Remscheid: Gedenkstätte Pferdestall auf gutem Weg

Remscheid : Gedenkstätte Pferdestall auf gutem Weg

Gestern gründete sich der Verein. Ziel ist es, eine Erinnerungsstätte für die Opfer der NS-Zeit aufzubauen.

Ein Gespräch zwischen NRW-Innenminister Herbert Reul und Hans Heinz Schumacher, dem ehemaligen Direktor des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA) und Mitinitiator für die Gründung der Gedenk- und Bildungsstätte "Pferdestall" in Remscheid, brachte die Wende. Der Innenminister zeigte sich außerordentlich erfreut über das von EMA-Schülern entwickelte Projekt und hat anschließend ein paar Hürden beiseite geräumt, die einer Verwirklichung im Wege stehen.

$ Feierliche Unterschrift unter die Gründungsurkunde: Sven Wiertz (l., am Tisch) und einige Mitglieder. Foto: Peiseler

Der Pferdestall, in dem die Nationalsozialisten Menschen einsperrten, die anders dachten, fühlten, handelten und glaubten, als es die Faschisten vorschrieben, gehört zum Gebäudekomplex des Polizeipräsidiums am Quimperplatz. Die Immobilie besitzt der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW, die Polizei ist Mieter. An diesen Besitz-Verhältnissen soll sich nichts ändern, wie ursprünglich gedacht. Der Verein schließt mit der Polizei nun einen Vertrag über die Nutzung der Räume. Heute hat Schumacher mit dem Wuppertaler Polizeipräsidenten Markus Röhrl erste Gespräche geführt. Er gab sich optimistisch, dass noch 2018 die Gedenkstätte gegründet wird. "Es geht nun schneller als erwartet", sagte Schumacher.

Der Mühe vieler Schüler und dem Engagement einiger Lehrer des EMA-Gymnasiums ist die Initiative "Pferdestall" zu verdanken. Sie haben sich gegen alle Schwierigkeiten durchgesetzt, auch in Remscheid einen Ort zu finden, an dem die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse während der Herrschaft der Nationalsozialisten (1933 bis 1945) wachgehalten wird. Während ihrer intensiven Recherchen haben sie Gedenkstätten für den nationalsozialistischen Terror unter anderem in Wuppertal, Köln, Düsseldorf und in der Eifel kennengelernt. Danach stand immer wieder die Frage im Raum: Warum gibt es so einen Ort nicht in Remscheid? In dem ehemaligen "Pferdestall" des Polizeipräsidiums wurden jüdische Bürger wie Vieh eingepfercht. Von dort aus wurden die Menschen in das Konzentrationslager Dachau deportiert. 280 Menschen umfasste die jüdische Gemeinde vor 1933 in Remscheid. Acht von ihnen haben das Jahr 1945 überlebt.

Zu den Gründungsmitgliedern des Vereins, deren Satzung gestern offiziell im Rathaus unterzeichnet wurde, gehören neben der Stadt unter anderem die jüdische Kultusgemeinde Wuppertal, die katholische und evangelische Kirche sowie der Bergische Geschichtsverein. Im September soll es bereits eine neue Ausstellung geben. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Die Betreiber legen großen Wert darauf, dass die beklemmende Atmosphäre in dem alten Gemäuer erhalten bleibt. Kleinere Umbauten sollten für etwas mehr Wärme vor allem in der Winterzeit sorgen. Die Gedenkstätte soll einen Impuls auslösen, sich intensiver mit den Remscheider NS-Opfern zu beschäftigen. "Auf diesem Gebiet ist vieles noch nicht erforscht", sagte Johannes Kessler vom Geschichtsverein.

(RP)
Mehr von RP ONLINE