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Remscheid: Förderprogramm mit Luft nach oben

Remscheid : Förderprogramm mit Luft nach oben

Gezielte Qualifizierung für Unternehmen und Mitarbeiter wird noch nicht wie erhofft genutzt.

Die Arbeitsagentur bietet seit längerem ein Förderprogramm für Unternehmen und deren Mitarbeiter an, das Weiterbildungs- und Umschulungskosten finanziert. Genutzt wird es bislang jedoch nur wenig. Dabei soll die gezielte Qualifizierung von bestehendem und besonders engagiertem Personal den Fachkräftemangel dämpfen.

Seit 15 Jahren arbeitet Kristina Töpfer beim Lebensmittelhersteller Steinhaus. Die 38-Jährige war bislang als Hilfsarbeiterin an den Maschinen tätig, verpackte die Lebensmittel in Kartons. Ein einfacher Job, den die alleinerziehende Mutter auch ohne tolle Abschlüsse oder Berufsausbildungen ausüben konnte, ohne dabei ihre zehnjährige Tochter zu vernachlässigen. "Ich habe lange meine Tochter alleine großgezogen. Da kam irgendwann der Moment, dass ich mich wieder mehr einbringen konnte und weiterentwickeln wollte", sagt Töpfer.

Bei ihrem Arbeitgeber stieß sie damit auf offene Ohren. Der bot eine Weiterbildungsmöglichkeit als Fachkraft für Lebensmitteltechnik an. "Dass ich diese Chance bekommen habe, hat mich sehr gefreut, aber ich hatte es mir auch sehr schwer vorgestellt und hatte große Angst, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein, schließlich war ich über 20 Jahre aus der Schule raus."

In einer verkürzten, eineinhalbjährigen Ausbildung lernte sie das, was ein normaler Azubi der Lebensmitteltechnik in fast drei Jahren lernt. Einfach, gesteht sie, war das nicht. Aber sie biss sich durch. Während ihrer Ausbildungszeit verzichtete ihr Arbeitgeber wochenweise auf ihre Arbeitskraft in der Produktion, erhielt dafür allerdings finanzielle Unterstützung von der Arbeitsagentur über das Förderprojekt "Wegebau" (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Arbeitnehmer in Unternehmen), die bei rund 12.500 Euro pro Mitarbeiter, der an diesem Projekt mitmacht, liegt.

So wie auch Zeljko Maik Detlev Friscia. Der 35-Jährige, Vater von zwei Kindern, ist seit nun gut fünf Jahren bei Steinhaus. "Ich war vorher Dachdecker, habe aber aufgrund meiner Rückenprobleme schnell wieder umgesattelt." Bei Steinhaus bewarb sich Friscia als Schichtführer, musste sich aber eingestehen, dass ihm dafür als branchenfremde Arbeitskraft die Qualifikation fehlte. Er stieg in die Feinkostabteilung ein. Weil sein Arbeitgeber aber auch bei ihm den nötigen Willen erkannte, wurde ihm eine Umschulung zum Lebensmitteltechniker angeboten.

Eine gute Erfahrung, sagt der Familienvater, der sich nun auch zum Meister fortbilden möchte. "Durch die Umschulung sind wir jetzt alle in eine höhere Lohnsteuerklasse gekommen, aber darum sollte es nicht in erster Linie gehen. Sondern eher darum, auch etwas Neues zu lernen, sich den Herausforderungen zu stellen und das Unternehmen weiterzubringen."

Genau deshalb steht auch Steinhaus-Geschäftsführer Götz Nafe dahinter: "Wir können nur allen anderen Unternehmen der Industrie das Förderprogramm ans Herz legen, weil es zum einen die eigenen Mitarbeiter fördert und finanziell besserstellt, aber auch das Unternehmen von gelernten Fachkräften, die den Betrieb bereits kennen, profitieren."

Noch, sagt Martin Klebe, der Vorsitzende der Geschäftsführung, werde das Förderprogramm, das in der Bergischen Region seit 2007 angeboten wird und für das jährlich rund zehn Millionen Euro zur Verfügung stehen, wenig genutzt. "Für dieses Jahr haben wir in Remscheid gerade einmal elf Förderfälle. Es könnten und sollten allerdings viel mehr sein."

(RP)