Remscheid: Freiraum für die kulturelle Bildung

Remscheid: Freiraum für die kulturelle Bildung

Nach ihrem Studium arbeitete Christin Pomp in der "Börse" in Wuppertal als Geschäftsführerin. Nun ist die Remscheiderin froh, als neue Mitarbeiterin der Kraftstation wieder näher an die Jugendlichen heranzurücken.

Als junges Mädchen von 15 Jahren besuchte Christin Pomp Punk-Konzerte in der Kraftstation. Als Studentin der kulturellen Sozialpädagogik im holländischen Nijmwegen entwickelte sie während des dualen Studiengangs Projekte in dem soziokulturellen Zentrum an der Honsberger Straße. Nun kehrt die 27-Jährige als verantwortliche Mitarbeiterin für den Jugendkultur-Bereich nach Remscheid zurück. Eine Rückkehr an einen Ort, den "ich immer gerne gehabt habe", sagt Pomp.

Sie übernimmt die Position, die Julia Dill zehn Jahre bekleidet hat. Dill hat eine Stelle an ihrem Wohnort in Köln übernommen. Die Geburt ihres Sohnes Ole-Frederick (vier Monate) weckte in ihr den dringlichen Wunsch, nahe bei ihrem Kind zu sein und nicht zwischen Köln und Remscheid pendeln zu müssen.

Die Kraftstation gehört zu den Institutionen in Remscheid, die seit Jahrzehnten dafür sorgen, dass auch Kinder und Jugendliche, die keinen direkten Zugang zu den verschiedenen Kulturtechniken haben, die Gelegenheit bekommen, sich auszuprobieren. Ohne Leistungsdruck und finanziellen Aufwand. "Jeder Mensch hat die Fähigkeit, Kultur zu machen", sagt Julia Dill. Dazu braucht er Freiräume. Dem Mainstream nachzujagen, zählt nicht zur Philosophie der Kraftstation. Wenn eine Mädchenband zum Beispiel nur vor 20 Zuhörern spielt, ist das für die Sozialpädagogen völlig in Ordnung. "Wichtig ist, dass die Jugendlichen Erfahrungen sammeln und erleben, was es bedeutet, ein Konzert zu geben", sagt Pomp.

Vorbehalte gegenüber Entwicklungen in der schnelllebigen Kulturszene junger Menschen haben die Mitarbeiter schon von Berufswegen nicht. Offenheit ist das Ethos ihrer Arbeit. Zur Lust, eine Ausdrucksweise für seine Weltsicht oder persönliche Situation zu finden, gesellt sich die Reflexion über das, was an gesellschaftlichen Bildern oder (Ver-)Formungen so unterwegs ist. "Wenn wir zum Beispiel einen Basar mit Frauenkleidern organisieren, dann machen wir uns auch Gedanken, welche Frauenbilder in der Gesellschaft gerade besonders hoch im Kurs stehen", sagt Pomp. Mädchen, die nicht der medialen Norm entsprechen (schlank, lange Haare, kräftiger Busen) knicken oft in ihrem Selbstwertgefühl ein, berichtet Julia Dill. Da sei es besonders wichtig, durch verschiedene Aktionen ein gutes Selbstbildnis ("Du bist so richtig, wie du bist") zu vermitteln. Kulturelle Bildung hilft dabei, die Persönlichkeitsentwicklung zu stärken. Christin Pomp will in den nächsten Monaten mit Projekten neue Akzente setzen. Eines der Stichworte heißt "Kunst und Kabel".

"Wir wollen niederschwellige Angebote ins Leben rufen, bei denen die Jugendlichen zum Beispiel einen 3D-Drucker ausprobieren können", kündigt Pomp an. Die kreativen Möglichkeiten zu erproben, die in einem Handy, IPad oder Computer stecken, zählt für sie zu den wichtigen Zukunftsaufgaben. Dazu gehört, eigene PC-Programm programmieren zu können oder auszuloten, wie sich der YouTube-Kanal mit kultureller und politischer Bildung verbinden lässt. Nach ihrem Studium arbeitete Pomp in der "Börse" in Wuppertal. Dort übernahm sie die Geschäftsführung. Nun ist die Remscheiderin froh, wieder näher an die Jugendlichen heranzurücken.

"Ich mag einfach solche Häuser wie die Kraftstation", sagt Christin Pomp.

(RP)