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Foodsaver in Remscheid wollen aktiv bleiben

Vor allem Bedürftige stehen im Fokus : Remscheider Foodsaver wollen aktiv bleiben

Die Lebensmittelretter nehmen jetzt vor allem Bedürftige in den Fokus.

Auch in Zeiten von Corona geht die Rettung von Lebensmitteln weiter. Gerade auch deswegen, weil die Abnehmer der geretteten Lebensmittel oftmals bedürftige Menschen sind. Umso wichtiger sei die Arbeit der Foodsharer im Moment, sagt Food-Botschafterin Elisabeth Erbe. Zwar würden die Tafeln auch weiterhin ihren Dienst versehen, sagt sie und ergänzt: „Aber da müssen die Mitarbeiter auch von Tag zu Tag sehen, wie es weitergeht. So gehören etwa in der Ausgabestelle in der Versöhungskirche in Bliedinghausen die Mitarbeiter selbst zur Risikogruppe – daher haben wir Foodsharer am vergangenen Dienstag die Ausgabe von Obst und Gemüse übernommen.“

Die Abholungen würden im Moment weiter normal laufen. Aber sie merke, dass sich die Situation in den Supermärkten und Geschäften verändert habe. „Es gibt gerade bei den jüngsten Abholungen nicht mehr so viel. Das liegt zum einen daran, dass die Leute offensichtlich mehr einkaufen, aber auch daran, dass die Kassiererinnen kaum Zeit haben, die Waren zur Seite zu stellen“, sagt Elisabeth Erbe.

Ansonsten hätten die Foodsharer ihre Ausgabemechanismen verändert. „Ansonsten waren die Lebensmittel einfach auf Tischen gestellt, an denen sich jeder bedienen konnte. Das haben wir geändert, die Leute sollen einzeln kommen und bekommen dann bei mir etwa vorgepackte Taschen“, sagt Elisabeth Erbe. Die Bedürftigen seien zudem deutlich in den Vordergrund gerückt, wie die Food-Botschafterin weiter sagt. „Den Menschen geht es bald wirklich schlecht, gerade wenn nun auch noch eine Ausgangssperre kommt.“

Auch für die Lebensmittelretter, die im Stadtgebiet rund 40 private Ausgabestellen haben, sei die Situation dann noch nicht klar. „Ich weiß nicht, ob wir dann noch retten dürfen. Wenn ja, dann dürfen wir allerdings wohl nicht mehr verteilen. Dann müssen wir darüber nachdenken, wie wir die Lebensmittel zu den Menschen bekommen, die sie brauchen.“ Insgesamt habe sie schon in den wenigen Tagen, die die Coronakrise Deutschland nun auch in ihrem Griff hat, bemerkt, dass sich die Arbeit der Lebensmittelretter bereits gewandelt hat. „Wir sind oft auch ein wenig Seelsorger und Mutmacher für die Menschen“, sagt die 45-Jährige.

In dieser Hinsicht sehe sie auch die Stadtverwaltung in der Pflicht: „Es sollte einen Lebensmittelbringdienst für Risikogruppen geben, bedürftige Menschen sollten Einkaufsgutscheine bekommen, wenn die Tafeln nicht mehr verteilen dürfen“, fordert Elisabeth Erbe. Sie wolle nicht nur fordern, sondern auch selbst aktiv werden: „Ich würde mich dann auch freiwillig als Fahrerin melden“, sagt sie.