Gülle: Gutes Zeugnis für die Bauern

Remscheid : Gülle: Gutes Zeugnis für die Bauern

Die Behörden loben die Landwirte im Bergischen für ihr Verantwortungsbewusstsein.

Das Fahren von Gülle ist in der Gülleverordnung streng geregelt. Danach dürfen die Landwirte seit dem 1. Februar wieder Gülle und Jauche auf ihren Wiesen und Feldern ausbringen. Auch die Menge ist geregelt: Mehr als 170 Kilogramm Stickstoff je Hektar dürfen es nicht sein.

Doch die Umweltkatastrophe vom 18. März 2015, bei der von einem Bauernhof in Halver 1,7 Millionen Liter der stinkenden Brühe in die Neyetalsperre geflossen waren, hat nicht nur den Ruf des Landwirtes ramponiert. Zwar wurde der Mann vom Strafvorwurf zwischenzeitlich freigesprochen, doch sieht sich seither die ganze Bauernschaft unter Generalverdacht gestellt, der von den Gülletransporten, die aus den Niederlanden anrollen, noch genährt wird.

"Sobald die Menschen ein Güllefass sehen, nehmen sie an, die Gülle fließe direkt ins Grundwasser", sagt Martin Dahlmann, Landwirt mit Hof in Wuppertal und Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, in der auch die Remscheider Landwirte organisiert sind. Sie kennen die Vorwürfe, die gerümpften Nasen.

Ihnen begegnen die Landwirte humorvoll. "Wir machen Mief", steht über einem Foto von Bauern mit einer Wäscheklammer auf der Nase, die vor einem großen Güllefass Aufstellung genommen haben. Die kurz gefasste Botschaft: "Gülle, gerne auch als Wirtschaftsdünger bezeichnet, ist für uns in der Landwirtschaft für das Wachstum von Pflanzen unverzichtbar. Und ja, das Zeug stinkt auch. Uns übrigens auch. Können wir leider nicht ändern."

Überwacht werden die Landwirte beim Güllefahren von der Landwirtschaftskammer NRW. Nach dem Zufallsprinzip treffen ihre Kontrolleure eine Auswahl. Wer den Eindruck hat, dass der Bauer in seiner Nachbarschaft zu viel oder das Falsche auf die Wiesen und Felder kübelt, kann sich ebenfalls an die Landwirtschaftskammer wenden. "Wir kommen dann raus und prüfen", sagt Kammersprecher Uwe Spangenberg.

Die Stadt Remscheid ist an der Seite des Wupperverbandes für die Kontrolle der Bäche zuständig. Der große Wasserwirtschaftsverband betreut zehn Talsperren im Bergischen und misst jährlich die Nitratwerte in den Bächen, die hineinfließen. Ergebnis: Die Spitzenwerte liegen bei elf Milligramm pro Liter Bachwasser. Die Obergrenze für Trinkwasser: 50 Milligramm.

"Die Landwirte gehen mit der Gülle sehr verantwortungsvoll um", sagt Wolfgang Putz, Leiter des Umweltamtes. Übrigens auch mit Importgülle, die ausgebracht wird. Bleibt der Gestank. Dagegen setzen die Landwirte zunehmend auf Güllefässer, die die Brühe über Schläuche bodennah ausbringen. Nachteil: Dieses Verfahren überlebt kein Junghase in seiner Sasse und außerdem kein Ei eines Bodenbrüters im Nest.

(ric/red)
Mehr von RP ONLINE