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Gärtnern versetzt die Seele in eine positive Grundstimmung

Sozialarbeit : Gärtnern versetzt die Seele in eine positive Grundstimmung

Hinter dem Tor der Kleingartenanlage Neuland am Stadtpark beginnt für die Gruppe von Willi Vögeli ein Stück Normalität.

Das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) hat dort seit zehn Jahren eine kleine Parzelle gemietet. Die gilt es zu pflegen und zu hegen. Unkraut jäten, Rasen mähen, Blumen gießen, Früchte ernten, Kräuter züchten. Dreimal in der Woche steht vormittags Gartenarbeit auf dem Stundenplan von Menschen, die aufgrund von psychischen Störungen Unterstützung von den Mitarbeitern des SPZ bekommen.

Zu ihnen gehört auch Eike Malunat. Er arbeitet zwar in erster Linie in der Verpackungs- und Montageabteilung an der Konrad-Adenauer Straße. Aber er ist auch gerne im SPZ-Garten tätig. Genauso wie Katharina Bäsch. „Das ist wie Urlaub“, sagt die junge Frau.

Das SPZ betreut etwa 150 Menschen mit psychischen Problemen. Alle leben in einer eigenen Wohnung im Stadtgebiet. So viel Selbstständigkeit wie möglich, lautet der Anspruch, auf den alle Betreuungsarbeit zielt. Die Gartenarbeit wirkt sich dabei wohltuend auf die seelische Grundstimmung aus. Sie bietet viele Vorteile. Zum einen hält man sich außerhalb des Bereichs der Psychiatrie auf und erlebt sich mit den anderen Kleingärtnern der Anlage als gleich unter Gleichen. „Wir haben hier immer ein gemeinsames Thema, den Garten“, sagt Geschäftsführer Vögeli. Wie wächst der Salat? Was kann man tun, damit die Radieschen gedeihen? Gegenseitige Hilfe, wenn der Nachbar mal ein paar starke Arme braucht. Gärtner erleben, dass sie etwas bewirken können. Wenn im Kräuterbeet die Setzlinge sprießen, ist das die helle Freude. Wenn die Marmelade von den selbst geernteten Früchten im Winter auf dem Tisch steht, ist der Genuss doppelt so groß. „Gartenarbeit macht Sinn. Da weiß man, warum man morgens aufstehen soll“, sagt Willi Vögeli. Und Gartenarbeit fordert den Körper und führt zu einem neuen Körperbewusstsein. Das kann sich zunächst mal als Muskelkater und Rückenschmerzen äußern, aber auch zu einem besseren Schlaf führt. „Der Garten hier ist unser Herzstück“, sagt Vögeli.

Das SPZ gehört zur Hälfte der Stiftung Tannenhof und zur anderen Hälfte dem Augusta-Hardt-Heim. Als Vögeli vor 17 Jahren den Job übernahm, hatte sein Team neun Mitarbeiter. Inzwischen gehören 38 Mitarbeiter dazu, die etwa 150 Menschen ambulant betreuen.

Seinen Tag zu strukturieren und in die Woche eine Regelmäßigkeit zu bringen, gehört zu den Standards, die eine ambulante Betreuung leistet. „Es ist wichtig, dass die Menschen ihre Wirksamkeit erleben“, sagt Vögeli. Wer nicht Gärtnern will, kann auch in der Küche oder Holzwerkstatt arbeiten. Im SPZ am Ebertplatz gibt es auch einen PC-Raum für Konzentrationsübungen. „Ich will es schaffen, eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bekommen. Ich bin sehr ehrgeizig“, sagt Eike Malunat. Die Gartenarbeit stärkt sein Selbstvertrauen.