Heuballen-Brände: Verfahren wird neu aufgerollt

Prozess in Wuppertal : Heuballen-Brände: Verfahren wird neu aufgerollt

Erst vor drei Monaten war der Prozess um die brennenden Heuballen in Remscheid und Umgebung mit der Verurteilung der beiden Hauptverdächtigen abgeschlossen worden.

Dabei hatten die spektakulären Brände von mehreren hundert Heu- und Silageballen im Sommer 2017 nur einen Teil der Anklage dargestellt – die Liste der Straftaten war erstaunlich umfangreich. Körperverletzung, Einbruch und Trunkenheitsfahrten ohne Führerschein in nicht zugelassenen Autos mit gefälschten Kennzeichen allein hätten schon heftige Strafen zur Folge haben können.

In diesem Licht erschien das Urteil gegen den 68-jährigen Wuppertaler, der als Anstifter und Hauptverantwortlicher galt, mit zwei Jahren und vier Monaten Haft noch am unteren Ende angesiedelt zu sein. Ähnlich wohlwollend kann man die zwei Jahre Haft für seinen halb so alten Freund und Gefolgsmann sehen, der jetzt in Wermelskirchen lebt. Gegen die erdrückende Beweislage bei der Brandstiftung und trotz der Geständnisse in den übrigen Vorwürfen waren die beiden Angeklagten in die Berufung gegangen.

Dem Älteren mit seiner umfangreichen Vorstrafenliste war das Urteil generell zu hoch, aggressiv beklagte er sich an seinem Anwalt vorbei. Der Jüngere, leise und zurückhaltend, hoffte auf seine Chance durch Aussetzung seiner Strafe zur Bewährung – auch um endlich seinen Traum vom Führerschein verwirklichen zu können. Der Berufungsrichter sah das hingegen kritisch: Wären die Angeklagten mit Blick auf die erdrückende Beweislage jetzt im Fall der Brandstiftung geständig, wäre aus seiner Sicht der Weg zu einer deutlich positiveren Bewertung sichtbar. Im gegenteiligen Fall könne es aber unangenehmer werden: Diverse Straftaten, bislang noch unberücksichtigt, könne das Gericht neu betrachten wollen. Da beide zugleich in die Berufung gegangen waren, gelte das sonst bei Berufungsverfahren übliche Verschlechterungsverbot nicht. Am Ende könne daher sogar eine deutlich höhere Strafe stehen.

Die Reaktion bei den Berufungsklägern und ihren Anwälten hätte nicht unterschiedlicher sein können: Schien es für die Verteidiger eher das pragmatische Angebot zu sein, so sahen die Angeklagten den Hinweis – teils lautstark, teils verzweifelt beklagend – eher als Erpressung. Auch der Verweis des Berufungsrichters darauf, dass bereits ein passives Danebenstehen beim Brand als Beihilfe gewertet werden könne, führte nicht zum Umdenken. Dabei war die unmittelbare Nähe zum Feuer unstrittig, bestätigt durch eine vom Arzt festgestellte CO2-Übersättigung im Blut durch die Brandgase. Mehrere Besprechungen der Parteien untereinander brachten keinen Durchbruch, die Berufungen wurden nicht zurückgenommen. Nun muss das Verfahren neu aufgerollt werden – mit möglicherweise nachteiligem Ausgang für die Angeklagten.