Football: "Ohne Schmerzmittel ging fast nichts"

Interview : "Ohne Schmerzmittel ging fast nichts"

Marcel Dorndorf, Footballer des AFC Remscheid Amboss, brachte vor etwa einem Jahr noch 219,5 Kilogramm auf die Waage. Dann krempelte der Sportler sein Leben um. Jetzt kann er endlich wieder in der Offense Line für seinen Verein spielen.

Glückwunsch zu Ihrer Rückkehr in den Kader des AFC Amboss, Marcel Dorndorf. Hinter Ihnen liegt ein beschwerlicher Weg.

Marcel Dorndorf Ja, ich musste meine Laufbahn im April 2016 wegen erheblicher gesundheitlicher Probleme bei den Footballern beenden. Ich bin sie angegangen und arbeite seit Januar für mein Comeback.

Werden wir ruhig konkreter. Erhebliches Übergewicht hat Ihnen zu schaffen gemacht.

Dorndorf Bei einer Körpergröße von 1,89 Metern habe ich damals knapp 190 Kilogramm gewogen. Im Januar 2017 waren es sogar 219,5 Kilogramm. Für mich der persönliche Wendepunkt. Ich hatte massive Gelenk- und Rückenschmerzen, Bluthochdruck, eine Schlafapnoe, Kurzatmigkeit, Sodbrennen und manches mehr. Ohne Schmerzmittel ging bei mir fast gar nichts mehr.

Alarmstufe Rot also. Was ist passiert, dass Sie ein gutes Jahr später wieder positiv in die Zukunft schauen können?

Dorndorf Ich habe mich im Remscheider Adipositaszentrum in Behandlung begeben. Mit dem langfristigen Ziel, Gewicht abzunehmen.

Was gelungen ist, wenn man weiß, dass Sie jetzt noch 149 Kilogramm auf die Waage bringen und die Abnehmphase noch nicht beendet ist.

Dorndorf Ich habe mich dort von Beginn an gut aufgehoben gefühlt. Man ist sehr einfühlsam mit mir umgegangen, was sicher auch damit zu tun hat, dass ich beim Erstgespräch mit Leuten zu tun hatte, die das auch alles schon durchgemacht haben. Die wussten, wie es mir ging.

Bevor es zu einer Magen-Bypass-Operation kam, mussten Sie ein sechsmonatiges Programm durchlaufen. Was beinhaltete dieses?

Dorndorf Zum Beispiel eine Ernährungsberatung, mindestens zwei Stunden Sport pro Woche, ein Bewegungsprotokoll, den Besuch einer Selbsthilfegruppe und ein psychologisches Gutachten.

Puh, da braucht man viel Disziplin und Durchhaltevermögen.

Dorndorf Ich wollte es unbedingt schaffen und habe auch die Operation gut überstanden. Im November habe ich dann bereits versucht, die ersten Trainingseinheiten beim Amboss zu absolvieren. Aber das war noch zu früh. Das Trinken ist mir extrem schwergefallen. Durch die OP ist mein Magenvolumen erheblich geringer geworden. Das hatte ich nicht so bedacht. Trinken war nur noch schluckweise möglich.

Was bei einem sehr körperintensiven Sport wie dem Football in der Tat problematisch sein dürfte.

Dorndorf Es bestand die Gefahr des Dehydrierens. Mir ist beim Training manchmal schwarz vor Augen geworden. Deshalb bin ich sofort wieder ausgestiegen und habe noch zwei Monate gewartet. Die Zeit habe ich genutzt, damit sich mein Trinkverhalten einspielen kann. Ich habe mir alle halbe Stunde den Wecker gestellt, um auf genug Flüssigkeit zu kommen. Seit Mitte Januar habe ich das Okay des Arztes zum Footballspielen.

Das heißt, dass der Amboss in der neuen Saison wieder auf sie bauen kann?

Dorndorf Ich spüre keine Einschränkungen mehr, aber man darf nicht vergessen, dass eine Gewichtsabnahme von 70 Kilogramm eine ordentliche Hausnummer ist. Und damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. 30 Kilogramm sollen noch runter, auch wenn es jetzt deutlich schwieriger ist.

Bislang wird beim AFC noch in Kleingruppen trainiert, erst Aschermittwoch steht das erste Mannschaftstraining an. Wie fit wird man Sie erleben?

Dorndorf Das ist bei mir noch von der Tagesform abhängig, was nach einer so langen Pause nicht verwunderlich ist. Mal habe ich gar keine Probleme, mal tun die Knie schon weh. Zum Beispiel bei den Sprüngen aus der Hocke. Dann mache ich statt vier Wiederholungen nur zwei. Aber klar ist doch, dass es mit so viel weniger Gewicht besser läuft.

Wie gehen Sie die verbleibende Abnehmphase an?

Dorndorf Durch meinen Magen-Bypass muss ich komplett auf Zucker verzichten. Das ist schon alleine beim Einkaufen eine Umstellung. Früher hatte ich das ruckzuck nach ein paar Minuten erledigt. Heute muss ich erst einmal fünf Joghurts vergleichen und genau lesen, was dort möglicherweise an Zucker drin steckt. Das ist in der Summe viel zeitaufwendiger. Das Gute ist, dass ich keinerlei Gelüste mehr auf Softdrinks und Süßes verspüre.

Blick zurück: Wie sind Sie zum Football gekommen?

Dorndorf Es war für mich Liebe auf den ersten Blick, auch wenn ich ein paar Umwege gebraucht habe. Als Jugendlicher habe ich am Fußball- und Basketballspielen schnell die Lust verloren. Ich war immer schon übergewichtig. So richtig begonnen hat für mich alles erst als 19-Jähriger in einer Diskothek.

Wie müssen wir das verstehen?

Dorndorf Es war im Jahr 2005, als mich jemand in einer Diskothek gefragt hat, ob ich Sport treibe. Ich habe gedacht, dass er mich veräppeln will und ihm geantwortet, dass ich ihn gleich aus der Lokalität boxe.

Er hatte es aber ernst gemeint . . .

Dorndorf Ein paar Wochen später habe ich ihn wieder getroffen, und er hat mich noch einmal angesprochen. Also habe ich mir ein Training angeschaut und mich spontan in die Sportart verliebt.

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