Remscheid: Gesprächseinstieg in ein schwieriges Thema

Remscheid: Gesprächseinstieg in ein schwieriges Thema

Mit dem Buchladen "Lese:Zeichen" an der Kölner Straße in Lennep möchte der "Freundeskreis palliative Versorgung" auf das Thema aufmerksam machen.

Der graue Sessel und die violettfarbene Couch sehen einladend aus. Ringsum stehen Bücher: Romane, Sach- oder auch Kinderbücher. Es ist gemütlich in dem rund 30 Quadratmeter großen Ladenlokal in der Lenneper Altstadt. Am Samstag war es vor allem eins: voll. Zur Eröffnung des gemeinnützigen Buchladens "Lese:Zeichen" des Vereins "Freundeskreis palliative Versorgung Remscheid" kamen viele Gäste.

Ziel des kleinen Ladens an der Kölner Straße ist es, das Thema des letzten Lebensabschnitts mehr in die Öffentlichkeit zu bringen und den Menschen eine unkomplizierte Anlaufstelle für erste Informationen zur Hilfe beim Leben und Sterben zu bieten. Die Mitglieder des Vereins arbeiten im palliativen Bereich und sind während der Öffnungszeiten vor Ort, um als Ansprechpartner bei Fragen zu helfen.

Dabei soll über die Second-Hand-Bücher ein lockeres Gespräch entstehen. Schwerstkranke oder deren Angehörige können sich kostenlos über die Versorgungsmöglichkeiten in Remscheid informieren und auch Fragen stellen, die sie bewegen. Die Bücher können bei Interesse gegen eine Spende mitgenommen werden. "Wir haben uns hier ein kleines Nest gebaut und das Thema mitten ins Dorf gebracht. Wenn man es mit etwas Positivem verbindet, trauen sich die Leute vielleicht auch eher", erklärte die erste Vorsitzende und Palliativmedizinerin Hanna Ludwig. Mit dem Buchladen mache der Verein allerdings keinen Gewinn, betonte sie. Vielmehr erweitern die aktiven Ehrenamtler im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Engagement. Die Finanzierung der Brückenpflege oder der Brückenpsychologen für Patienten des Sana-Klinikums gehören bereits zu den Aufgaben des Freundeskreises, der 2005 zunächst für die Palliativstation des Sana-Klinikums gegründet wurde.

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Das Netzwerk für die Versorgung- und Unterstützungsmöglichkeiten sei in Remscheid sehr gut, merkte Ludwig an. Die Ökumenische Hospizgruppe bietet am Ebert-Platz bereits eine Anlaufstelle. Mit dem Bau des Christlichen Hospiz Bergisch Land in Lüttringhausen wird das Angebot ergänzt. Vermutlich werden die Bauarbeiten 2019 beginnen, berichtete Andreas Holthaus, Vorsitzender des Fördervereins Christliches Hospiz Bergisches Land.

"Es ist am Anfang schwierig, über das Ende des Lebens zu sprechen. Aber schon nach ein paar Minuten merkt man, dass die Leute darüber sprechen wollen", erzählte Andreas Holthaus von seinen Erfahrungen. Die Menschen hätten das Bedürfnis, weil letztlich jeder auch davon auf irgendeine Weise betroffen sei. "Das ist eine gute Möglichkeit, Menschen in ein Gespräch über schwierige Themen zu verwickeln", sagte Heike Krommes von der Ökumenischen Hospizgruppe. Viele wüssten mit den Begriffen nichts anzufangen oder wüssten gar nicht, dass es die Palliativmedizin gibt. Sie ist sicher, dass das Angebot helfen wird, diese bekannter zu machen.

Öffnungszeiten Mo. 10 bis 13 Uhr, Mi. 10 bis 14 Uhr und Sa. 9 bis 13 Uhr.

(RP)