Grünes Wohnzimmer für Stachelhausen

Abrissarbeiten : Grünes Wohnzimmer für Stachelhausen

Das ehemalige Straßenbahndepot an der Honsberger Straße wird bald verschwinden. Im September geht’s mit den Abrissarbeiten los. An der Stelle soll ein neuer Treffpunkt entstehen.

Wer an der Honsberger Straße in Stachelhausen entlang schlendert, blickt ganz in der Nähe der „Kraftstation“ auf Betriebsgebäude, die einst als Straßenbahndepot dienten. Diese werden ab September verschwinden. „Die Abrissarbeiten beginnen“, kündigt Raumplaner Jan Lassen vom Büro „Stadtkinder“ mit Sitz in Dortmund an, das die Umbaumaßnahmen in Stachelhausen und Honsberg koordiniert.

„Zunächst werden die Gebäude entkernt. Einige Wochen später wird von außen sichtbar, dass sie abgerissen werden“, fügt Lassen hinzu. An ihre Stelle tritt ein neuer Platz, der für die Nachbarn zum Treffpunkt werden soll. Arbeitstitel: „Grünes Wohnzimmer Stachelhausen“. Es ist nicht das erste Projekt, das für positiven Wandel in den Stadtteilen sorgen soll und vor allem aus Mitteln der Städtebauförderung finanziert wird. Der Neue Lindenhof ist bereits entstanden, eine Boulebahn lockt zum Richard-Heinrich-Platz. Aussichtspunkte bieten Verweilmöglichkeiten. All das lief unter dem Titel „Stadtumbau West“.

Das gilt auch für das neue Areal an der Honsberger Straße, das mehrere Funktionen erfüllen soll, wie Lassen berichtet. „Zum einen geht es darum, dass der Platz generationenübergreifend zum Treffpunkt wird.“ Zum anderen soll er einen ökologischen Zweck erfüllen – in einem Gebiet, das viele versiegelte Flächen enthält. Großkronige Bäume sollen im Sommer Schatten spenden und für Abkühlungseffekte sorgen. Zudem müsse der Platz in der Lage sein, bei Starkregenereignissen Niederschläge aufzunehmen, indem sie dort versickern: „Damit tragen wir der Klimaanpassung Rechnung“, erklärt Lassen.

Und: In die Gestaltung sollen Ideen der Anwohner einfließen. Nach einem Bürgerforum im Juli folgen in den nächsten Wochen mehrere Werkstatt-Gespräche, zu denen Interessenten eingeladen sind. Ihre Anregungen nehmen zwei Planungsbüros aus Oberhausen und Dortmund auf, wobei auch Landschaftsarchitekten eingeschaltet werden. „Im November sollen die Entwürfe fertig sein. Dann werden sie den Remscheider Politikern vorgestellt“, beschreibt Lassen das weitere Vorgehen. Im Anschluss werden sie an den Fördergeber beim Land NRW versandt, der Mittel für den Bau des Platzes bereitstellt. Stadtkämmerer Sven Wiertz zufolge steht ein gesamter Kostenrahmen von 780.000 Euro zur Verfügung. „165.000 Euro bringt die Stadt Remscheid auf“, nennt er den Eigenanteil bei diesem Projekt.

Der neue Treffpunkt in Stachelhausen soll für Sozialarbeiterin Ute Friedrich-Zielas „ein Ort der Begegnung werden“. Sie arbeitet seit über 30 Jahren beim Stadtteilverein in Honsberg und weiß, wie schlecht das Image der Remscheider Ortslagen einst wahr. Das Bild habe sich bereits durch die ersten Maßnahmen beim Stadtumbau West verbessert. „Und es ist ja ein ganz offener Prozess, der längst noch nicht abgeschlossen ist“, hofft sie auf weitere Impulse.

Menschen, die Honsberg einst den Rücken kehrten, seien wieder in den Stadtteil gezogen. „Und einige, die darüber geschwiegen haben, dass sie hier aufgewachsen sind, bekennen sich nun dazu, Honsberger zu sein“, hat sie beobachtet. Ute Friedrich-Zielas würde sich freuen, wenn der neue Platz auch von den Sportvereinen genutzt werden würde. „Hier könnten Kurse stattfinden – Qigong zum Beispiel. Aber auch die Skater haben die Möglichkeit, sich hier zu treffen.“ Zudem erwartet sie Synergieeffekte für die benachbarte „Kraftstation“, die den Platz für ihre Kinder- und Jugendarbeit nutzen könne.

Und nicht nur das: Die Stelle an der Honsberger Straße liege ganz in der Nähe der Werkzeugtrasse und komme somit nicht nur den Menschen in den beiden Stadtteilen zugute, sondern auch Ausflüglern, die dort eine Rast einlegen möchten. Sie können in Stachelhausen verweilen.