Gesucht: Eine neue Lobby für die Alleestraße

Ansichtssache : Gesucht: Eine neue Lobby für die Alleestraße

Vor 16 Jahren regte Städtetester Christian Klotz die Öffnung der Alleestraße für den Autoverkehr an. Passiert ist seitdem wenig, außer dass es der Einkaufsstraße mittlerweile deutlich schlechter geht als 2003. Ende März berät der Rat das Thema aufs Neue.

Erinnern Sie sich noch an Christian Klotz? Der Städtetester untersuchte auf Einladung der Wirtschaftsjunioren die Remscheider Innenstadt – und regte in seinem Zeugniss unter anderem die Öffnung der Alleestraße für den Autoverkehr an.

Das war vor knapp 16 Jahren. Bis auf eine kurze Testphase im Jahr 2010, die unter anderem von starkem Schnellfall ausgebremst wurde, ist die Stadt bei diesem Thema seitdem kaum einen Schritt weitergekommen.

Im Gegenteil. Als Klotz die Öffnung vorschlug, gab es noch mehr inhabergeführte Geschäfte auf der Allee, hatte die Einkaufsmeile eine stärkere Lobby. Heute gibt Fritz Beinersdorf (Linke) in der Bezirksvertretung zu Protokoll, dass er nicht mehr an eine Belebung der Alleestraße glaubt. Warum sich also noch die Mühe machen, sie für Autos herzurichten?

Tatsächlich gibt es keinerlei Garantien, dass die Befahrbarkeit des unteren Teils der Allee – dort wo der Niedergang durch viele Leerstände besonders erkennbar ist – eine Wende zum Guten einläutet. Sieht man sie allerdings als ersten Schritt für eine Aufteilung der Allee in eine Fußgängerzone (oben) und eine Geschäfts- und Wohnstraße (unten), dann macht ein solcher Schritt schon mehr Sinn.

Im Konzept des Bochumer Stadtentwicklers Edgar Neufeld, das dieser 2017 für die Immobilien- und Standortgemeinschaft Alleestraße entwickelte, gibt es eine lange Liste mit weiteren Vorschlägen, wie die Allee für Investoren, Geschäftstreibende und für Bürger attraktiver werden könnte. Das Papier liegt seit längerem auf dem Tisch, Neufeld hat es auch der Politik vorgestellt. Passiert ist danach bislang wenig.

Nun hat sich die CDU entschlossen, einen neuen Anlauf zu nehmen, um die Allee umzugestalten. Die knappe Mehrheit für ihren Antrag zur Öffnung in dieser Woche in der Bezirksvertretung Alt-Remscheid lässt auf den ersten Blick für die entscheidende Abstimmung in der Märzsitzung des Rates eine Niederlage erwarten. Hier sind die Mehrheitsverhältnisse anders.

Dagegen spricht, dass Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz die Öffnung (SPD) mittlerweile auch will. Ihm sollte es gelingen, die vielen Akteure, die beim Thema Innenstadtumbau mittlerweile mitreden, für einen Kompromiss an einen Tisch zu bekommen. Es wird höchste Zeit.

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