Remscheid: Es gab keine Liebe - nur Bestrafung

Remscheid: Es gab keine Liebe - nur Bestrafung

Veranstaltung informiert über Stiftung für junge Opfer der Psychiatrie.

Sie wurden in nasse Betttücher eingerollt und fixiert, eingesperrt, mit grausamen Methoden krank gemacht, ohne Lohn an die Arbeit gestellt. Zwischen 1949 und 1975 erlebten Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in stationären psychiatrischen Einrichtungen in Deutschland unfassbares Leid.

Um diesen Menschen zumindest eine öffentliche Anerkennung dieses Leides zu geben, haben Bund, Länder und Kirchen 2017 die Stiftung "Anerkennung und Hilfe" gegründet. Wer glaubhaft machen kann, dass er in einer Einrichtung dieser Art Unrecht erlitten hat, kann bis zu 14.000 Euro aus dem Stiftungsfond erhalten. Dabei geht es auch um die Frage, ob der Betroffenen als Arbeitskraft eingesetzt wurde, ohne dass Sozialabgaben für ihn gezahlt wurden.

Bei einer Veranstaltung am 24. Mai im Haus für Seelische Gesundheit an der Konrad-Adenauer-Straße wird Andreas Naylor vom LVR ab 15 Uhr die Stiftung vorstellen. Sie richtet sich an mögliche Betroffene oder an deren Betreuer.

Naylor ist einer der Gutachter beim Landschaftsverband Rheinland (LVR), der über die Vergabe der Gelder entscheidet. Dabei lässt er sich von seiner Einschätzung als Familien-Therapeut leiten, kann erkennen, dass die Menschen, die im persönlichen Gespräch teilweise zum allerersten Mal von ihren Erlebnissen berichten, nichts erfinden. Seine Beobachtung: Die Menschen haben damals in den Einrichtungen nie Liebe erlebt, sondern nur Bestrafung erfahren, wenn sie sich nicht wie gewünscht verhielten.

3300 Menschen, so die Schätzung, haben in NRW Anrecht auf Hilfe, doch bislang haben sich nur 704 Menschen aus dem rheinischen Teil von NRW (für den LVR der zuständig ist) gemeldet. 306 Menschen haben bisher Geld aus der Stiftung erhalten. Ansprüche müssen bis Ende 2019 angemeldet werden.

Die Stiftung Tannenhof ist Partner des Infotages. Der Tannenhof habe nie Kinder und Jugendliche aufgenommen, sagte der geistliche Vorsteher, Pfarrer Uwe Leicht, gestern vor der Presse. Sehr wohl aber habe man heute Patienten, die als Folge der Erfahrungen, die sie im genannten Zweitraum nach dem Krieg als Kinder und Jugendliche in anderen Einrichtungen gemacht haben, nun in Remscheid behandelt werden. Weil der Tannenhof bei der Aufnahme der Patienten eine sorgfältige Krankengeschichte notiert, konnte einigen Patienten mit Anspruch auf Hilfe aus dem Stiftungstopf schon geholfen werden.

Do, 24. Mai, 15 Uhr, Cafe Elling, Haus für Seelische Gesundheit, Konrad-Adenauer-Straße 2-4 Kontakt zum LVR: 0221/ 809 5001

(hr)