Ein Sonntag voller Puppenspieler

Festival in der Altstadt : Ein Sonntag voller Puppenspieler

Die zahlreichen Veranstaltungen beim Festival in der Lenneper Altstadt kamen bei den Besuchern bestens an. Der Altarraum der Evangelischen Stadtkirche entwickelte sich zur Bühne.

Das Puppenspielfestival lockte am Sonntag zahlreiche Besucher nach Lennep. Dort verwandelten sich sechs außergewöhnliche Orte in fantasievolle Spielbühnen. Es ist Sonntagmorgen, 11 Uhr. Die Glocken der Stadtkirche läuten zum Gottesdienst. Doch an diesem Tag ist etwas anders: Zwischen den Gottesdienst-Besuchern sind einige neue Gesichter. Die Kinder sitzen nicht auf den Bänken, sondern gleich vorne vor dem Altarraum, wo ein großer alter Koffer ruht. Die Kinder schauen neugierig. Als der Gottesdienst beginnt, scheint alles wie gewohnt: Die Pfarrerin begrüßt die Gemeinde, alle singen ein Lied, es wird gebetet. Doch dann tritt Pfarrerin Iris Giesen auf Seite und Markus Heip übernimmt ihren Platz. Er tänzelt ein wenig umher, schaut sich um und klopft auf den alten Koffer. Er sagt nichts, holt sich aber einen Jungen aus dem Publikum zur Unterstützung. „Ob du mir mal mit dem Koffer helfen kannst?“, fragt der Puppenspieler den Jungen namens Lenny. Er nickt. Statt Krokodile oder Elefanten, die Heip im Koffer vermutet hatte – dieser war schließlich auf Weltreise gewesen –lugt nach kurzer Zeit eine kleine Gestalt aus dem Koffer.

Es ist Lülü, ein kleines Gespenst, erzählt Heip den Kindern, die gebannt der Bewegungen der Marionette folgen. Nach einer kurzen Kennenlernphase zwischen Lülü und dem Publikum kommt die Botschaft des Gottesdienstes zur Sprache. Das kleine Gespenst könne nämlich nicht einfach hin, wo es wolle, erzählte die Figur. „Markus hat meine Fäden in der Hand. Doch wer hat Markus Fäden in der Hand?“, fragt sich Lülü. Den Bezug zu Gott bringt die Pfarrerin ins Spiel. Die Kinder schauen verblüfft und die Eltern nicken zufrieden.

Martin Hinder zeigt in der Moll´sche Fabrik „Vergiss das Beste nicht“. Foto: Moll, Jürgen (jumo)
Gerd J. Pohl vom Piccolo Figurentheater führte im Röntgen Museum das Stück „Der kleine Bär backt einen Kuchen“ auf. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Eine Stunde später pilgern Eltern und Großeltern mit ihren Kindern weiter: Die nächsten Vorführungen warten. Im Röntgen Museum sorgt Piccolos Figurentheater mit der Geschichte über einen kleinen Bären, der einen Kuchen backt für einen riesigen Ansturm. Die Plätze im Vorführraum sind komplett belegt, die Leute stehen bis vor dem Raum. Kinderlachen ist zu hören und die Erwachsenen schauen auch gespannt zu. Puppenspieler Martin Hinder steht zeitgleich im obersten Gymnastikraum der Lenneper Turngemeinde in der Moll’schen Fabrik und lernt sein Publikum kennen. Auf die Frage, wie man sich im Theater zu verhalten habe, sind sich die Kinder einig: „Man muss ganz still sein“, sagt ein kleines Mädchen. „Und was macht ihr, wenn ihr Lachen müsst?“, fragt Hinder in liebevoller Großvatermanier. Die Eltern schmunzeln, die Kinder schauen sich fragend an. Einen kleinen Bauchladen trägt der Puppenspieler vor sich, es ist seine kleine Spielbühne. „Das passiert mir jedes Mal“, sagt Hinder dann. „Immer wenn ich den Bauchladen trage, krieg ich Hunger.“ Das passiere, weil der Bauchladen leer sei. Die müsse erstmal gefüllt werden, mit Gegenständen, die Geschichten erzählen. Dazu kramt er ein gewelltes Stück Pappe aus seinem Koffer, dass er zu einem großen Ozean erklärt, und zwei alte Stofftaschentücher, die seine beiden Geister darstellen. Zwei Klopapierrollen und eine Sichel komplettieren seine Requisiten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Nun lachen die Kinder.

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