Heintjesmühle: Ende eines Anglerparadieses

Heintjesmühle : Ende eines Anglerparadieses

Der Angelclub Rotauge muss seine Heimat im Eschbachtal aufgeben und sich ein neues Domizil suchen.

Die Angelfreunde werden den Löwenteich aufgeben müssen. Die alte Stauanlage im Heintjesmühlenbach unweit der Landstraße 408 im Eschbachtal soll renaturiert werden. Im Betriebsausschuss der Technischen Betriebe (TBR) machte TBR-Chef Michael Zirngiebl dem Pächter, dem Anglerclub Rotauge, keine Hoffnung. „Die Anlage ist alt, hätte eigentlich schon lange saniert werden müssen“, stellte Zirngiebl fest: „Wir haben uns lange Zeit zu wenig um das Vereinsleben dort gekümmert.“

Der Löwenteich, Mittelpunkt eines 5000 Quadratmeter großen Naturareals mitten im Wald, gehört zu Wermelskirchen. In seiner 120-jährigen Geschichte lag das Gewässer früher auf Remscheider Gebiet. Die Stadt ist Eigentümer geblieben, federführend wird der Teich seit 2014 von den TBR betreut. Der Kreis Rhein-Berg, zu dem Wermelskirchen gehört, erteilt aufgrund des schlechten Zustandes der Anlage keine weitere wasserrechtliche Erlaubnis.

Die alte war 2004 nach 20 Jahren abgelaufen, für eine neue Erlaubnis hatte sich niemand verantwortlich gefühlt. „Die ist irgendwo im Rathaus hängengeblieben. Seit 2004 befinden wir uns mit dem Teich auf dem Stand einer Ordnungswidrigkeit“, gab Zirngiebl zu. Mittlerweile haben sich die TBR den mit Karpfen, Schleien, Brassen, Rotaugen, Forellen und Edelkrebsen besetzten Angelteich freilich genau angeschaut. Oberhalb und unterhalb des Damms wird dem Bach eine biologisch einwandfreie Wassergüte attestiert.

Ansonsten zollt das einstige Anglerparadies der Zeit Tribut. Zirngiebl zählte auf, dass die Rechen verrostet sind, der Damm durchspült, die Zaunanlage um den Teich marode ist. Um dies in Schuss zu setzen, müssten 24.100 Euro investiert werden. Das mit der Prüfung beauftragte Ingenieurbüro Beck in Wuppertal sieht weitere hohe Kosten: den Einbau eines Auflassfilters, ein Treibgutrückhalt sowie eine Dammerhöhung. Allein letztere wird mit 57.500 Euro beziffert. Insgesamt gehen die Gutachter von mindestens 130.000 Euro aus. „Eine Summe, die der AC Rotauge nicht aufbringen kann“, stellte Zirngiebl fest. Bislang hat der einzige Angelclub Remscheids mit eigenem Vereinsgewässer 150 Euro Pacht im Jahr gezahlt.

Auch die Stadt Remscheid ist nicht gewillt, zu investieren. Es mache schlicht keinen Sinn, erklärte Zirngiebl, weil der Kreis Rhein-Berg nur eine bis 2027 befristete Erlaubnis ausstellen werde. Danach sei ohnehin Schluss. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie fordert die Durchgängigkeit der Gewässer, Fische und Amphibien dürfen nicht durch Wehre und Stauanlagen am Wandern gehindert werden. „Ab 2020 soll deshalb der Rückbau der Anlage beginnen“, kündigte Zirngiebl an. Der Damm werde „geschlitzt“, also wieder geöffnet. Der TBR-Leiter gab dem AC Rotauge bis Ende 2019 eine Standortgarantie, danach müssten sich die Angler ein neues Domizil suchen. Die Stadt will dabei in Zusammenarbeit mit der Fischereigenossenschaft Wuppertal behilflich sein. „Was aber schwierig ist, weil dieses Schicksal viele Vereine teilen“, meinte Zirngiebl. Andere Teiche wurden dem AC Rotauge bereits vorgeschlagen, aber vom Club abgelehnt, unter anderem, weil Parkflächen fehlen. Michael Zirngiebl liebäugelt mit der Panzertalsperre als Ersatz.

Ilona Kunze-Sill (SPD) wollte wissen, ob das Vereinsheim stehenbleiben dürfe. Dies bejahte Zirngiebl zwar nicht, ging aber davon aus, dass die Hütte von ihrer Größe nicht aus dem Rahmen fiele und deshalb möglicherweise stehenbleiben könne.

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