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Remscheid: Foodsaver - Ehrenamtliche retten und verteilen Lebensmittel

Remscheid : Foodsaver - Ehrenamtliche retten und verteilen Lebensmittel

Ein welkes Blatt, ein paar eingedrückte Stellen oder eine eingeknickte Ecke und schon ist ein Lebensmittel nicht mehr verkäuflich, verschwindet aus dem Regal und landet im Müll. Das wollte Elisabeth Erbe so nicht mehr hinnehmen. Sie wollte etwas gegen die Lebensmittelverschwendung tun und hat innerhalb eines halben Jahres bis zu 80 Mitstreiter gefunden.

Täglich fahren 30 aktive Remscheider "Foodsaver" Lebensmittelmärkte, Bioläden oder Supermärkte ab, um das abzuholen, was sonst weggeschmissen werden würde. Das eingesammelte Brot, Obst, Gemüse und andere Lebensmittel werden dann in der Nachbarschaft oder an Freunde in allen Stadtteilen verschenkt. Foodsharing heißt das Prinzip. Jeden Montag um 18 Uhr findet eine öffentliche "Fairteilung" im Jugendkeller der Freien evangelischen Gemeinde in Lennep statt. Freitags können um 11 Uhr im Café Hasenberg Lebensmittel gerettet werden. Bis zu 11.000 Kilo an Nahrungsmitteln blieben so im ersten halben Jahr der Mülltonne erspart.

"Kommen kann jeder, der die Idee teilt, Lebensmittel vor dem Müll zu bewahren", erklärt Erbe. Deshalb kommen sowohl Bedürftige als auch viele Nicht-Bedürftige, so wie etwa Daniela Fuchs (36). "Ich nehme manchmal meine Tochter mit und erkläre ihr früh, dass Lebensmittel nicht weggeworfen werden müssen, nur weil zum Beispiel ein schlechtes Blatt am Salat ist", sagt die Radevormwalderin.

Fuchs kommt regelmäßig zur "Fairteilung" und füllt ihren Korb. "Das hat auch mein Kaufverhalten verändert. Heute gibt es zum Beispiel Wirsing, weil er hier eben da ist", erklärt sie lächelnd.

Foodsharing-Nutzerin Renate vom Hasten nimmt auch gleich Lebensmittel für ihre beiden älteren Nachbarinnen mit. "Die eine Dame ist 70 Jahre und muss mit einer sehr kleinen Rente auskommen. Da ist sie sehr glücklich, wenn man ihr was mitbringt. Das Foodsharing finde ich gut. Es gibt viele, die auch darauf angewiesen sind", meint sie.

"Wir sind aber keine Konkurrenz zur Tafel", betont Elisabeth Erbe. Von den 18 kooperierenden Betrieben werden die Lebensmittel abgeholt, die die Tafel nicht nehmen kann oder darf - wie etwa Nahrungsmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum. Aber auch Non-Food-Artikel wie Möbel oder Kleidung wurden schon verschenkt. Privatleute können ebenfalls übrig gebliebene Lebensmittel abgeben.

Silke Reszka gehört zu den aktiven Foodsavern und fährt regelmäßig zum Großmarkt nach Düsseldorf, wo große Mengen abgegeben werden. Sie ist von der Idee durch und durch überzeugt. Auch wegen der zwischenmenschlichen Ebene. "Eine Foodsaverin rettet für ihre Klienten, von denen eine so viel Ersparnis hatte, dass sie sich nach langer Zeit wieder einmal Shampoo und Gesichtscreme kaufen konnte. Die Leute sind sehr dankbar", erzählt Reszka.

Info-Abend mit "Fairteilung" am 3. April, 18 bis 19.30 Uhr im Jugendkeller, Freie evangelische Gemeinde, Wallstraße 23. Kontakt remscheid@lebensmittelretten.de. Infos unter foodsharing.de.

(lupi)