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Eventgarten 2022 in Remscheid: Max Mutzke greift in die Trickkiste​

Open Air in Remscheid : Max Mutzke greift in die Trickkiste

Der deutsche Sänger gastierte mit einem spektakulären Konzert im Eventgarten. Trortz bestem Open-Air-Wetter  war der Besuch verhalten.

Profis wie Max Mutzke liefern ab, egal ob ihm Tausende zujubeln oder – wie jetzt in Remscheid geschehen – nur einige wenige Hunderte in einem ziemlich großen Gelände wie dem Eventgarten, wo es Platz für bis zu 3.000 Personen gibt. Ziemlich verlassen kamen sich da die Besucher vor, die auf dem Areal verteilt, einige gemütlich in Strandstühlen auf Sand vor der Bühne liegend, andere weiter hinten an Stehtischen oder ganz hinten auf überdachten Tribünen sitzend, das Konzert mitverfolgten.

Vorteil für die Anwesenden: Sie erlebten mit ausreichend Bein- und Bewegungsfreiheit ein überaus intimes Wohnzimmerkonzert unter freiem Himmel. Der Nachteil: um die entsprechende Leere zu füllen, das Publikum aus ihren Liegestühlen zu hieven und mitzureißen, musste der Sänger mächtig viel Crowdwork betreiben. Mutzke krempelte die Ärmel hoch, suchte immer wieder die Interaktion mit den Zuschauern, sprach sie an, forderte sie auf. Erfolgreich.

Um zu erkennen, dass Max Mutzke ein Ausnahmekünstler ist, dafür reicht ein Augenblick: Seine soulige Stimme, mal rauchig, mal glasklar, die Kraft, die in ihr steckt und doch so zerbrechlich wirkt, wenn es das Lied erfordert, fesseln jedes Mal, auch wenn er nur ins Mikrofon spricht. Zusätzlich steckt so viel Tiefe und Sensibilität in seiner Musik, dass man gänzlich ohne Widerstand hineintaucht in seine Welt und seine Geschichten. Ob A Cappella, alleine, mit seinem Gitarristen oder mit der geballten Kraft seiner Band im Rücken: Mutzke ist ein versierter Allrounder. Vielleicht half ihm das, um das Konzert in Remscheid zu retten. „Ihr seid echt weniger, als wir geglaubt haben“, entfuhr es ihm bei einer Gelegenheit, bei der er vom Publikum Unterstützung im Refrain einfordert. Nur leise kamen die wenigen Anwesenden gegen die laute Technik an, sodass Mutzke zur Trickkiste griff und statt zu geschlossenen, zu offenen Vokalen wechselte. Große offene „aahs“ statt kleine geschlossene „uuhms“. Das wirkte. Der improvisierte Chor war zu hören. Nach einer knappen dreiviertel Stunde und vorheriger Aufforderung erhob sich das Publikum schließlich auch in den vorderen Reihen aus den Liegestühlen, tanzte mit, bewegte sich zur Musik, klatschte im Takt.

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„Schade, dass nur so wenig Leute gekommen sind“, sagte  eine Besucherin beim Gang zum Cocktailstand. „Er hat mehr verdient“, sagte sie mit Blick auf den Künstler, der auf der Bühne sein Herz öffnete, seine Gedanken und Gefühle mit seinen Hörern teilte. „Wir sind eine privilegierte Band, ein privilegiertes Publikum. Wir leben in Frieden und Sicherheit, leben auf den Schultern von Giganten, wie dem medizinischen, technischen und wissenschaftlichen Fortschritt“, sprach er, um zu seinem nächsten Titel „Giganten“ aus seinem jüngsten Album „Wunschlos süchtig“ überzuleiten.

„Das ist aber alles nicht selbstverständlich“, stellte der Künstler, der auch schon mal im Teo Otto Theater auftrat, klar. Darauf aufzupassen, es wertzuschätzen, dazu rief er auf. Den Titel „Königreich“ widmete er den vielen Menschen hinter den Kulissen, seiner Crew, den Veranstaltern, die nach langen Lockdowns und Existenzsorgen wiedergekommen sind und anpacken, um Konzerte wie seine möglich zu machen. „Wir sind nur die Spitze des Eisbergs. Ohne sie, wären wir nicht hier“, sagte er.

Wie das Leben selbst, zwischen Tanz und Freude, Trauer und Schmerz, spielte sich das zweistündige Konzert ab, das schöner und intimer nicht hätte sein können, aber definitiv weitere Hundert Besucher mehr verdient hätte.