Baumfällung in Lennep: Forstarbeiter bekommt mildere Strafe

Baumfällung in Lennep : Forstarbeiter bekommt mildere Strafe

Angeklagter muss 1000 Euro zahlen. Amtsgericht: Er durfte die geschützte Rotbuche in Lennep nicht fällen.

Für die Fällung einer mächtigen, geschützten Rotbuche im Park der Moll'schen Villa in Lennep muss ein Forstarbeiter aus Wuppertal 1000 Euro zahlen, weil er keine Erlaubnis dafür hatte. So lautet das Urteil des Amtsgerichts in Wuppertal nach einer turbulenten Verhandlung am gestrigen Donnerstag.

Der Mann wehrte sich damit erfolgreich gegen eine Geldbuße von 7200 Euro, die die Untere Landschaftsbehörde gegen ihn verhängt hatte. Richter Christian Podeyn stellte fest: "Es war kein Riesenfehler, der total offensichtlich gewesen wäre. Es war ein Fehler." Die Höhe der Geldbuße berücksichtige die Größe des Schadens, fügte der Richter hinzu.

Laut Stadtverwaltung soll die Rotbuche einer der wertvollsten Bäume in Remscheid gewesen sein: Sie war nach Medienberichten geschätzte 200 Jahre alt, bei fast sechs Metern Stammumfang. Die Rotbuche unterlag der städtischen Baumschutzsatzung.

Der Arbeiter, ein Mittzwanziger, der bisher nicht vorbestraft ist, hatte am 6. Oktober des vergangenen Jahres in dem alten Park gearbeitet. Er gab zu, den Koloss mit Helfern gerodet zu haben - als Beschäftigter seines Vaters, der wiederum Subunternehmer war. Grund für die Fällarbeiten war ein Bauprojekt.

In der Sitzung hatte ein Mitarbeiter der Landschaftsbehörde klar gemacht: Es ging weder um Vorsatz noch um Geldinteressen des Arbeiters - allerdings um Fahrlässigkeit. Der Beamte fügte hinzu: "Sie hatten eine Genehmigung, 20 geschützte Bäume zu roden, aber sie haben mindestens 21 gefällt." Das hätte dem Mann wohl auffallen müssen, da gehe es um Verantwortung. Anwalt Martin Scherenberg brauste auf: "Die Grenzen waren doch gar nicht klar, er konnte das nicht erkennen. Er hat das nicht zum Spaß gemacht!" Das Gericht verwies auf Zeugenaussagen, wonach der Arbeiter eine unvollständige Fällgenehmigung von den Auftraggebern bekommen hatte: Seite eins des Faxes war da, ein Anhang mit einem genauen Lageplan fehlte. Richter Podeyn: "Da hätte man sich Gedanken machen müssen."

Außen vor blieben widersprüchliche Schilderungen von Bauherren, Architekten, einem Tiefbau-Unternehmer und einem weiteren Arbeiter. Laut einiger Zeugen stand die Rotbuche acht bis zehn Meter hinter einer Grenze. Andere erklärten hingegen, der Baum sei sogar ausdrücklich zu fällen gewesen. "Die kleine Säge hätte nicht dafür gereicht. Ich habe gesagt, dass ich noch eine größere Säge dabei habe", erklärte ein Zeuge bei seiner Aussage.

Laut einem anderen Zeugen hatte ein Projektbeteiligter beantragt, die Rotbuche zurückschneiden zu dürfen. Die Stadt Remscheid habe das jedoch abgelehnt.

Gegen das Urteil sind noch Rechtsmittel möglich. Die Geldbuße gilt nicht als Strafe und taucht deswegen auch nicht im Führungszeugnis auf. Sollten andere Personen Schuld an der Fällung haben, kann sie die Verwaltung in eigenen Verfahren belangen.

(RP)