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H2O: Kein Eintritt in Lennep ohne Online-Ticket

Regeln während der Corona-Pandemie : H2O: Kein Eintritt ohne Online-Ticket

Wer keinen Zugang zum Internet hat, kann das Lenneper Freizeitbad und das Freibad Eschbachtal nicht besuchen. Heidemarie Borstel findet dies diskriminierend. Sportamtleiter Martin Sternkopf arbeitet an neuem Zeitfenster.

Seit 20 Jahren besucht Heidemarie Borstel die Sauna-Landschaft des H2O. Meist kommt die 70-Jährige aus Hattingen mit einer Freundin nach Remscheid, um sich in der Kelo-Sauna und vor der Solewand für ein paar Stunden zu entspannen. Für sie besitzt das H2O die schönste Wellness-Anlage in der Umgebung. Doch die Liebe zu der Einrichtung in Lennep hat eine Riss bekommen. „Man hat mich abgewiesen, weil ich kein Ticket im Internet gekauft habe“, sagt Borstel. Für sie ist das ein Akt der Diskriminierung. „Ich habe kein Internet und ich brauche kein Internet“, sagt die Hattingerin. Und sie weiß, dass viele ihrer Generation es ablehnen, sich in die Online-Welt einzuloggen.

Badmanager Christian Liese kann den Ärger gut verstehen. „Wir haben viele Stammkunden der älteren Generation, die von den Maßnahmen betroffen sind“, sagt Liese. Die Entscheidung, nur Menschen ins Bad zu lassen, die im Internet ein Zeitfenster gebucht habe, sei im Vorfeld ausführlich diskutiert worden. „Wir haben keine andere Möglichkeit gesehen, als mit diesem Kontrollinstrument die Auflagen der Corona-Verordnung zu erfüllen“, sagt Liese. So haben die Mitarbeiter immer den Überblick, wie viele Menschen sich in der Wasserlandschaft und im Sauna-Bereich aufhalten.

Heidemarie Borstel zeigt Verständnis, für die Hygiene-Regeln während der Corona-Pandemie. Ihr leuchtet aber nicht ein, wieso das H2O nicht in der Lage sei, den Betrieb so zu regeln wie es in Restaurants und Cafés üblich sei: Die Besucher tragen sich in Listen ein. Laut Liese würde das Führen von handschriftlichen Listen nur Kuddelmuddel verursachen, und es bestehe die Gefahr, dass die Mitarbeiter die Übersicht verlieren.

Die Anzahl der erlaubten Besucher ändert sich im H2O je nach Wetter. In der Wasserlandschaft dürfen es bei kühlen Temperaturen 200 Gäste sein. Bei Sonnenschein 400, weil der Außenbereich mit hinzugenommen wird. „Wir sind schnell ausgebucht“, sagt Liese. Reservierungen fürs Wochenende werden bereits vorgenommen. „Wenn wir allen Wünschen nachkommen wollten, wären 1000 Besucher am Tag im Bad“, sagt Liese. Mit Besuchen in der Sauna halten sich die Menschen aber zurück. „Da könnten wir mehr gebrauchen“, sagt Liese.

Der Besuch im Freibad Eschbachtal ist ebenfalls gebunden an den Kauf eines Online-Tickets. Mit dieser Regel scheinen nicht alle einverstanden zu sein. „Es gab bei uns die eine oder andere Beschwerde“, sagt Martin Sternkopf, Leiter des Sportamtes. Wer kein Ticket im Internet gebucht hat, muss wieder nach Hause gehen. „Wir haben sonst keine Chance genau nachzuhalten, wie lange der Gast im Bad war“, sagt Sternkopf. Die Anzahl der Teilnehmer ist auf 750 Besucher begrenzt. Sternkopf will aber versuchen, ob er einen Slot für spontane Besuche öffnen kann. Denn das Freibad leidet unter Zuspruch. In den vergangenen vier Wochen kamen nicht mehr als 1000 Besucher.

Heidemarie Borstel will sich keinen Zugang zum Internet verschaffen, nur um ins H2O zu kommen. Solange die Corona-Regeln gelten, wird sie wohl auf ihren geliebten Saunabesuch verzichten müssen.