Heuballen-Brände in Remscheid und Solingen

Heuballen-Brände in Remscheid und Solingen : Zwei Männer als Brandstifter vor Gericht

Das Duo soll für den Heuballen-Brand in Birgden I verantwortlich gewesen sein.

Die beiden mutmaßlichen Heuballen-Brandstifter gelten als voll schuldfähig. Zu diesem Ergebnis kommt ein psychiatrisches Gutachten. Danach liegen keine Hinweise auf eine psychische Erkrankung vor, die auf eine fehlende oder verminderte Schuldfähigkeit hindeuten. Die Männer, die im Sommer 2017 unter Landwirten und Stallgemeinschaften in Remscheid und Solingen für Angst und Schrecken sorgten, müssen deshalb mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

Am 6. Dezember beginnt am Wuppertaler Amtsgericht der Prozess gegen das merkwürdige Duo. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf schwere Brandstiftung. Wie berichtet, sollen die damals 66 und 21 Jahre alten Männer zwischen dem 19. und 24. Juli 2017 mehrere hundert Heu- und Silageballen angezündet haben. Insgesamt brannte es siebenmal – unter anderem in Westhausen, in Buchholzen, auf Wermelskirchener und Solinger Stadtgebiet. Mangels Beweisen kommt nur ein Fall zur Anklage – der in Birgden I.

Dort endete die unheimliche Serie. Eine Polizeistreife stellte die Männer am Abend des 24. Julis, wie es schien auf frischer Tat. In ihrem Auto fanden die Polizisten unter anderem einen Gasbrenner. Das Wuppertaler Landgericht nahm die Verdächtigen in Untersuchungshaft, sah dann aber keine Fluchtgefahr oder andere Haftgründe mehr und setzte die Männer vorläufig wieder auf freien Fuß. Zu den Vorwürfen äußerten sie sich bis dahin nicht.

Die Aufnahmen einer Wildkamera könnten deshalb eine entscheidende Rolle vor Gericht spielen. Sie war von alarmierten Tierhaltern aufgehängt worden. Die Kamera, mit der Jäger üblicherweise Wildschweine, Rehe oder andere wildlebenden Tiere in den Fokus nehmen, soll die mutmaßlichen Täter zeigen.

Die Angeklagten sind mehrfach vorbestraft. In betrunkenem Zustand hatten sie bereits diverse Straftaten verübt. Auch bei ihrer Festnahme waren beide betrunken. Die Staatsanwaltschaft hatte vor diesem Hintergrund zudem Sicherungsverwahrung für einen der beiden Männer beantragt, das heißt, der mutmaßliche Brandstifter würde nach verbüßter Haftstrafe nicht sofort frei kommen, sondern in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen. Der Gutachter, der die Männer untersucht hat, zieht eine psychische Erkrankung jedoch nicht in Betracht. Auch geht der Experte mit Blick auf die gemessene Blutalkoholkonzentration – der 21-Jährige hatte zur Tatzeit ein Promille Alkohol im Blut – davon aus, dass der Mann sehr wohl wusste, was er tat.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 21-Jährigen deshalb außerdem vor, betrunken am Steuer des Fluchtwagens gesessen zu haben. Einen Führerschein besaß er nicht. Stattdessen soll er den Polizeibeamten bei seiner Festnahme ein gefälschtes Dokument überreicht haben.

(Boll)
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