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Ein Kiosk hält die Stellung

Serie Mein Remscheid : Ein Kiosk hält die Stellung

Viel Herzblut und Idealismus stecken in dem kleinen Kiosk, den das Ehepaar Carsen auf dem Hasenberg führt.

Ehepaar Carsen führt seit elf Jahren einen Kiosk auf dem Hasenberg. Seit sechs Monaten bieten sie auch täglich frische Brötchen und Eier an. Denn zwischen dem leerstehenden Frischmarkt und der geschlossenen Bäckerei sind Carsens die einzig übriggebliebenen Nahversorger und halten – vor allem aus Überzeugung – die Stellung in ihrem Stadtteil. Es ist Dienstagmorgen, kurz nach neun Uhr. Der Kiosk am Hasenberger Weg hat seit einer guten Stunde geöffnet und der Kundenstrom ebbt nicht ab: Im Minutentakt betreten Nachbarn, Senioren und Arbeiter den übersichtlichen Laden, holen sich einen frischen Kaffee, füllen den Lottoschein aus, besorgen sich Zeitung, Zigaretten und die Frühstücksbrötchen.

Wenn Carsens nicht wären, gäbe es auf dem Hasenberg schon seit Februar keine frischen Brötchen mehr. „Die Bäckerei Evertzberg, hier gleich nebenan, hat Ende Januar das Geschäft geschlossen“, erzählt Stephanie Carsen, während ihr Ehemann die Kunden bedient.

Die 42-Jährige ist auf dem Hasenberg geboren und aufgewachsen, lebt mit ihrer Familie, Ehemann Stefan (44) und den Kindern seit 1996 im Stadtteil. Sie erinnert sich noch gut daran, wie es früher war: florierende Geschäfte und ein Kiosk, in dem sie heute als Inhaberin steht, wo sie aber schon als Kind ihre Bonbons kaufte.

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„Die vielen Läden von früher gibt es heute nicht mehr“, bedauert sie und gesteht, „jedes Mal, wenn ein weiteres Geschäft seine Türen schließt, bekomme ich Angst und stelle mir die Frage, ob wir uns nicht auch lieber etwas Sicheres suchen sollten.“

Denn der Kiosk des Ehepaares läuft zwar gut, Stefan Carsen, gelernter Schreiner, arbeitet aber zur Absicherung dreimal die Woche zusätzlich noch woanders. Als Doppelbelastung empfindet es der Familienvater nicht: „Ich schätze die Abwechslung.“ In Abwesenheit ihres Mannes steht dann Stephanie Carsen, gelernte Industriekauffrau, regelmäßig hinter der Kiosktheke und bedient die Kunden. „Ich finde es schön, so arbeiten zu können, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Man erzählt sich viel Privates.“ Das mache für sie auch den Standort aus. Sicherlich ließe sich woanders – vielleicht in der Nähe eines belebten Busbahnhofes mit viel Laufkundschaft – als Kioskverkäuferin wesentlich mehr verdienen. „Der Hasenberg ist halt kein Standort, an dem man reich werden könnte“, betonen die Carsens ganz offen. Aber das sei eben auch nicht ihr Anspruch.

Viel Herzblut, Idealismus und eine große Portion Verbundenheit stecken in dem kleinen Kiosk, den das Ehepaar gerne erweitern würden. „Jetzt wo alle anderen weg sind, konzentriert sich natürlich alles auf uns“, berichtet die 42-Jährige, die schon mehrmals Anfragen zu einer Produkterweiterung erhalten hat. „Auf dem Hasenberg leben viele Familien mit kleinen Kindern und viele Senioren. Die Leute sind froh, dass wir jetzt auch Brötchen anbieten.“ Denn sonst müssten junge Mütter ohne Auto oder Senioren für ihre Brötchen in den Bus steigen. Hin und wieder würden die Kunden auch nach Zucker, Fleischwaren und anderen Lebensmitteln fragen. Das in dem kleinen Kiosk anzubieten, sei nicht möglich, vielleicht aber durch eine Erweiterung realisierbar, erzählen Carsens. Einen großen Supermarkt zu betreiben, könnte sich das Ehepaar zwar nicht vorstellen, aber vielleicht einen Tante-Emma-Laden nach dem Vorbild des Lüttringhausener Dorfshops, der die Nachbarn vor Ort mit dem Nötigsten versorgt.