Fußball: Ex-Vorsitzende schießt gegen FCR-Trainer

Fußball : Ex-Vorsitzende schießt gegen FCR-Trainer

Peter Nattermann spricht im Interview über das Sportliche und den Vorstand des Fußball-Landesligisten FC Remscheid.

Sie waren bisher bei allen Heimspielen des FC Remscheid in der Fußball-Landesliga im Stadion. Offizielle Statements haben Sie dabei aber weder dazu, noch zum Rückzug von Ihren Ämtern im April als FCR-Vorsitzender und Sportlicher Leiter abgegeben. Jetzt stehen Sie Rede und Antwort. Warum?

Peter Nattermann Weil ich immer noch sehr am Verein hänge und ihm keinen Schaden zufügen wollte. Aber aus vielen Gründen blutet mir derzeit das Herz.

Dann lassen Sie uns mit der sportlichen Situation beginnen. Als Aufsteiger ist der FCR mit einem Sieg, einem Remis und vier Niederlagen gestartet. Nicht berauschend, aber unter dem Strich ordentlich, oder?

Nattermann Da hätte mehr bei rumkommen können und auch müssen. Alleine schon deswegen, weil die Landesliga an sich in dieser Saison ein schwaches Niveau hat.

Der FCR musste aber mit großen personellen Sorgen fertig werden. Viele Stammkräfte stehen seit Wochen nicht zur Verfügung.

Nattermann Zunächst einmal will ich keinem Spieler zu nahe treten. Aber der aktuelle Kader hat mehr Masse als Klasse. Im Rahmen der Möglichkeiten ist das okay. Was einen Teil der Verletzten betrifft, sollte man sich mal die Frage stellen, ob nicht falsch trainiert wurde. Der eine oder andere braucht individuelle Einheiten.

Das klingt nach deutlicher Kritik am Trainerteam um Zdenko Kosanovic . . .

Nattermann Die sportlichen Erfolge in der letzten Saison haben viel überdeckt. Allerdings hatte der Coach auch ein Landesliga-Team zur Verfügung, und der Verein einen Oberliga-Etat. Ich habe mit Unterstützung im März eine Analyse gemacht. Das Fazit war, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Allerdings hat sich eine Mehrheit im Vorstand dann dafür ausgesprochen, und die Verträge mit dem Trainerteam wurden verlängert, obwohl die finanzielle Situation nicht geklärt war.

War dies einer der Gründe für Ihren Rücktritt?

Nattermann Das war einer. Es gab darüber hinaus ein fertiges Konzept, das noch viel weiter ging. Ich hatte Sponsoren besorgt, die einen Etat von 80 000 Euro abgedeckt hätten. Dazu eine Mannschaft mit gestandenen Landesligaspielern, mit denen wir eine ganz ruhige Saison gespielt und im zweiten Jahr höhere Ziele verfolgt hätten. Dies alles konnte dann nicht umgesetzt werden. Bei all dem sollte nicht unerwähnt bleiben, dass im Oktober des vergangenen Jahres aus finanziellen Gründen fast die Lichter ausgegangen wären. Ich habe aus eigener Tasche Geld vorgeschossen, das komplett noch nicht zurückgezahlt worden ist.

Seit vergangener Woche gibt es nun Kritik am Trainer. Es soll sogar ein Misstrauensvotum der Spieler gegen ihn gegeben haben. Muss der Verein nicht reagieren?

Nattermann Kritik seit letzter Woche? Die gab es schon in der vergangenen Saison. Nach dem Sieg im damaligen Spitzenspiel in Wülfrath ist zwischen Trainer und Mannschaft irgendwas vorgefallen. Mehr als die Hälfte des Teams hatte sich da schon gegen den Coach gestellt. Ich hätte schon viel eher reagiert. Bei der aktuellen Abstimmung hatte er nur noch zwei Spieler auf seiner Seite. Außerdem gab es ein paar Enthaltungen.

Was werfen Sie Zdenko Kosanovic denn vor? Was sind die Gründe für die Unzufriedenheit der Spieler?

Nattermann Lassen Sie mich mit etwas Positivem beginnen. Die Mannschaft war in der vergangenen Saison topfit. Dies war am Ende auch entscheidend, dass viele Spiele gewonnen wurden. Das reicht in der Landesliga aber natürlich nicht. Ansonsten sehe ich in erster Linie große Defizite in der Menschenführung. Den Spielern fehlt der Spaß. Damit büßen sie 20 bis 30 Prozent ihrer Leistung ein. Und nüchtern betrachtet, hat sich kein Spieler in den letzten Monaten weiterentwickelt.

Noch mal zurück zur Frage nach einer Reaktion des Vereinsvorstandes.

Nattermann Ich hatte mich aktuell bereiterklärt zu helfen. Durch einen guten Freund ist der Kontakt zu Matthias Hönerbach entstanden. Der Ex-Profi und langjährige Co-Trainer von Thomas Schaaf hatte für kleines Geld seine Zusage gemacht, dass Traineramt zu übernehmen. Aber dann haben Teile des Vorstands eine Rolle rückwärts gemacht. Damit ist dem Verein und der Mannschaft großer Schaden zugefügt würden. Für die Spieler finde ich das besonders schade, da sie einen tollen Charakter zeigen.

Wie beurteilen Sie ansonsten die Rolle des Vorstands?

Nattermann Da kommt Unerfahrenheit gepaart mit Inkompetenz zusammen. Beim FCR haben einige ihre Kompetenzen überschritten und wollen über die Dinge entscheiden, für die sie nicht befugt sind. Man muss dabei folgendes bedenken: In erster Linie kommt der Verein, dann die Mannschaft und dann erst die einzelnen Personen. Und die besetzen Positionen, obwohl ihnen die Reputation, die Kompetenz und die Qualität fehlt.

Wie war das während Ihrer Zeit?

Nattermann Ich habe mir bei meinem Amtsantritt im Juni 2016 die gesamte Entscheidungsgewalt zusichern lassen. Das galt zum Beispiel für die Verpflichtung von Spielern und deren Verträge, auch des Trainers. Ich habe dies wegen der Erfahrung gemacht, die ich bei anderen Vereinen gesammelt habe.

Streben Sie denn jetzt nun selbst wieder ein Amt an?

Nattermann Nein. Ein weiterer Grund für meinen Rücktritt lag in meinem privaten Bereich. Ich kann und will nicht mehr so viel Zeit investieren.

(RP)