Heimatbühne: Krach um den Steffenshammer

Remscheid : Krach um den Steffenshammer

Die Lüttringhauser Heimatspiele feierten mit ihrem neuen Stück „Wie der Steffenshammer auf dem Himalaya kam“ eine gelungene Premiere. Der Autor Christian Wüster übernahm selber eine Rolle.

Eine gelungene Premiere feierte am Wochenende die Lüttringhauser Volksbühne. Das neue Stück, das 1903 im Morsbach spielt, kam beim Premierenpublikum am Samstag bestens an. Christian Wüster überzeugte dabei nicht nur als Drehbuchautor, sondern sorgte auf der Freilichtbühne auch als Opa Wahnfried für Stimmung.

Scheinwerfer waren am Samstag keine nötig: Für ihre Mühe und ihren Einsatz wurden die Laiendarsteller der Volksbühne bei der Premiere ihres diesjährigen Heimatspiels in Remscheider Mundart, diesmal mit schönstem Sonnenscheinwetter belohnt. Hinter dem evangelischen Gemeindehaus im Lüttringhauser Ortskerns hatte das Team um Vereinsvorsitzenden Christian Wüster wieder einmal ein kleines bergisches Dorf erbaut, mit einer Szenerie aus bergischem Fachwerk. Ein Marktplatz, auf dem sich die Figuren des Stückes immer wieder begegneten, war das Herzstück des wohlbekannten Szenarios. Links und rechts davon waren zwei Gartenlokale der verfeindeten Familien Schlieper und Flüs beheimatet, mittendrin der Kotten von Schmied Steffens, der Steffenshammer. Um diesen drehte sich die wahnwitzige Geschichte mit kecken Verwirrspiel.

„Wie der Steffenshammer auf dem Himalaya kam“, lautete der Titel des Stücks, das aus der Feder von Christian Wüster stammt: Der ehrenwerte Kaufmann Alwin Meyer hatte es geschafft, die bergischen Eisenwaren aus dem Morsbachtal auf der ganzen Welt anzupreisen und Abnehmer für Ambosse, Hämmer und Feilen zu gewinnen. Im Morsbach war Herr Meyer sehr angesehen, weil er dem Ort volle Auftragsbücher bescherte.

Allen voran Schmied Steffens vertraut dem Kaufmann blind. Als ein Brief aus Tibet den Ort erreicht, in dem von einer großen Summe Geld die Rede ist, unterschreibt Steffens. Die verfeindeten Wirtspaare, allen voran die beiden Ehefrauen, die sich im Stück immer wieder witzige Wortgefechte liefern, sich gegenseitig boykottieren und mit Eiern bewerfen, sollen zu diesem freudigen Anlass gemeinsam ein großes Fest zur Ankunft des Kaufmanns organisieren. Doch als der Mitarbeiter des Katasteramts ins Morsbachtal kommt, macht er Steffens darauf aufmerksam, dass er mit seiner Unterschrift nicht etwa seine Produkte, sondern den kompletten Steffenshammer verkauft habe.

Dieser solle nun umgehend, samt Kotten und Schmiedehammer, nach Tibet auf den Himalaya gebracht werden. Steffens und der gesamte Ort fühlen sich hintergangen und fordern Lynchjustiz. Statt eines großen Festes erwartet den unehrenhaften Kaufmann nun der Prozess.

Durch eingeschobene Szenerien mit den zahlreichen Jungdarstellern, Pfarrer Loborn und nicht zuletzt Opa Wahnfried, die durch kleinere Kalauer und Klamauk immer wieder amüsieren, wirkte das Stück trotz der Zeit, in der es spielt, modern und erfrischend. Die Spielfreude der Laiendarsteller, die tolle Kulisse und die originellen Kostüme jener Zeit runden das Gesamtwerk wunderbar ab.

Ob Alwin Meyer am Ende verurteilt wird oder ob der bergische Sturkopp doch noch einlenken muss, wird an dieser Stelle nicht verraten. Wer wissen will, wie die Geschichte endet und die tolle Arbeit der Volksbühne unterstützen will, sollte die kommenden Aufführungen nicht verpassen.

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