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Remscheid: Eklat im Theater - Schüler stören Auschwitz-Stück

Remscheid : Eklat im Theater - Schüler stören Auschwitz-Stück

Nach zehn Minuten hat der ältere Herr die Nase voll. Entrüstet springt er von seinem Platz im Teo Otto Theater auf, wendet sich um und schreit so laut, dass es bis in die letzte Reihe zu hören ist: "Wie benehmen Sie sich denn hier?", fragt er empört und verlässt türenschlagend den Zuschauerraum.

Die vom Jungen Schauspielensemble München sehr intensive Beschäftigung mit der Massenvernichtung zur Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft fand am Mittwochabend zum überwiegenden Teil vor Schülern verschiedener Remscheider Schulen statt. Als zu Beginn der Aufführung von "Mala und Edek" mit großen Lettern "Auschwitz" an eine Tafel geschrieben wurde, erntete das Ensemble laute Lacher.

Lachen, Handys, Kaugummi

Die Geräuschkulisse war permanent und so laut, dass man als interessierter Zuschauer Mühe hatte, die deutlich artikulierenden Darsteller zu verstehen. Es gab ein Rein und Raus mitten in der Vorstellung. Von der Mitte des Zuschauerraums ging es sitzklappernd und mehrfach zu zweit an mehreren Theatergästen vorbei, um nach einer Minute im Foyer genauso geräuschvoll wieder den Rückweg anzutreten. Während auf der Bühne in bedrückenden Szenen von unerträglichem Leid der Nazi-Opfer die Rede war, knallten aufgeblasene Kaugummis und Handys wurden ungeniert aus der Tasche gezogen. Und immer wieder: lautes Lachen. "Diese Schüler haben wohl gar nichts verstanden", bemerkte eine Theaterbesucherin kopfschüttelnd.

Ob die teilweise noch sehr jungen Zuschauer überhaupt auf den Theaterbesuch und das Thema vorbereitet wurden? Eine Lehrerin bestätigte gegenüber der BM, mit ihren Schülern die Thematik vorher besprochen zu haben. Gleichzeitig schränkte sie ein, "Dompteurqualitäten" bewiesen zu haben, um ihre Schützlinge im Zaum zu halten. Ein Theatermitarbeiter vermisste indes ein wirkungsvolles Einschreiten der Lehrkräfte.

Wohlgemerkt: Nicht alle Schüler störten laut, aber ein bemerkenswert großer Teil. Dass Jugendliche bei manchen Szenen mal lachen, sei es aus Verlegenheit oder der Gruppendynamik geschuldet, ist nachvollziehbar, doch ein solcher Radau, unflätige Bemerkungen zum Sitznachbarn, Pfiffe und lautstarke Unterhaltung überschritten die Grenze der Toleranz. Bestraft wurden diejenigen, die zuhören wollten. "Mir hat es gut gefallen — bis auf das teilweise asoziale Publikum. So etwas ist einfach respektlos gegenüber den Schauspielern", befand Klara (15).

(bona)