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Geschenkaktion in Remscheid: „Weihnachten kann nicht ausfallen“

Geschenkaktion in Haus Lennep und Stockder Stiftung : „Weihnachten kann nicht ausfallen“

Die alljährliche Geschenkaktion der Barmer Krankenkasse und BM-Lesern für Bewohner von Haus Lennep und Stockder Stiftung geht weiter.

Ältere Hasenberger dürften sich noch gut an Michael Teuber erinnern: Viele Jahre lang versorgte der heute 62-Jährige in seinem kleinen Markt am Hasenberger Weg, den bereits seine Eltern 1968 eröffneten, die Nachbarn vor Ort mit Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs. 2013 schloss er schweren Herzens das Geschäft und fand in Haus Lennep eine neue Stelle als Hausmeister.

Dass dem Allrounder dieser Job trotz eines stressigen Alltags und vielen abgelaufenen Kilometern am Tag so viel Freude bereiten würde, hätte er zuvor nicht gedacht. Doch das, was ihm auch schon als Lebensmittelhändler erfüllte, nämlich der Kontakt zu den Menschen, kann er im weitesten Sinne auch in der Senioreneinrichtung ausleben. Eine sehr dankbare Klientel, wie er findet, die es im vergangenen Jahr unter Corona besonders schwer hatten.

Teuber ist einer der vielen guten Seelen in Haus Lennep und die erste Person, die angerufen wird, wenn etwas fehlt, nicht funktioniert oder umgestellt werden muss. So auch am Tag des Gesprächs: In unregelmäßigen Abständen wird er durch das Klingeln seines Mobiltelefons aus der Unterhaltung gerissen. Morgens mit einem Plan an die Arbeit gehen und erwarten, dass man ihn genauso abarbeiten kann – als Hausmeister eines fast 50 Jahre alten Hauses völlig illusorisch, gesteht Teuber mit einem sanften Lächeln.

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„Heute ist der Aufzug ausgefallen. Das kann ich nicht reparieren, dafür mussten wir jetzt die Fachfirma anrufen.“ Welches Ausmaß der Ausfall hat, wird schnell klar, als Teuber sagt: „Wir müssen jetzt das Mittagessen umorganisieren. Wenn die Bewohner der oberen Etagen nicht in den Speisesaal können, muss das Essen jetzt irgendwie hinauf.“ Unvorhergesehene Extraarbeit und Stress für das Personal.

Das Haus kennt Teuber nach acht Jahren in- und auswendig. Wie viele Kilometer er am Tag hin und her saust, vermag er nicht zu sagen. „Ich weiß nur, dass ich nach der Arbeit nicht ins Fitnessstudio muss. Im ersten Jahr habe ich hier durch die Lauferei zehn Kilo abgenommen.“ Doch das, ebenso wie die zahlreichen Reparaturen und Handgriffe im Haus, mache er gerne. „Das schönste am Hausmeisterjob ist es, dass man anderen Menschen mit seiner Arbeit eine Freude machen kann.“ Und das passiert häufig. Denn wenn neue Bewohner einziehen, werden die Zimmer neu eingerichtet. „Bilder müssen aufgehängt, Möbel verrückt werden. Und wenn mal eine Lampe nicht klappt, komme ich auch vorbei“, erzählt der 62-Jährige schmunzelnd.

An die Zeit im vergangenen Jahr, als das Coronavirus ins Haus einzog und die komplette Einrichtung isoliert werden musste, erinnert sich Teuber noch gut. Auch er fing sich das Virus ein, lief nach seiner Genesung eine Zeit lang im Vollkörperanzug durchs Haus. „Das war schon schwierig für die Bewohner. Wir Mitarbeiter sind abends zu unseren Familien nach Hause gefahren. Doch die Senioren im Haus blieben ohne Kontakt auf ihren Zimmern. Kein Angehöriger durfte mehr rein und auch untereinander war der Kontakt eingeschränkt.“ Diese Erfahrung, ist Teuber überzeugt, habe die Gemeinschaft im Haus sowohl unter den Bewohnern als auch unter den Mitarbeitenden zusammengeschweißt.

Aktuell, wo die Inzidenzen wieder steigen, werden auch die Maßnahmen wieder strenger. Ob die traditionelle Weihnachtsfeier im Haus, die auch schon im vergangenen Jahr ausfiel und stattdessen im kleinen Rahmen auf den Zimmern stattfand, organisiert werden kann? Teuber befürchtet, dass die Bewohner auch in diesem Jahr darauf verzichten werden müssen. Nicht aber auf eine schöne weihnachtliche Atmosphäre. Denn auch dafür ist der Hausmeister im Groben zuständig. Gut sechs Weihnachtsbäume hat er besorgt, dazu die passenden Lichter und den Baumschmuck aus dem Keller geholt.

Seit vergangenem Sonntag brennt auch schon die erste Kerze des Adventskranzes der Einrichtung. Trotz aller Entbehrungen, urteilt Teuber, die Adventszeit – eine besonders beliebte Zeit in der Einrichtung – lassen sie sich durch die Pandemie nicht nehmen: „Egal, was passiert: Weihnachten kann nicht ausfallen.“