Remscheid: Hazet - 150 Jahre Erfolg mit Werkzeugen

Remscheid: Hazet - 150 Jahre Erfolg mit Werkzeugen

Das Familienunternehmen in der fünften Generation behauptet sich bis heute als einer der führenden Werkzeughersteller in der Welt. 500 Menschen arbeiten in vier Werken. Der Umsatz liegt bei 97 Millionen Euro.

Mit der Wucht eines Autos, das aus zehn Metern Höhe zu Boden stürzt, knallen die drei Hämmer in der Schmiede des Werkzeugherstellers Hazet auf glühende Rohlinge. Wom, wom, wom - bis zu fünf Mal fällt der Hammer. Heiß, schmutzig und laut ist dieser Arbeitsplatz. Die Schmiede tragen leichte Shits und Ohrstöpsel. Sie arbeiten in Teams. Einer zieht den glühenden Stahl aus dem 1100 Grad heißen Ofen und legt ihn in den Hammer. Der andere dreht das weißrötlich schimmernde Metall in dem Gesenkblock hin und her und formt es so präzise wie möglich. Timing, Augenmaß und Erfahrung bilden ein gefragtes Trio, um die richtigen Stellen zu treffen. Sonst entsteht Schrott.

150 Jahre ist es her, dass Hazet-Hämmer Werkzeuge formen. Zuerst am Standort Vieringhausen, Ecke Solingerstraße. Später im großen Werk am Güldenwerther Bahnhof. Nicht weit entfernt vom Hammertal, wo die ersten Kotten Remscheids Ruf als Werkzeugstadt begründeten.

150 Jahre Hazet - das ist eine Erfolgsgeschichte. Das Familienunternehmen in der fünften Generation behauptet sich bis heute als einer der führenden Werkzeughersteller in der Welt. Technisch immer am Puls der Zeit, konnte das Werk mit den Anforderungen der Industrie, vor allem der Autoindustrie, wachsen. Der Umsatz umfasste im vorigen Jahr 97 Millionen Euro. 500 Menschen arbeiten in vier Werken. Eine Produktpalette von 5500 Werkzeugen bietet Hazet an. 65 Prozent davon verkaufen die Außendienstler in Deutschland, 35 Prozent im Ausland.

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Volker Schramm kam 1972 zu Hazet. Bis zu seinem 67. Lebensjahr reiste er mit den Prospekten durch die Republik. "Die Welt da draußen ist ein Haifischbecken. Am Ende kommt es darauf an, dass die Zahlen stimmen", sagt Schramm. Bei ihm stimmten sie. Hazet war sein Leben. Heute führt er Besucher durch die Hallen. Als in den 1980er-Jahren die ersten CNC-Maschinen angeschafft werden sollten, ging ein Riss durch die Belegschaft. "Ich war auch dagegen", sagt Schramm. Die computergesteuerten Fräsen können in viel kürzerer Zeit die Gesenke für die Schmieden herstellen. Wofür früher die Werkzeugmacher zwei Wochen gebraucht haben, das schafft die CNC-Maschine heute in wenigen Stunden. "Man kann ein Gesenk per Hand herstellen, aber nicht zwei gleiche hintereinander", sagt Konstrukteur Thomas Piel. In seinem Büro entwickelt der Ingenieur mit Kollegen die Werkzeuge von morgen. Mit 3D-Programmen und mit einem 3D-Drucker. Was virtuell an seinem Bildschirm entsteht, kann an der Werkbank umgesetzt werden. Das große Feld von Trial and Error hat sich maximal verkleinert. "Mit der Simulation kommen wir der Wirklichkeit schon sehr nahe", sagt Piel.

An wenigen Stationen der Produktionsstraße sind auch Roboter im Einsatz. An den meisten Maschinen stehen aber Männer, die den Entstehungsprozess eines Schraubenschlüssels zum Beispiel begleiten. Mindestens elf Schritte - von der Schmiede bis zur Härterei - sind dafür notwendig. Mit bloßem Auge kontrolliert ein Mann, ob der Rohling auch gerade ist. Wo nicht, wird er mit dem Hammer gerichtet.

Mit Matthias Hoffmann (seine Mutter ist eine geborene Zerver) steht ein Familienmitglied an der Spitze. Die nächste Generation, Hoffmanns Söhne, stehen bereit, die Tradition fortzuführen, damit es weiter in Güldenwerth wom, wom, wom macht.

(RP)
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