Ex-Rocker wegen Zwangsprostitution vor Gericht

Wuppertaler Landgericht : Ex-Rocker wegen Zwangsprostitution vor Gericht

Rein in den Gerichtsaal, raus aus dem Gerichtssaal: Es war ein munteres Hin und Her vor der Berufungskammer des Wuppertaler Landgerichts.

Auf der Anklagebank: ein ehemaliges Mitglied der Wuppertaler Osmanen Germania. Der zum Tatzeitpunkt in Remscheid lebende „Sergeant-at-Arms“ soll sich mittlerweile von der Rocker-Szene losgesagt haben. Das hatte offenbar nicht nur dem Angeklagten reichlich Probleme beschert – sondern auch etlichen Zeugen, gegen die nach den erstinstanzlichen Vernehmungen diverse Strafverfahren laufen. Eine Zeugin verweigerte die Aussage, eine andere war gar nicht erst gekommen und muss nun polizeilich vorgeführt werden. Die Verhandlung musste jedenfalls immer wieder unterbrochen werden.

Der Angeklagte selbst soll im Prozessverlauf gesagt haben, er müsse jenseits der Gefängnismauern um sein Leben fürchten. Dort sitzt er derzeit in Untersuchungshaft, die Staatsanwaltschaft wirft ihm gewerbliche Zwangsprostitution und vorsätzliche Körperverletzung vor. Das Opfer war eine damals 18-Jährige, der der Angeklagte die Ehe versprochen haben soll. An den Kosten für die türkische Hochzeit sollte sich die junge Frau beteiligen – dabei soll es um 70.000 Euro gegangen sein. Um Verdienstmöglichkeiten aufzutun, soll der Angeklagte seine Freundin einer Prostituierten vorgestellt haben. Offenbar wurde man sich schnell einig, fortan jedenfalls verdiente die Frau in diversen Wuppertaler Bordellen ihr Geld. Das wiederum soll der Angeklagte einkassiert haben, um seiner Freundin zehn Euro am Tag für Zigaretten zu überlassen. Inzwischen soll es eine weitere sexuelle Beziehung des Mannes zu einer Prostituierten gegeben haben. Beide Frauen sollen in seiner Remscheider Wohnung übernachtet haben. Morgens soll er sie zum Bordell gefahren haben, um sie dort nach getaner Arbeit wieder abzuholen. Derweilen war der geplante Hochzeitstermin längst verstrichen, der Angeklagte hatte die Hoffnungen seiner Freundin dennoch aufrechterhalten.

Als die mit der Dreiecksbeziehung nicht mehr klargekommen sei, soll der 35-Jährige sie geschubst, festgehalten und gewürgt haben. Zuvor hatte der Mann dem Gericht eine andere Geschichte erzählt: Er will die Frau aus der Rocker-Szene und dem Rotlichtmilieu herausgeholt haben. Ihrer Tätigkeit im Bordell soll sie aus freien Stücken nachgekommen sein, um sich an den Kosten für die Hochzeit beteiligen zu können. Ein ehemaliger Bekannter aus der Rocker-Szene, der nun – aus der Haft vorgeführt – als Zeuge aussagte, sah das anders: „Du hast sie rausgeholt und wieder reingesteckt“, kommentierte er die Odyssee der Frau. Zu den Abläufen bei den Osmanen Germania wollte der Zeuge nichts sagen. Das Amtsgericht hatte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Das Berufungsverfahren wird fortgesetzt.

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