Remscheid: Forstwirt-Azubis üben im Wald für Prüfung

Remscheid: Forstwirt-Azubis üben im Wald für Prüfung

Sechs Azubis aus Remscheid, Wuppertal, Solingen und Duisburg haben sich unter Echtbedingungen auf ihren Abschluss vorbereitet. Zwei Azubis lernen derzeit bei den Technischen Betrieben Remscheid.

Eine Motorsäge heult im Wald, ihre Zähne graben sich in den etwa 30 Meter hohen Baum. Max Vogelbruch, Auszubildender zum Forstwirt aus Wuppertal, ist ganz konzentriert bei der Sache. Der junge Mann übt zusammen mit fünf anderen Azubis aus Remscheid, Solingen und Duisburg im Wald in Lennep den Prüfungsfall. Eine Aufgabe ist das Prüfungsfach Holzernte und Forsttechnik. Darin müssen die Prüflinge einen Baum nicht nur fällen, sondern auch für den Abtransport aus dem Wald vorbereiten, ihn vermessen und weitgehend zerlegen. Etwa zwei Stunden sind dafür angesetzt - so lange hat Vogelbruch auch in der Prüfung Zeit.

Ebenfalls mit dabei ist der Remscheider Forstwirtschaftsmeister Christian Schneiders, der genau hinsieht, ob Vogelbruch seine Aufgabe richtig erledigt und gegebenenfalls korrigierend eingreift. "Wir machen das regelmäßig kurz vor den Prüfungen - meine beiden Azubis müssen in der kommenden Woche in Arnsberg zur Prüfung", sagt der Mitarbeiter der Technischen Betriebe Remscheid (TBR), für die er seit 2004 arbeitet. Zusammen mit seinen Kollegen aus den anderen drei Städten leitet er die Probeprüfung unter Echtbedingungen. "Wobei wir zusätzlich darauf achten, dass man nicht mit den eigenen Azubis arbeitet - die Prüflinge sollen die Aufgaben vor fremden Menschen üben", sagt Schneiders.

Neben der Forsternte müssen die Prüflinge in Pflanzung und Forstschutz antreten. "Bei der Pflanzung geht es darum, neue Bäume zu pflanzen und dem Prüfer der Landwirtschaftskammer genau zu erklären, warum man das so gemacht hat", sagt Schneiders. Beim Forstschutz müssen Zäune um junge Bäume gebaut werden, um sie vor Wildbiss zu bewahren.

Alle drei Aufgaben sind dem Berufsbild des Forstwirts entlehnt. So fällt Vogelbruch auch nicht einfach irgendeinen Baum, wie Schneiders erklärt: "Wir haben vor anderthalb Jahren etwa 3000 neue Pflanzen gepflanzt - die brauchen jetzt natürlich Licht, das ihnen die großen Bäume nehmen." Daher durchforsten die Forstwirte der Technischen Betriebe alle fünf Jahre die Wälder, um den jeweiligen Bestand aufzunehmen und so für den optimalen Wuchs der Bäume zu sorgen.

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Auch der Forstschutz ist ein wichtiger Bestandteil der meist selbstständig arbeitenden Forstwirte. Denn in den Wäldern in der Region gibt es einen "gigantischen Überschuss an Rehen", wie Schneiders sagt. "Das wäre eine finanzielle Katastrophe, wenn das Wild unsere neu gepflanzten Bäume abfressen würde." Daher werden sie entweder eingezäunt oder aber einzeln mit einem Plastikrohr vor Wildbiss geschützt. Und natürlich muss in der Forstwirtschaft auch für Nachschub an Pflanzen gesorgt werden. Denn jeder Baum ist auch ein Stück Kapital für den Waldbesitzer.

Etwa eine knappe halbe Stunde ist Vogelbruch mittlerweile bei der Arbeit. Er sägt eine Fallkerbe, die genau in die Richtung zeigt, in die er den Baum fällen möchte. "Er prüft dann die Richtung und korrigiert nötigenfalls die Kerbe", sagt Schneiders. Nach etwa 15 Minuten schallt zum ersten Mal der Ruf "Baumfällung" durch den Forst. Bis es aber soweit ist, und der stolze Holzriese mit Getöse umkippt, muss der Wuppertaler dem Baum erst noch mit Keilen und einem großen Hammer zu Leibe rücken. "Die Fällrichtung ist vorgegeben, aber der Baum muss über den Schwerpunkt gebracht werden, damit er fällt", sagt Schneiders. Wenig später heißt es: zurücktreten. Und schließlich neigt sich der Baum, gibt auf und fällt in die gewünschte Richtung.

Damit ist die Aufgabe aber erst halb erledigt. Jetzt sägt der Azubi dem gefällten Baum mit der Motorsäge alle Äste ab, dreht ihn mit einem entsprechenden Werkzeug und sorgt so dafür, dass der Baumstamm abtransportiert werden kann. Schneiders ist zufrieden mit der Leistung des Azubis. Er wünscht sich indes nur eines: "Dass Spaziergänger auf unsere Absperrungen und Beschilderungen besser achten würden. Das funktioniert anderswo wirklich wesentlich besser als bei uns", sagt Schneiders.

(RP)
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