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Gustav Flohr: Freiheitskämpfer und Bürgermeister

Buchvorstellung in Hasten : Freiheitskämpfer und Bürgermeister

Gustav Flohr war Kommunist, kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg und war für sieben Monate Oberbürgermeister Remscheids. Jetzt hat der Politikwissenschaftler Jörg Becker bisher unveröffentlichte Schriften Flohrs herausgebracht.

60 Interessierte wollten bei der Buchpräsentation am Mittwochabend im Remscheider Werkzeugmuseum dabei sein: Gustav Flohr ist das alleinige Thema des Buches „Noch ein Partisan! Ein Remscheider Kommunist, Klempner, Spanienkämpfer und Bürgermeister.“ Der in Solingen wohnende Politikwissenschaftler Prof. Jörg Becker hat die unveröffentlichten Schriften Flohrs auf 500 Seiten editiert und kommentiert. Der Dietz-Verlag aus Bonn hat das Buch herausgegeben.

Die Präsentation fand einen Tag nach dem 55. Todestag des Remscheider Politikers statt. Der Vorsitzende des Kulturausschusses, Karl-Heinz Humpert, überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters. Marko Röhrig, Geschäftsführer der IG Metall Remscheid-Solingen, moderierte. Kernstück der Buchpräsentation war keine Lesung, sondern ein Gespräch, in dem sehr viel über die Motivation zu hören war, solch ein Buch herauszubringen – und ebenso viel über den Menschen Gustav Flohr.

Alexander Behrens vom Dietz-Verlag moderierte das Gespräch, an dem Fritz Beinersdorf, Fraktionsvorsitzender der Partei „Die Linke“ im Remscheider Stadtrat, sowie Prof. Jörg Becker, der als Parteiloser dieselbe Partei in Solingen unterstützt, teilnahmen. „Flohr war zutiefst geprägt vom Widerstand gegen den Nationalsozialismus“, stellten die Gesprächspartner schnell fest, und Fritz Beinersdorf ergänzte: „Er war sicher ein bunter Hund.“ Und Beinersdorf weiß, was er sagt, denn er hat Flohr persönlich gekannt.

Gustav Flohr wurde 1895 in Remscheid geboren und ist in seiner Heimatstadt am 18. Februar 1965 verstorben. Flohr trat im Alter von 15 Jahren in die SPD ein, nach deren Spaltung in die USPD. Während der Nazizeit war er ausschließlich im Untergrund tätig, bevor er nach Kriegsende in die KPD eintrat und auch für diese Partei Reichstagsabgeordneter war. Gustav Flohr war zeitweise in einem KZ interniert, ebenso in einem Gefängnis. Ende der 1930er Jahre kämpfte Flohr im spanischen Bürgerkrieg. Außerdem war er Offizier der Résistance und arbeitete für den US-amerikanischen Geheimdienst OSS und für die Stasi. Im Jahr 1946 war er für sieben Monate Oberbürgermeister von Remscheid. Zuletzt war Flohr Betriebsratsvorsitzender bei der Diehl KG in seiner Heimatstadt.

„Ein Mensch mit Ecken und Kanten“, resümierte Jörg Becker diesen Lebenslauf, „ein echter Remscheider eben.“ Becker war mehr oder weniger durch Zufall dazu gekommen, an diesem Buch zu arbeiten. „2008 rief mich eine Frau an“, erzählte er, „und fragte, ob ich als Geschichtsprofessor nicht Interesse am Nachlass ihres Großvaters hätte?“

Das war Regina Triesch, Enkelin von Gustav Flohr. Becker hatte Interesse und schätzte, dass er in einem Jahr mit der redaktionellen Arbeit fertig sein würde.

Recht schnell wurde klar, dass dies eine Fehleinschätzung ersten Ranges war. „Flohr hat ungeheuer viel Manuskripte hinterlassen“, erzählte der Professor, „und die Recherchen haben sehr viel Zeit beansprucht. Letztenendes waren es jetzt zwölf Jahre, die bis zur Veröffentlichung des Buches vergangen sind.“

Das politische Herz Flohrs schlug links. Man darf ihn als Arbeiterführer bezeichnen. Er veränderte sich menschlich, als er die große Welt außerhalb seiner Heimat kennenlernte, unter anderem die beiden Hauptstädte Amsterdam und Paris. Flohr hat immer auf die Einheit Deutschlands hingearbeitet.

Der Aufenthalt im Konzentrationslager hat Flohr nicht gebrochen. Für Prof. Becker war es eine große Freude, maßgeblich an diesem Buch über diesen schillernden Mann aus dem Bergischen Land gearbeitet zu haben. Und Fritz Beinersdorf ergänzte: „Vielleicht bekommen wir in Remscheid ja doch noch eine Gustav-Flohr-Straße.“