Mundart: Ein Riesenspaß op Platt

Mundart : Ein Riesenspaß op Platt

Die Premiere des Mundart-Stücks "Op jeden Pott 'nen Deckel" machte Spielern wie Zuschauern jede Menge Spaß. Sogar der Oberbürgermeister mischte mit.

Nach gut zwei Stunden hatte schließlich jeder "Pott sinnen Deckel": Da lösten sich die Irrungen und Wirrungen im Pina-Bausch-Saal auf. Die Premiere des Mundart-Stücks "Op jeden Pott 'nen Deckel" aus der Feder von Renate Kollig machte Spielern wie Zuschauern vom ersten Moment an spürbar riesigen Spaß. Die Bühnenspiele Höhscheid, das Ensemble Profan und die Theatergesellschaft Wohlgemuth brachten das Schauspiel als Solinger Stadtensemble am Wochenende gemeinsam auf die Bühne. Und einige Überraschungsauftritte gab es auch: So spielte unter anderem Oberbürgermeister Tim Kurzbach mit.

In einer nahezu echt wirkenden Hofschaftskulisse mit Laterne, Schleifsteinen, Fachwerk und Gartenzäunchen liefen alle Protagonisten zur Hochform auf. Das Ensemble unter der Regie von Alexander Riedel sorgte beim gut 700-köpfigen Publikum im Theater und Konzerthaus für Nonstop-Schmunzler und herzliche Lacher.

Schräge Figuren wie das Ehepaar Becker (Manfred Bremmer und Petra Lokay), das stockkonservativ, bigott und weltfremd besorgt über ihr "kleines Weïtschen" über die Bühnenbretter stapfte, verbreiteten gute Laune und breites Grinsen in den fast vollen Sitzreihen. Schon mit dem ersten Scharmützel der immerwährenden Streithähne Erich Wundes und Erwin Engels bewiesen Karl-Heinz Stamm und Ernst Seilheimer ihre unbändige Spiellust, die sich im Laufe des Abends noch steigerte. Im fetzigen Schlagabtausch von "Biestigkeiten" auf Platt gaben sie sich nichts: Schließlich hatten sie ja beide ein Auge auf die neue Nachbarin Elsa Mertens geworfen.

Angesichts der von Ulrike Hönemann glänzend blasiert dargestellten, gestelzt Hochdeutsch sprechenden "Tucke" übrigens kaum nachvollziehbar - auch für "Schmitzebilla" nicht, die bodenständige Haushälterin von Engels, der Sabine Roth eine schnippische, aber herzliche Seele einhauchte. Holger Langenberg als bodenständiger Engels-Sohn Uwe erntete für seine entlarvenden Kommentare immer wieder Gelächter. Fröhlichen Zwischenapplaus gab es für die Überraschungsmomente auf der Bühne: In einem kurzen Gastauftritt mischte Oberbürgermeister Tim Kurzbach im Geschehen mit, der plötzlich mit einem gemütlichen "Morjen Egels" als Postbote auftauchte. Auch Kulturdezernentin Dagmar Becker hatte sich in die Darsteller-Crew "geschlichen": Als kernige Stadtführerin - mit Kniebundhosen, Wanderschuhen und dem Schirm als Erkennungszeichen - lotste sie eine Gruppe durch die Hofschaft. Unter ihnen, mit Pagenkopf-Perücke kaum erkennbar, Kulturmanagement-Leiter Hans Knopper, der vor Beginn der Aufführung dem zahlreichen Publikum versprochen hatte: "Solange Sie Mundart sehen wollen und Karten kaufen, solange werden wir einen Weg finden, solche Stücke auf die Bühne zu bringen."

Am Ende beendete die von allen "Mannslütt" umschwärmte Nachbarin "Frau Mertens" (Ulrike Hönemann) ihr "Fistanölchen" mit ihrem beflissenen Gartenhelfer Kurt Schaberg (Willi Hakenberg) mit einer Verlobung. Nach zunächst langen "Jeseïtern" ihrer liebes-"dollen" Hofschaftsnachbarn Engels und Wundes tröstete sich der eine mit seiner Haushälterin. Und der andere flog mit dem Schlussbild zurück in die Arme seiner Frau.

(RP)
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