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Firma Schöpp aus Remscheid: Teppich-Hersteller hofft auf Tennis-Boom

Firma Schöpp aus Remscheid : Teppich-Hersteller hofft auf Tennis-Boom

Das Coronavirus hat in der Bilanz der Remscheider Firma Schöpp Sportboden keine Spuren hinterlassen. Sorgen bereitet dem Marktführer für textile Tennishallenbeläge eher der Mitgliederschwund der Vereine.

Textilingenieur Ralph Schöpp (60) und sein Bruder Michael (54) können nicht klagen: „Corona zum Trotz werden wir auch dieses Jahr wieder rund vier Millionen Euro erlösen“, so die Prognose der Familienunternehmer, die in Europa bei textilen Tennishallenbelägen seit fast 20 Jahren führend sind. Doch auch wenn es sich als Nummer eins mit einem Marktanteil von etwa 70 Prozent ruhig schlafen lässt – ganz unbesorgt blicken die beiden gebürtigen Wermelskirchener nicht in die Zukunft.

„Was mir gar nicht gefällt, ist die aktuelle Situation vieler Tennisvereine“, gibt Firmengründer Ralph Schöpp zu. „Die Mitgliedszahlen haben sich je nach Region in Deutschland in den letzten 25 Jahren halbiert oder sogar gedrittelt.“ Damit seien die finanziellen Möglichkeiten der Vereine erheblich eingeschränkt. „Um Tennishallen dauerhaft in Schuss halten und auch zum Beispiel den Bodenbelag regelmäßig erneuern zu können, müssen die Vereine finanziell gut aufgestellt sein. Das ist aber vielerorts nicht mehr der Fall.“ Ralph Schöpp weiß, wovon er redet – und das nicht nur als Sportbodenhersteller. Der aktive Tennisspieler hat auch durch seine Funktion als Vorsitzender des Remscheider Traditionsvereins SC Rot-Weiß einen breiten Überblick. 

„Sobald ein Verein nur noch knapp 200 Mitglieder hat, wird es schwierig, neue Sportböden zu bezahlen. Das funktioniert dann oft nur noch über Sponsoring.“ Zwar hätten sich viele Vereine in der guten alten Tennis-Zeit schuldenfrei gestellt. Doch diese Ära, die ihren Peak in den Jahren 1993 und 1994 gehabt habe, sei schon lange vorbei. Heute sind selbst renommierte Vereine „weit davon entfernt, über die Jahresbeiträge von mehreren hundert Mitgliedern viel Geld in die Kasse zu bekommen oder Aufnahmegebühren zu verlangen“. Vielmehr müsse man als Vorstand dankbar sein, wenn die Regierung Förderprogramme wie das Programm „Moderne Sportstätten 2022“ auflegt: „Damit können hier in NRW seit 2019 auch Tennisvereine über das Förderportal des Landessportbunds Zuschüsse für die Sanierung und Modernisierung ihrer Sportstätten beantragen.“ Davon profitiert dann auch ihre Firma als Hersteller von Sportböden stark, „weil wir nicht nur Beläge für Tennisböden herstellen, sondern auch Sportböden in Badminton-Hallen verlegen“.

Speziell in Sachen Tennis geht es jedoch weder Ralph noch Michael Schöpp, der beim TC Grün-Weiß Wermelskirchen Vorsitzender ist, allein um die Sicherung der Absatzmärkte: „Wir wünschen uns auch als Sportler, dass es mit den Vereinen wieder bergauf geht.“ Schließlich stamme man aus einer tennisversessenen Familie: „Unser Vater Ralph Schöpp war ein erfolgreicher Spieler. Und meine Ehefrau Alice Schöpp, die beim TC Grün-Weiß als Trainerin arbeitet, mischt als frühere rumänische Nationalspielerin heute noch stark im Nationalen Seniorentennis mit.“ Er selbst spiele beim SC Rot-Weiß mit den Herren 60 in der Niederrheinliga; und auch seine Kinder mögen den weißen Sport: „Vor diesem Hintergrund ist es in unserer Familie schwer, nur als Unternehmer auf die Lage der Tennisvereine zu blicken. Wir fragen uns auch privat, was man tun kann, um wieder mehr Menschen für Tennis zu begeistern.“

Eine Option sieht Ralph Schöpp darin, Tennis vom Ruf zu befreien, ein teures Hobby zu sein. Das treffe „zumindest in den Sommermonaten, wenn keine Hallenkosten anfallen“, für Vereinsmitglieder nicht zu. Auch die Beiträge seien passabel: „Jugendliche unter 14 Jahren zahlen nicht nur beim SC Rot-Weiß, sondern auch anderswo keine 80 Euro im Jahr.“ Das empfindet er als ebenso erschwinglich wie eine Schnuppermitgliedschaft für Erwachsene, die sich in seinem und anderen Vereinen auf gerade einmal 60 Euro im Jahr belaufe. Teuer seien im Tennissport eigentlich nur das Einzel- oder Zweiertraining und im Winter die Kosten für die Hallennutzung.

Der Blick in andere Länder wie die Schweiz, Holland oder die USA zeigt, „dass Tennis auch ein Breitensport sein kann“. Schöpp glaubt, „dass das auch in Deutschland möglich ist“, und sieht ausgerechnet durch Corona einen Hoffnungsschimmer: „Weil Tennis ein Individualsport ist, wurde die Ausübung auf den Plätzen draußen nicht generell untersagt.“ Tennis ist sehr kontaktarm und könne daher eher erlaubt werden als ein Mannschaftssport wie zum Beispiel Fußball. „Ein Vorteil, der hoffentlich den Vereinen in Form von steigenden Mitgliederzahlen zugute kommen wird.“ Und wenn ein solcher Trend zudem mittelfristig die Budgets für neue Hallenbeläge sichert, „dann können wir uns auch als Produzenten und Unternehmer darüber freuen“.