Ein Feiertag für die Narren

Remscheid: Ein Feiertag für die Narren

Die Remscheider feiern am Rosenmontag ausgelassen Karneval. Der Zoch in Lennep begeisterte die Jecken.

Zoé und Julie warten gespannt auf den offiziellen Startschuss. Sie stecken in warmen Hasenkostümen, tragen weiße Strickmützen mit langen Ohren und überprüfen noch mal gewissenhaft den Kamellebeutel.

Die Sechsjährige und ihre dreijährige Schwester gehören zu den jüngsten Karnevalisten, die in diesem Jahr im Lenneper Zoch mitgehen. Und sie sind zum ersten Mal dabei. Entsprechend groß ist die Aufregung. Fröhlich genehmigen sie den Zaungästen einen Blick in den Süßigkeitenbeutel, freuen sich über Konfetti, das schon durch die Luft segelt und tanzen zu den Melodien der niederländischen Kapelle, die hinter ihnen Aufstellung bezogen hat.

Um 14.11 Uhr fällt am Rande der Altstadt der Startschuss: Der stattliche Rosenmontagszug setzt sich in Bewegung. Und endlich dürfen auch Zoé und Julie in ihren Hasenkostümen Kamelle unters Volk bringen. Das Tempo ist gemächlich, denn Thomas Schmittkamp, der in dem alten Leiterwagen den Zug anführt, weiß um die kurzen Beine der jüngsten Teilnehmer. Er begrüßt Bezirksbürgermeister Markus Kötter (CDU) am Straßenrand und kreiert auf Vorschlag der Zaungäste den Schlachtruf des Tages: "Lennep Helaaf!"

Hinter ihm ziehen 15 Gruppen auf den abgesperrten Straßen. Deren Originalität belohnen die Besucher des Rosenmontagszugs mit fröhlichem Jubel. Hinter den "Bergischen Hasen", bei denen Zoé und Julie nach wenigen Metern neue Kamelle brauchen, sind die Freundeskreise Ebbinghaus und Honsberg unterwegs. Mit gelben Bauarbeiterhelmen auf dem Kopf beschweren sie sich kreativ über die "Baustelle Lennep". Bob dem Baumeister haben sie eine lange "Pinocchio-(Treck)-Nase" verpasst, schließlich verspreche er ständig, dass die Baustelle bald Geschichte sei. Auf einem Umleitungsplan führen sie den Autofahrer im Kreis.

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Weniger politisch, dafür aber auffällig bunt, schließen sich die "Fidelen Schlafmützen" als Figuren aus der Sesamstraße dem Zug an. Grobi, Tiffy und das Krümelmonster laden zum Baden mit dem Quietscheentchen im H2O ein und verteilen großzügig Kamelle. Währenddessen lassen die Zwerge der Firma Dirostahl auf ihrem Laster lautstark den Schmiedehammer auf den Amboss sausen, die Sportler des Ski-Clubs sind als Dominosteine unterwegs und der Rollsportverein IGR Remscheid schickt Schlümpfe auf den Weg.

Jecken, die sich in Leuchttürme verwandelt haben, Schornsteinfeger und Superhelden reihen sich in den Zoch ein und verschenken Bützchen und Strüssjer. Mittendrin im Getümmel zeigt sich das Soziokulturelle Zentrum "Die Welle" von seiner schönsten Seite. Die Karnevalisten haben aufwendige Pfauenkostüme gebastelt und bewegen sich tanzend durch den Zug — so dürften sie zum meist gefilmten Motiv des Nachmittags geworden sein.

Die Besucher am Straßenrand honorieren die Ideen und fordern lautstark Kamelle. Hier haben kleine Einhörner im Winterkostüm Aufstellung bezogen, ausgewachsene Männer, die in pinke Hasenkostüme geschlüpft sind und sich ihr Fässchen mitgebracht haben ebenso. Viele Familien sind gekommen in bunten Kostümen, ältere Damen mit glänzenden Hüten und Jugendliche, die den schulfreien Tag nutzen.

Einen schönen Platz gegenüber der katholischen Kirche haben sich Horst Helmer und Enkel Lenny (4) gesucht. "Früher bin ich mit meinen Kindern selbst im Zug mitgelaufen", erzählt Horst Helmer, "heute sammeln wir Süßigkeiten."