Remscheid: Ein herrlich albernes Karnevalskonzert

Remscheid: Ein herrlich albernes Karnevalskonzert

Die Symphoniker waren auf Dur und Doll geeicht. Rund 200 Zuschauer amüsierten sich prächtig im Teo Otto Theater.

Hat eigentlich irgendwer mal gesagt, dass an Karneval nur Höhner, Bläck Fööss, Räuber oder Paveier gespielt werden dürfen ? So schön und stimmungsvoll die typischen Lieder ja auch sind, auch die klassische Musik kann lustig. Das beweisen die Bergischen Symphoniker jedes Jahr aufs Neue, wenn sie zum beliebten Karnevalskonzert einladen und dabei nicht nur größtenteils kostümiert die Bühne des Teo Otto Theaters betreten, sondern auch entsprechend leichte Kost zu Gehör bringen.

So geschehen am Samstagnachmittag, als unter anderem eine geigende Banane, ein Cello-Pirat, ein Bratscher im Tropen-Look und ein Kontrabass mit grünem Papphut so richtig Spaß inne Backen und jede Menge guter Laune im Gepäck hatten, um den rund 200 Zuschauern im Teo Otto Theater einen gelungenen Einstieg in die fünfte Jahreszeit zu verschaffen.

Das Publikum hingegen ließ sich auch nicht lumpen - war es doch selbst weitgehend mit Perücken, Federn und Gedöns karnevalistisch angetan. Und hatte Feierstimmung mit ins ehrwürdige Theater gebracht. Denn schon bei den ersten Klängen von "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss klatschte das Rund begeistert mit. Zugegeben, die Musik lud dazu ein - etwa die Melodien aus der Operette "Die Fledermaus" von Johann Strauss. Oder beim Karnevals-Medley mit "Viva Colonia" und "Echte Fründe". Das klang im symphonischen Kontext grandios. Vielleicht war das ja auch eine Empfehlung für den Rosenmontagsumzug . . .

Aber auch das restliche jecke "Rahmenprogramm" sorgte für Erheiterung im Publikum. Gleich zu Beginn schon, als Dirigent Michael Forster auf dem Weg zum Konzert von Geist Engelbert vom Berg via Videoscreen entführt wurde: Weil er, Engelbert, in diesem Jahr selbst dirigieren wollte. Und sich dann, im Gegensatz zum Vorjahr sogar zeigte - in Person des verkleideten Generalmusikdirektors Peter Kuhn. Dieser durfte dann zwar doch nicht dirigieren, kam aber immer wieder auf die Bühne, einmal auch mal mit seinem "Kampfpferd". "Nein, das wäre dann wohl ein Schlachtross", sagte Forster dazu. Woraufhin "Engelbert" meinte: "Nein, schlachten geht nicht. Der ist geleast. Von VW, die haben ja jetzt ihr Herz für Tiere entdeckt." Politische Spitzen dieser Art kamen reichlich, was herrlich pointiert rüberkam. So auch das Strauss-Lied für die FDP, das der Geist auch nicht dirigieren durfte: "Lieber nicht dirigieren als schlecht dirigieren", lautete dazu der Kommentar "Engelberts".

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Und Kuhn, also "Engelbert", zog auch im Folgenden genial vom Leder: Zusammen mit Forster rappte er zur Begleitung von Trommel, Klarinette, und zwei Kontrabässen herrlich ritterlich über Herrenmode. War das wohl ein Ausblick auf das zweite Konzert der "On-Fire !"-Reihe ? Danach kamen die Kinder der Grundschule Klauberg aus Solingen, die zu "Song Of The Bells" oder dem "Pyramide Dance" fantasievolle Tänze präsentierten und dafür zurecht lauten Applaus bekamen. Denn nicht nur die Choreographien waren toll, auch die Kostüme waren wunderschön. Von der dazu passenden Musik ganz zu schweigen.

Bevor der "Radetzky-Marsch" als vielbejubelte Zugabe das viel zu frühe Ende des einmal mehr herrlich albernen Karnevalskonzerts markierte, mussten noch drei Herren, darunter auch die geigende Banane und eine ganz junge Dame die Welturaufführung der "Hustenpolka" bravourös und unter dem Jubel des Publikums auf die Bühne bringen. Mit "Engelbert" als Taktgeber für den jeweiligen Husteneinsatz. So kam der Geist also doch noch zum Dirigieren, was ihn sichtlich freute, ehe er endgültig zum "Spuk-Termin" gen Unterburg verschwand.

Karneval, jetzt kannst Du kommen. Dann auch gerne wieder mit "Bläck Fööss", "Höhnern" und "Paveiern".

(wow)