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Erfolg im Berufungsprozess nach Schlägerei in Remscheid

Nach Schlägerei in Remscheid : Erfolg im Berufungsprozess

Nach einer Schlägerei setzt das Landgericht Wuppertal in der Berufung das gegen einen Remscheider verhängte Schmerzensgeld deutlich herab.

Am Anfang des Berufungsprozesses im Fall einer alkohol-bedingten Auseinandersetzung nach einem Weihnachtsmarktbesuch, bei dem ein 19-jähriger Remscheider mit einem Gleichaltrigen aneinander geraten war, stand der nach Jugendstrafrecht zu einem Jahr Haft auf Bewährung Verurteilte nach flüchtigem Blick noch als alleiniger Übeltäter da. Schließlich hatte er das Urteil anerkannt und war lediglich gegen ein zusätzlich verfügtes Schmerzensgeld von 1800 Euro in die Berufung gegangen.

Mit einer Gruppe von Freunden waren beide Kontrahenten vor dem Rathauskiosk aufeinandergetroffen, nachdem sie vom Rathausplatz auf unterschiedlichen Straßenseiten auf dem Heimweg waren. Das Zertrümmern einer Schnapsflasche durch den stark betrunkenen 19-Jährigen am Schaufenster eines Modeladens wurde von der anderen Gruppe missbilligt, böse Sprüche zwischen den weitläufig Bekannten wechselten hin und her.

Vor dem Kiosk entwickelte sich dann nach Beschimpfungen eine Rangelei mit dem stark Betrunkenen, der nach einigen Schlägen mit einer Bierflasche zu Boden ging. Dabei zersplitterte die Bierflasche, mit dem Flaschenhals in der Hand soll er um sich geschlagen haben, sein direkter Kontrahent und auch dessen jüngerer Bruder, der zu Hilfe kam, hatten anschließend Schnittwunden im Gesicht und an einer Hand.

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Fraglich war nach dem ersten Verhandlungstag, ob die Schnittwunde des Jüngeren durch den Flaschenhals des um sich schlagenden und bereits verurteilten Mannes entstanden war, oder ob der 14-Jährige sich an den herumliegenden Glassplittern geschnitten hatte. Dass er dieses selbst gesagt habe, bestätigte eine Zeugin, die nach der Prügelei aus dem Kiosk kam und die Schnittwunden versorgt hatte.

Auch die Sicht auf die Schlägerei selbst veränderte sich vor Gericht. Der Anwalt des 19-Jährigen gab zu Bedenken, dass der Hauptkontrahent jederzeit aus der Rangelei hätte aussteigen können, aber so sah man durchaus eine Mitverantwortung für die Eskalation.

Dieser Sichtweise folgte das Gericht und sah bei ihm eine geringe Mitschuld. Dass der jüngere Bruder nur indirekt durch herumliegende Flaschensplitter zu Schaden gekommen war, schien dem Gericht nach der Zeugenaussage ebenfalls plausibel.

Das Urteil selbst blieb – dagegen wurde ja auch nicht angegangen –, aber das Schmerzensgeld wurde auf 500 Euro herabgesetzt. Mehr als diese Reduktion hatte er ja auch nicht erreichen wollen. Dass für die erfolgreiche Bewährung innerhalb von drei Jahren eine Reihe von Auflagen weitergeschrieben wurde, vom Anti-Aggressionstraining bis hin zu absolutem Alkoholverbot, dass jederzeit von der Polizei überprüft werden könne, sah das Gericht nicht als Strafe, sondern als Hilfe bei einer jetzt schon positiven Entwicklung an.