Remscheid: Helfen will gelernt sein

Remscheid: Helfen will gelernt sein

Wer Fahrern von Rollatoren oder Rollstühlen in den Bus helfen will, sollte wissen wie.

Über das Busfahren machen sich viele Nutzer keine großen Gedanken. Die Tür geht auf, die Fahrkarte wird vorgezeigt und dann ein Sitzplatz gesichert. Alles eigentlich ganz einfach. Aber für ältere Menschen mit Rollator oder Menschen mit anderen Mobilitätseinschränkungen stellt das Ein- und Aussteigen in den Bus oft vor eine Hürde.

Deshalb bieten die Stadtwerke regelmäßig vor dem Teo Otto Theater Mobilitätstrainings an, bei denen das richtige Verhalten an einem Linienbus gezeigt und geübt werden kann. Diesmal gab es nun zum ersten Mal auch für die Busfahrer etwas zu lernen: Wie man einem Rollstuhlfahrer beim Ein- und Aussteigen am besten helfen kann.

Die Idee zu diesem umgekehrten Training stammt von Heike Kanter, die mit ihrer Rollstuhlgruppe "Fit und Mobil mit dem Rollstuhl" bei dem Angebot der Stadtwerke sozusagen Premiere feierte. "Viele aus der Gruppe trauen sich das Busfahren alleine nicht zu. Aber ich denke, jetzt nach dem Training, wagt es sicher auch der ein oder andere", sagt Kanter, die bereits Erfahrung hat, mit dem Rollstuhl Bus und Bahn zu nutzen.

Probleme bereite es vor allem da, wo es keinen Bordstein an der Haltestelle gebe. Denn der Winkel der Rampe, die bis zu 350 Kilo trägt, sei oft zu steil, um aus eigener Kraft hinaufzukommen. Dann muss der Busfahrer aktiv werden und zupacken. Durch die richtige Schiebe- oder Ziehtechnik kann er dem Rollstuhlfahrer in den Bus helfen. "Das Schieben fand ich aber wesentlich einfacher. Beim Ziehen geht es in den Rücken", merkt Elke Schwalm vom Beschwerdemanagement der Stadtwerke an.

Anhand von Probe-Rollstühlen konnte Schwalm, aber auch Passanten, an der Steigung zum Eingang des Allee-Centers selbst erfahren, wie schwer es für Rollstuhlfahrer ist, eine Steigung zu überwinden. Die Übung mit der Gruppe hat sie nachhaltig beeindruckt.

Künftig sollen deshalb alle Fahrer bei einer Schulung mit der Rollstuhlgruppe das richtige Verhalten trainieren, um so auch mehr Verständnis für die mobilitätseingeschränkten Fahrgäste zu bekommen. "Gut fand ich auch, dass eine Rollstuhlfahrerin angemerkt hat, dass es hilfreich wäre, wenn der Busfahrer erst dem Rollstuhlfahrer hilft und dann die anderen Fahrgäste in den Bus lässt. So sei mehr Platz in der Mitte", sagt Schwalm.

Das beherzte, aber oft zu überstürzte Eingreifen von anderen Passanten sei zwar gut gemeint, führe aber oft zu ungewollten Reaktionen, betont Kanter. Denn häufig fassen die Helfer, ohne ein Wort zu sagen, von hinten an den Rollstuhl. Das führt oft dazu, dass sich der Rollstuhlfahrer erschreckt. Besser sei es, erst zu fragen, ob Hilfe überhaupt benötigt wird.

"Bordsteinkanten sind für uns eigentlich kein Problem", betont Kanter mit einem Lächeln auf den Lippen.

(RP)