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Remscheid: Es braucht Gelassenheit und Flexibilität

Remscheid : Es braucht Gelassenheit und Flexibilität

Prof. Dr. Holger Bonin übernahm als Experte die Einführung und das Resümee der Abschlussveranstaltung der Grünen zur Familienpolitik. Er empfahl dabei unter anderem, "mal die Fünf gerade sein zu lassen."

Mehr Gelassenheit in der Familienpolitik wünschte sich Prof. Dr. Holger Bonin, Mitglied der Enquete-Kommission "Zukunft der Familienpolitik" in NRW. Er übernahm als Experte für Familienpolitik die Einführung und das Resümee der Abschlussveranstaltung der Grünen zur Familienpolitik. Sie stand am Ende der Initiative der Remscheider Grünen im ersten Halbjahr 2018, die Familienpolitik ernst zu nehmen: "Raus aus dem Fraktionsbüro, hin zu den Menschen in der Stadt."

In seinem Einführungsvortrag hatte Bonin das hohe Lied gesungen, ein transparentes System der Familienleistungen auf die Beine zu stellen und die Politik aufgefordert, den Familien besser zuzuhören. Die Teilnehmer der Abschlussveranstaltung hatten mittels der Workshop-Methode "World-Café" unter den Stichworten Öffnungszeiten, Angebote und Mobilität sowie schulischer Ganztag, Jugendhilfe und Schule eine ganze Palette von diskussionswerten Punkten erarbeitet. Darunter Schichtdienst für Erzieher, Arbeitsmarkt für Rückkehrer, Arbeitgeberbeteiligungen, gesetzliche Vorgabe von Betriebskindergärten, Geschlechtergerechtigkeit, Vertreter der Betreuungsarbeit, Kita als Bildungseinrichtung, familienfreundliche Infrastrukturen und Quartiersentwicklung, Bündelung der Beratungsangebote.

Bonin führte am Ende der Veranstaltung alle wieder auf den Boden der Realität zurück. "Wir können uns eine perfekte Welt malen", sagte er. Aber möglicherweise werde diese Perfektion gar nicht benötigt. Es ständen eh nur begrenzte Ressourcen an Menschen und Geld zu Verfügung. Er empfahl, "mal die Fünf gerade sein zu lassen." Das gelte für die Erwartungen der Eltern wie eine Rundumversorgung ihrer Kinder genauso wie für die Regulierung von Kindertagesbetreuungseinrichtungen und die entsprechenden Dokumentationen, um sich gegen alles total abzusichern. Auch nicht abzusehende Unfälle gehörten zum Leben mit dazu. Arbeitgeber müssten ebenso feststellen, dass Eltern nicht nach deren Vorstellungen funktionieren.

Gleichwohl müssen Arbeitgeber in die Familienpolitik mit einbezogen werden, weil mehr Ressourcen benötigt werden. Denn die der Kommunen, des Landes, des Bundes und anderer Einrichtungen sind endlich. Aber die Arbeitgeber bekommen auch etwas dafür: Familien schaffen Werte. Insofern ist es denkbar, dass der Arbeitgeber etwa einen Betriebskindergarten oder einen Babysitter bezahlt.

Neben der Gelassenheit wünschte sich der Professor Flexibilität. In der Menschheitsgeschichte habe stets die Gemeinschaft die Rundumbetreuung der Kinder gelöst. Derzeit übernehmen das (noch) Verwandte wie Oma und Opa.

Eigentlich sei dafür ein Quartiersmanagement notwendig. Das koste weniger Geld als eine Einzelbetreuung, erfordere aber gleichwohl die Mitwirkung aller: Beziehungen müssen geknüpft werden. Geld sei dafür nach wie vor vonnöten, viel wichtiger aber seien Verlässlichkeit und Kontinuität.

Alle Teilnehmer zeigten sich mit den erarbeiteten Ergebnissen hochzufrieden. Die beiden Workshop-Leiterinnen Jutta Velte (MdL) und Ilka Brehmer hoffen, dass sie die erarbeiteten Vorschläge in einer Dokumentation zeitnah vorstellen können.

(RP)