochmals eingeholt von einer Vergangenheit, die seit beinahe 50 Jahren einen dunklen Schatten auf sein Leben wirft. Mit 18 Jahren wegen Diebstahls und Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von vier Jahren verurteilt, ging es danach weiter mit dem kriminellen Lebensentwurf. Hatte er bei dieser ersten Tat noch ein Ehepaar unvermittelt angegriffen und bei dem Diebstahl in einer Gaststätte den dort schlafenden Kochlehrling mit einem Tranchiermesser bedroht, so ging es kurz nach der Haftentlassung direkt weiter auf der „schiefen Bahn“.

Weil der Freund eingeschlafen war, mit dem er damals einen Einbruch geplant hatte, hielt er dem jungen Mann aus Wut ein Messer an den Hals und verletzte ihn schwer an der Luftröhre. Weitere vier Jahre später bedrängte er eine Zufallsbekanntschaft auf der Toilette einer Gaststätte und schloss die Tür von innen ab, um den Mann zur Herausgabe der Geldbörse zu zwingen. In den 1980er-Jahren brachte ihm dann ein versuchter Raub weitere drei Jahre und sechs Monate Haft ein. Nach einem Streit mit seiner damaligen Freundin hatte der Angeklagte mehrere Passanten mit einer Dachlatte geschlagen.

Völlig aus dem Ruder geriet das Leben des Angeklagten aber nach einer Tat, die ihn für 19 Jahre in die Gefängniszelle gebracht hatte. Wegen Totschlags war der 68-Jährige zu 13 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden, nachdem er eine Kneipenbekanntschaft mehrfach und derart heftig mit dessen eigener Waffe auf den Kopf geschlagen hatte, dass das Opfer kurz darauf an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas starb.

Von all dem will sich der Angeklagte mittlerweile losgesagt haben – und schaut man auf seine Strafakten der vergangenen Jahre, so liest man darin tatsächlich nur etwas über das Fahren ohne Führerschein oder den Diebstahl von Andrea Berg-CDs. Er wolle ins Kloster, nur noch seine Ruhe haben und unbedingt eine Traumatherapie machen, um den frühen Selbstmord des Vaters verarbeiten zu können. Dazu die Wegweisung des Berufungsrichters: „Sagen sie hier die Wahrheit, sonst klappt das nicht.“ Am 11. Dezember soll das Urteil verkündet werden.