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Remscheid: Gutachter: Mordversuch mit Konzept

Remscheid : Gutachter: Mordversuch mit Konzept

Der gewaltsame Übergriff auf eine Remscheiderin vom 3. Januar stellt sich immer mehr als Beziehungsdrama heraus. Auch wenn der tatverdächtige Ehemann nach wie vor bestreitet, seine von ihm getrennt lebende Frau im Keller eines Mehrfamilienhauses an der Freiheitstraße misshandelt und mit drei Schüssen lebensgefährlich verletzt zu haben, stehen die Eheprobleme der beiden nach sechs Verhandlungstagen vor dem Wuppertaler Landgericht außer Frage.

Gestern gab der psychologische Gutachter seine Einschätzung zur Persönlichkeit des Beschuldigten ab. Allerdings räumte der Facharzt für Psychiatrie ein, dass sich seine Angaben ausschließlich auf seine Beobachtungen im Verlauf des Prozesses stützen. Vorausgesetzt, der Italiener sei tatsächlich der Täter, stehe das Tatmotiv in jedem Fall in Zusammenhang mit der Ehegeschichte, erklärte der Gutachter. Seit die beiden sich als junge Erwachsene kennenlernten, habe der Mann den Eindruck gehabt, seine Partnerin wachse in ungünstigen sozialen Verhältnissen auf. "Der Angeklagte hat seine Frau jedoch immer als etwas Besseres angesehen", bemerkte der Mediziner. Die gegenseitig geäußerten Feindseligkeiten der beiden Familien hätten schließlich das ganze Eheleben des Paares durchzogen.

Im Laufe der Jahre hätte sich die Ehefrau jedoch mehr und mehr emanzipiert. Das traditionelle, patriarchalische Denken, das möglicherweise beim Beschuldigten vorliege, könne zum Konflikt beigetragen haben. Dennoch habe das Paar "nicht zusammen leben, jedoch auch nicht voneinander lassen können." Die mehrfachen Trennungen und Versöhnungen hätten auf beiden Seiten zermürbend gewirkt. Die Tat als solche könne jedoch nicht als Affekthandlung gewertet werden. "Der Täter hat ein Tatkonzept gehabt, dem Opfer aufgelauert, die Waffe mit einem selbstgebastelten Schalldämpfer versehen und sich durch die Maskierung vor Entdeckung geschützt", befand der Gutachter.

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Weiterhin standen die Aussagen der Geschädigten nochmals im Mittelpunkt des Prozesstages. In den verlesenen Protokollen war auffällig, wie detailgenau sich das Opfer trotz der schweren Verletzungen an den Tathergang erinnern konnte. Ganz sicher ist sie, ihren Mann als Täter erkannt zu haben.

(RP)