Remscheid: Heiterer Abend der Verwicklungen

Remscheid: Heiterer Abend der Verwicklungen

Beschwingt präsentierten die Bergischen Symphoniker und das Landestheater Detmold am Samstagabend die Strauss-Operette "Die Fledermaus" im Remscheider Teo Otto Theater. Das Stück begeisterte nicht nur musikalisch.

REMSCHEID So macht Operette Spaß. Ein großes, gut aufgelegtes Ensemble. Heimische Musiker, die furios durch ein dreistündiges Programm führen. Solisten, die den Schalk im Nacken pflegen. Und ein opulentes Bühnenbild, das den Zuschauer mitnimmt in einen Sündenpfuhl am Meer. Genau dort erzählen die Schauspieler des Landestheaters Detmold die Geschichte der "Fledermaus".

Während die Bergischen Symphoniker im Orchestergraben des Teo Otto Theaters unter der musikalischen Leitung von György Mészáros Johann Strauss alle Ehre machten, verstrickten sich die Figuren auf der Bühne in jene irrwitzige Geschichte, die nicht umsonst den Höhepunkt der Wiener Operette markiert.

Weil Dr. Falke einst von seinem Freund Eisenstein zum Gespött der Leute gemacht wurde, sinnt er auf Rache. Und die fällt ausgesprochen heiter aus: Im mondänen Flair eines Badeorts, zwischen rosa Plüsch und Petri Heil, inszeniert Dr. Falke eine feucht-fröhliche Nacht mit einem ausgeklügelten Verwechslungsspiel. Unterstützung bekommt er vom russischen Prinzen Orlowsky (bezeichnenderweise von Brigitta Bauma gespielt, die in ihrer Paraderolle glänzte).

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Er hat eine illustre Gesellschaft im Gefolge, die im zweiten Akt einen hervorragenden Chor abgibt und für Hochbetrieb auf der Bühne sorgt. Der verheiratete Eisenstein wähnt sich in bester weiblicher Gesellschaft und ahnt nicht, dass Ehefrau Rosalinde maskiert und unwissend auf dem gleichen Fest zu Gast ist. Auch Kammerzofe Adele versucht ihr Glück in der Gesellschaft und trifft dort auf Gefängnisdirektor Frank. Der Reigen um Untreue, Champagner und Vergeltung beginnt. Und er bringt viele starke Stimmen, bewegende Duette, astreine Terzette und tolle Chorauftritte zutage. Das gilt für Kammerzofe Adele, deren Rolle humorig von Jeanne Seguin gespielt wird. Und für Gefängnisdirektor Frank, den der beeindruckende Bass-Sänger Michael Zehe verkörpert. Und das gilt erst recht für Rosaline: Sopranistin Megan Marie Hart bekommt mit der Fledermaus ihren großen Auftritt - und wird ihm gerecht. Schade, dass das Orchester zuweilen so stark ist, dass die Worte der Sänger nur schwerlich zu verstehen sind. In einem türkisen Nadelstreifenanzug singt sich Andreas Jören als Eisenstein durch die Operette und macht den Zuschauern viel Spaß.

Ohnehin will "Die Fledermaus" nicht nur musikalisch begeistern - sondern auch zum Lachen bringen. Wenn Eisenstein seine Kammerzofe am Quietschen erkennt, Adele herzzerreißend zu jammern beginnt. Wenn sie aufgelöst feststellt: "Oh nein, ich bekomme meine Margarine" und sich dramatisch an den Kopf greift. Wenn der Liebhaber der Ehefrau, der versehentlich im Gefängnis gelandet ist, nicht aufhören will, in der Zelle zu singen. Oder wenn im dritten Akt schließlich der Frosch als betrunkener Gefängnisaufseher ins Spiel kommt und genervt erklärt: "Sie sind hier nicht in der Oper. Hier wird nicht gesungen, hier wird gebrummt". Und zwischendrin scheint ein kleines Tanzensemble durchs Stück zu sausen - mal in frivolen Kellneranzügen, dann als Wasserballett. Sie alle holen sich nach drei Stunden ihren verdienten Applaus ab. Der scheint besonders herzlich für die Symphoniker auszufallen - als klänge die Verbundenheit des Publikums mit.

(RP)
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