Remscheid: "Evita" – bergische Produktion begeistert

Remscheid: "Evita" – bergische Produktion begeistert

Den Wuppertaler Bühnen und den Bergischen Symphoniker gelang am Samstag ein mitreißender Musical-Abend im Teo Otto Theater.

Ein populärer Stoff sorgte am Samstagabend für ein volles Haus. Im Teo Otto Theater zeigten die Wuppertaler Bühnen "Evita" in einer Anlehnung an die Broadwayproduktion des Theaterregisseurs Harold Prince. Die Inszenierung von Aurelia Eggers bot alle Opulenz, die man von einer modernen Musicaldarbietung erwarten kann. Ein wandlungsfähiges Bühnenbild nahm die Zuschauer mit nach Buenos Aires, wo der Student Che kritisch auf das Leben der Frau an der Seite des argentinischen Staatspräsidenten zurückblickt.

Die Nachricht von Eva Peróns frühem Tod sorgt mitten in einer Kinovorstellung für Erschütterung. Geschickt bedient sich die Regisseurin den multimedialen Möglichkeiten und lässt so Bühnengeschehen und Originalbilder des Trauerzuges miteinander verschwimmen. Das Publikum erlebt, wie eine einfache Frau zur ersten Dame des Landes aufsteigt, wegen ihrer Herkunft jedoch weder bei der Aristokratie noch bei den Militärs ankommt. Eva genießt das pulsierende Leben in der Hauptstadt, nutzt diverse Liebschaften zum gesellschaftlichen Aufstieg, bis sie schließlich an der Seite von Colonel Perón die Macht auskostet und dem Glamour verfällt. "Santa Evita" wird vom Volk als Wohltäterin verehrt, Che hingegen deckt ihren Hang zur Selbstdarstellung auf, in dem er sie abfällig als "Schauspielerin" charakterisiert.

In der Titelrolle glänzt Banu Böke mit facettenreicher Darstellung und ausdrucksstarker Stimme. Authentisch, wie sie skrupellos und mit kaltem Lächeln der Geliebten Peróns den Mann ausspannt. Restlos zu überzeugen weiß die Darstellerin, wenn Evita aufgrund schwerer Krankheit die Kraft verlässt. Glänzend besetzt auch die Figur des Che durch Patrick Stanke. Die Ironie, mit der er Evas Leben Revue passieren lässt, kommt vortrefflich zum Ausdruck, gleichzeitig punktet er mit Stimme und Darstellungskraft.

Komplettiert wurde das Protagonisten-Quintett von Olaf Haye (Juan Péron), Boris Leisenheimer (Magaldi) und Annika Boos als Mistress, die ohne Ausnahme zum homogenen Gesamteindruck beitrugen. Ein großes Lob gebührt den Chören der Wuppertaler Bühnen, die großartig sangen.

Und da wären noch die Bergischen Symphoniker, die unter Leitung von Tobias Deutschmann Andrew Lloyd Webbers berührende und mitreißende Musik frisch und mit Perfektion umsetzten. Hier zeigte sich erneut die Wandlungsfähigkeit der Musiker, die ein Philharmonisches Konzert genauso souverän zu spielen wissen wie unterhaltende Musik. Eine solche bergische Kooperation wäre ohne eigenes Orchester nicht mehr möglich.

Minutenlanger Applaus und Standing Ovations für eine wirklich sehr gute Leistung.

(bona)
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