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Hartmut Demski: „Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt“

Interview mit Hartmut Demski : „Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt“

Für Hartmut Demski läuft gerade die letzte Arbeitswoche. Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lennep freut sich auf den Ruhestand.

Herr Demski, es läuft Ihre letzte Arbeitswoche als Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lennep. Freuen Sie sich auf den Ruhestand?

Hartmut Demski Ja, ich freue mich darauf. Ich freue mich auf die Verabschiedung im Gottesdienst am Freitag. Und ich freue mich darauf, die Verantwortung ablegen zu können und mich von dem Gefühl zu befreien, dass ich mich noch um dieses und jenes kümmern muss.

Sie standen 15 Jahre an der Spitze des Kirchenkreises. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Demski Ich fange mal mit dem Guten an. Es war mir immer wichtig, die Arbeit im Kirchenkreis auch geistlich zu prägen. Ich wollte mich also von Anfang an nicht aus der Seelsorge in die Verwaltung verabschieden, sondern ich wollte immer auch Pfarrer bleiben. Ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen. Ich hatte zudem das Ziel, die Kooperation zwischen den Gemeinden zu fördern, um den Kirchenkreis in die Zukunft zu führen. Auch damit sind wir ein gutes Stück vorangekommen. Nun zum weniger Guten: 2005 hatten wir über 80.000 Gemeindeglieder, jetzt haben wir 62.000.

Warum verliert die Kirche so viele Menschen?

Demski Das hat viele verschiedene Ursachen. Ich habe zum Beispiel den Eindruck, dass es fast schon zum guten Ton gehört, nicht oder nicht mehr zur Kirche zu gehören. Prominente wie Carolin Kebekus oder Dunja Hayali lassen so etwas beiläufig fallen. Als wäre das ein Ausweis dafür, modern zu sein.

Ihre Nachfolgerin Antje Menn ist auch modern. Sie möchte neue Gottesdienstformate erproben, um Kirche wieder zu einem Ort zu machen, wo die Menschen andocken können. Eine gute Idee?

Demski Ja. Die Corona-Pandemie gibt dafür ein gutes Beispiel ab. Wir haben in der Kirche viele neue Formate entwickelt, die vorher nahezu undenkbar waren. Gottesdienste im Videostream, Blogs und Podcasts. Die Zugriffszahlen waren enorm. Wir sollten Vieles davon fortführen und weiterentwickeln.

Was für einen Kirchenkreis hinterlassen Sie Ihrer Nachfolgerin Antje Menn?

Demski Ich glaube, wir sind nah an den Menschen und für die Zukunft gut aufgestellt. Das hat auch damit zu tun, dass die Gemeinden gelernt haben, aufeinander zuzugehen und Aufgaben gemeinsam zu erledigen. Bis hin zu einem gemeinsamen Pfarrdienst.

Sie sind ein Mann der Ökumene. Wie steht es heute um das Miteinander der Evangelischen und der Katholischen Kirche?

Demski Ich habe im Katholischen Stadtdekanat mit Thomas Kaster immer offene Türen vorgefunden. Das habe ich als großes Geschenk erlebt. Dazu kam das herzliche Verhältnis zu der freikirchlichen Friedenskirchengemeinde und Pastor Carouge. Heute stehen wir so gut beieinander, dass wir ein Stück weit ungeduldig geworden sind. In den Gemeinden vor Ort würden wir gerne mit gemeinsamen Gottesdiensten, Abendmahl und Schritten in die Zukunft schneller vorankommen.

Sie haben auch den Muslimen immer die Hand gereicht. Wie beurteilen Sie das Verhältnis von Christen und Muslimen in Remscheid?

Demski Zu den Gemeinden, mit denen wir in Kontakt stehen, ist das Verhältnis freundschaftlich und von Toleranz und Respekt geprägt. Es gibt Menschen, die mich deswegen kritisieren. Die sagen, ich würde zu wenig Kritik an den Radikalen üben. Ich habe das getan 2014 nach dem antisemitischen Anschlag auf die jüdische Synagoge in Wuppertal. Das war eine Tat, begangen von Extremisten, die Unfrieden stiften wollen. Und genau damit dürfen sie keinen Erfolg haben. Das Verhältnis zu den Menschen in unserer Nachbarschaft darf nicht zerstört werden.

Der türkische Staat trägt allerdings nicht gerade zu einer friedlichen Nachbarschaft bei. Es gab deshalb einen großen Aufschrei, als sie für den Bau der Moschee in Stachelhausen um Spenden warben.

Demski Man darf da nicht alles zusammenwerfen. Als vor wenigen Wochen die altehrwürdige Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee umgewandelt wurde, habe ich mich auch geärgert. Dennoch stehe ich weiter dazu, dass unsere Nachbarn ein angemessenes Haus für ihre Gottesdienste bekommen sollen.

Sie haben mit Ihrer Meinung nie hinter dem Berg gehalten, wenn es etwa um die menschenwürdige Behandlung von Flüchtlingen ging. Soll Kirche politisch Position beziehen?

Demski Ja, absolut. Eine Kirche, die sich da heraushält, verfehlt einen Teil ihres eigenen Auftrags. Ich halte nichts von einer moralisierenden Kirche. Von einer Kirche mit erhobenem Zeigefinger. Aber wir haben Werte und Überzeugungen, für die wir einstehen müssen. 2015 dürfe sich nicht wiederholen, heißt es jetzt oft. Das mag durchaus zutreffen. Was wir aber 2020 und schon vorher in Moria erlebt haben, hätte sich nie ereignen dürfen. Und was den Umgang mit den Menschen angeht, würde ich mir in Deutschland heute durchaus etwas mutigere Schritte wünschen.

Deutschland sollte mehr Menschen aufnehmen und nicht nur besagte 1553?

Demski Deutschland gemeinsam mit den Willigen in der Europäischen Union.

Und die Unwilligen kriegen den Geldhahn zugedreht?

Demski Oder sie werden an den Kosten beteiligt.

Nach Ihrer Verabschiedung werden Sie zunächst einmal tief durchatmen, haben Sie gesagt. Und dann?

Demski Mit dem Berufsleben ist Schluss. Ich werde weiter im Freundschaftsverein Remscheid-Kirsehir mitarbeiten, wenn auch nicht als Vorsitzender, und in der Diakonen-Schule im Tannenhof Kirchengeschichte unterrichten. Zudem bin ich weiter als Christen- und Kirchenmensch unterwegs; da ergibt sich immer eine Aufgabe. Und schließlich bin ich vierfacher Großvater.

Sie bleiben in Wermelskirchen wohnen. Viele andere Pfarrer im Ruhestand tun genau das nicht. Warum Sie?

Demski Weil wir uns dort zuhause fühlen. Vieles ändert sich jetzt, da ist es gut, dass Freunde, Nachbarn und Gemeinde uns erhalten bleiben.