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Fachkräftemangel in Remscheider Kitas

In den Remscheider Kindertagesstätten: : Fachkräftemangel erfordert neue Strategien

PIA macht die Erzieherausbildung attraktiver. Kita-Träger greifen auf Förderung von Bund und Land zurück.

330 Erzieher verteilen sich bei der Stadt auf 20 Kita-Einrichtungen und 70 Gruppen. Wie bei allen anderen Kita-Trägern ist es schlecht bestellt um Nachwuchs. Peter Nowack, als Abteilungsleiter im Jugendamt für Kita-Angelegenheiten zuständig, kennt den Mangel: „Die Bewerberzahlen gehen immer weiter zurück. Wenn wir früher Tage mit zehn Vorstellungsgesprächen hatten, gibt es heute oft Tage, an denen niemand kommt.“

Die Veränderung sei dramatisch. Und sie trifft alle Kindertageseinrichtungen. Die Stadt reagiert: Arbeitete sie früher auch mit befristeten Verträgen, winken heute direkt feste Anstellungen. Erzieher sind eine gefragte Spezies. Per Dauerausschreibung sowohl beim Jobcenter als auch auf der städtischen Homepage werden sie gesucht, nicht zuletzt über einen achtminütigen Imagefilm, in dem die Stadt den Erzieherberuf schmackhaft macht. Sie zahlt nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. An den Entgelten des TVöD orientiert sich jedoch heute fast jeder Träger.

Noch nicht überall wird hingegen die dreijährige, praxisintegrierte Ausbildung (PIA) zum Erzieher angeboten. PIA schließt zwei Lücken. Zum einen orientiert es sich vom ersten Tag an stark am Kita-Alltag (erstes Jahr: drei Tage Schule, zwei Tage Praxis; zweites/drittes Jahr zwei Tage Schule, drei Tage Praxis), andererseits liegt die monatliche Bezahlung zwischen 1140 Euro (1. Jahr) und 1303 Euro (3. Jahr). Mit PIA erhält die Ausbildung auch finanzielle Attraktivität.

Im Käthe-Kollwitz-Berufskolleg (KKB) findet dazu im vierten Jahr die schulische Ausbildung statt. Obwohl die verantwortlichen Lehrerinnen Nina Falkenhain und Andrea Hainbuch das Angebot loben („Alle profitieren davon“), stellen sie fest, dass Praxisstellen in den Kitas fehlen. „Viele kleinere Träger können sich PIA nicht leisten“, bedauert Falkenhain.

Es gibt Geld-Töpfe, um PIA-Praxisstellen zu finanzieren. Mit der KiBiz-Reform zum 1. August 2020 wird es Landeszuschüsse für die Träger geben. Im ersten Jahr sind 8000 Euro für die PIA-Ausbildung vorgesehen. Das Bundesprogramm „Fachkräfteoffensive für Erzieher“ ist eine weitere Möglichkeit. Die Kita-Elterninitiative Hackenberg hat es in Anspruch genommen. „Das Förderprogramm ist nicht sehr transparent, mit viel Papierkram verbunden und hat sehr sportliche Fristen. Deshalb entscheiden sich viele Einrichtungen dagegen“, meint Christine Robra, seit August Leiterin der Hackenberger Kita.

Für ihre Einrichtung hat sich der Aufwand gelohnt. Mit Niklas Schmuhl, zum 1. September eingestellt, hat die Elterninitiative nicht nur einen vom Bund geförderten Azubi, sondern jemand, der über drei Jahre eine feste Bindung zum Haus aufbauen wird. „Wir haben bislang nur positive Erfahrungen mit ihm gemacht“, lobt Robra.

Insgesamt sind bei der Stadt 14 PIA-Kräfte unter den 62 Azubis beschäftigt. Acht davon werden im Sommer 2020 fertig. „Denen wollen wir ein Angebot zur Übernahme machen“, erklärt Peter Nowack. Die Stadt fährt auch andere Strategien der Personalgewinnung: So sollen Integrationshelfer motiviert werden, in die Erzieherausbildung zu gehen, der Bundesfreiwilligendienst als Sprungbrett genutzt oder ausländische Kräfte gewonnen werden.

Auch Rainer Bannert, Vorsitzender des Elternvereins der Arbeiterwohlfahrt, der ab 2020/21 drei neue Kitas (Hackenberg, Engelsberg und Burger Straße) eröffnen wird, weiß, dass in der Vergangenheit in NRW nicht bedarfsgerecht ausgebildet wurde und Kitas nicht ausreichend finanziert wurden. Die verfehlte Personalpolitik stellt auch die Awo vor schwierige Personalfragen. Die Bewerbungsgespräche für die neuen Einrichtungen haben deshalb schon begonnen.