Fahrer droht Klage wegen fahrlässiger Tötung

Remscheid : Fahrer droht Klage wegen fahrlässiger Tötung

Staatsanwalt ermittelt gegen 30-jährigen Unfallfahrer, bei dem ein Drogenvortest angeschlagen hat.

Im Fall des tödlichen Unfalls vom vergangenen Samstag, bei dem auf der Kreisstraße 2 (K2) bei Forsten eine 84-Jährige ums Leben kam, hat die Staatsanwaltschaft Wuppertal die Ermittlungen übernommen. "Es handelt sich um mehrere schwere Straftaten", sagt Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert.

Dem 30 Jahre alten mutmaßlichen Unfallverursacher wird unter anderem fahrlässige Tötung vorgeworfen. Bei einer Verurteilung droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. "Außerdem ermitteln wir wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und Fahren unter Drogeneinfluss", sagt Baumert. Ein Drogenvortest hatte nach dem Unfall bei dem Tatverdächtigen angeschlagen. "Nun müssen wir die Laboruntersuchung der Blutprobe abwarten", sagt der Oberstaatsanwalt.

Der mutmaßliche Unfallverursacher stammt aus Wuppertal. Er hatte am vergangenen späten Samstagnachmittag auf der Kreisstraße 2 zwischen Engelsburg und Hückeswagen in einer Rechtskurve versucht, mit seinem Mercedes-Geländewagen einen Pkw zu überholen. Die entgegenkommende 53 Jahre alte Fahrerin eines VW Golf konnte nicht mehr reagieren.

Die Fahrzeuge stießen frontal zusammen. Die Beifahrerin des Golfs wurde bei dem Unfall so schwer verletzt, dass sie noch am Unfallort starb. Die Fahrerin - die Tochter des Opfers - wurde mit einem Rettungshubschrauber schwer verletzt in eine Spezialklinik geflogen. Der 30 Jahre alte mutmaßliche Unfallverursacher wurde leicht, sein 44-jähriger Beifahrer schwer verletzt.

Wie sich herausstellte, war der 30-Jährige ohne Führerschein unterwegs. Ob er nie einen besaß oder zum Unfallzeitpunkt wegen eines vorherigen Vergehens nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis war, konnte die Staatsanwaltschaft am Montag noch nicht sagen.

Derweil hat der tödliche Unfall vom Samstag die Diskussion um die Verkehrssicherheit der Kreisstraße 2 bei Forsten neu entfacht. Bereits im Dezember hatte sich eine Leserin besorgt gezeigt, weil es in dem Bereich immer wieder zu Unfällen komme. Am Montag gab es dann einen Anruf einer Anwohnerin der Straße Am Goldenbergshammer. In der Nähe des Abzweigs der K2 hatte sich der Unfall am Samstag ereignet.

Der Anwohnerin zufolge handelte es sich um den sechsten Unfall in wenigen Monate. Sie fordert, dass zusätzliche Maßnahmen wie ein gesenktes Tempolimit, ein generelles Überholverbot oder Geschwindigkeitskontrollen getroffen werden, um die Sicherheit zu erhöhen. Damit habe sie auch die Stadt Remscheid konfrontiert. Dort habe man sie jedoch darauf verwiesen, dass es sich bei der betreffenden Stelle nicht um einen Unfallhäufungsschwerpunkt handelt. "Dass die Verantwortlichen so leichtfertig damit umgehen, kann ich nicht nachvollziehen", sagt die Anwohnerin.

Ein Eindruck, dem Ordnungsamtsleiter Jürgen Beckmann entgegentritt. "Verharmlosen will ich die Unfälle auf keinen Fall. Das ist eine schreckliche Geschichte", betont Beckmann mit Blick auf den Unfall vom Samstag. Bei aller Tragik sei es aber auch bei solchen Ereignissen wichtig, die Situation mit einer gewissen Professionalität zu analysieren. "Denn was nutzt ein Tempo-30-Schild gegen das Fehlverhalten eines Einzelnen?", gibt der Behördenchef zu bedenken.

An der Unfallstelle "verbietet es schon der gesunde Menschenverstand, zu überholen". Dennoch: Als Reaktion auf die Geschehnisse soll die Kreisstraße 2 bei der nächsten Verkehrsbesprechung noch einmal auf die Agenda.

(RP)
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