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Eckhard Knispel: „Die Narrenzeit ist hier außergewöhnlich“

Interview Eckhard Knispel : „Die Narrenzeit ist hier außergewöhnlich“

Eckhard Knispel, zweiter Vorsitzender der Rot-Blauen Funken, spricht im BM-Interview über die fünfte Jahreszeit in Remscheid.

Der 64-jährige Eckhard Knispel ist seit 20 Jahren Mitglied des Remscheider Karnevalsvereins der Rot-Blauen Funken, aktuell zweiter Vorsitzender und Sitzungspräsident. Mit uns hat er über die Besonderheiten der fünften Jahreszeit in Remscheid gesprochen.

Herr Knispel, wie kommt man als gebürtiger Remscheider zum Karneval?

Knispel Ich kenne den Verein schon seit 30 Jahren und bin seit 20 Jahren Mitglied. Damals hat meine Tochter als Tanzmariechen in der Garde angefangen. So kommt man in Remscheid zum Karneval. Die Narrenzeit in Remscheid ist schon außergewöhnlich.

Wie jeck sind die Remscheider?

Knispel Nur wenige Kilometer von Remscheid entfernt, in Burscheid, Wermelskirchen oder Dabringhausen, geht es schon los. Aber Remscheid ist für den Karneval eine Diaspora. Die Remscheider selber sind aber schon jeck, nur nicht alle so durchgängig wie auf der Rheinschiene. Es gibt einige, die haben mit Karneval gar nichts am Hut, aber es gibt auch genügend Jecke, die dann allerdings lieber zum Karneval nach Köln fahren.

Findet der Remscheider Karneval denn dann überhaupt genügend Bürgerzuspruch?

Knispel Leider nein. Ich hatte jetzt schon wieder einige, die ich auf unsere Veranstaltung aufmerksam gemacht habe, die mir dann sagten, dass sie an dem Tag in Köln sind. Das hat sich leider so eingeschwungen, so dass es sehr schwer ist, im Stadtgebiet genügend Gäste zu bekommen. Wir freuen uns über jeden, der kommt. Seit sechs Jahren sind wir mit unserer Karnevalssitzung im Bürgerhaus Süd und jedes Jahr sind neue Gäste dabei, die überrascht sind, dass es so eine Veranstaltung in Remscheid gibt.

Feiern bei Ihnen auch Bürger mit Migrationshintergrund mit?

Knispel Wir haben in der Garde seit vielen Jahren Kinder mit Migrationshintergrund, hauptsächlich aus Südeuropa, wo mittlerweile schon die dritte oder vierte Generation hier lebt – etwa Italiener, Spanier, Griechen oder Portugiesen. Das ist für mich aktive und gelebte Integration. Aber wir sprechen hier wahrscheinlich eher von den Zuwanderern der letzten Jahre. Da haben wir überhaupt keine Resonanz.

Wie sieht denn die diesjährige Session für die Rot-Blauen Funken aus?

Knispel Begonnen haben wir am
17. November mit unserer Sessionseröffnung für alle aus dem Verein, für Sponsoren und Ehrensenatoren. Aber natürlich ist das auch eine offene Veranstaltung für alle, die schon im November ein bisschen Karneval erleben möchten. Das ist immer eine kostenlose Veranstaltung ohne Eintritt. Es treten unsere Garden auf, die ihre neuen Sessionstänze zeigen, der Sessionsorden wird präsentiert und Ehrungen für besonders langjährige Mitglieder werden durchgeführt. Ab Januar geht es dann für unsere Garden los, die dann bis Rosenmontag regelmäßig freitags, samstags und sonntags bis zu vier Auftritte am Tag haben. Wir werden also die kommenden Tage viel in der Region unterwegs sein und natürlich auch auf unserer eigenen Party am Karnevalssamstag feiern.

Wie groß ist die Garde überhaupt?

Knispel Wir haben die Kindergarde und die aktive Garde. Das sind immer zwischen 15 und 20 Mädchen. Aktuell haben wir wieder mehr Kleine, acht sind in der großen Garde, die restlichen sind bei den Kindern aktiv. Das wechselt aber immer. Die Fluktuation ist hoch.

Wie motiviert man Kinder und Jugendliche in Remscheid dazu, in der Garde zu tanzen?

Knispel Das ist schon schwer. Das geht hauptsächlich über den Gruppenzusammenhalt, also indem sich über die Tanzstunden Freundschaften entwickeln. Andere haben einfach Spaß am Tanzen und stehen auch gerne im Rampenlicht.

Am Samstag, 2. März, feiern die Rot-Blauen-Funken im Bürgerhaus Süd – unter anderem mit Chris Merlin als Wolfgang-Petry-Double, Emily-K als Tina Turner, der hauseigenen Garde und dem Radevormwalder Dreigestirn. Wie viele Besucher erwarten Sie?

Knispel Wir haben immer zwischen 100 und 150 Gäste. Da möchte ich betonen, dass es rein karnevalsbegeisterte Besucher sind und keine Berufskarnevalisten aus anderen befreundeten Vereinen. Das haben wir vor einigen Jahren aufgegeben. Wir wollten keinen Karneval für Karnevalisten mehr machen. Das mache ich selber lang genug und weiß, wie ermüdend es sein kann: Man sieht jeden Samstag in irgendeinem Saal immer wieder die gleichen Gesichter, dieselben Künstler treten auf. Das ist immer derselbe Kreis, aus dem wir dann irgendwann ausgebrochen sind. Seitdem machen wir Karneval nur noch für Leute, die sich für Karneval begeistern und ansonsten nicht vereinsmäßig karnevalistisch organisiert sind.

Zu Karnevalssitzungen gehören bekanntlich deftige Büttenreden. Schreiben Sie selbst auch?

Knispel Nein, das mache ich nicht. Ich stehe auch so schon von
19.11 Uhr bis um 1 Uhr auf der Bühne und bin da eher freisprechend tätig. Das kriegt man auch hin, wenn man das lang genug macht und bühnenfest ist. Aber eine Büttenrede schreibe und halte ich nicht. Die Funktion des Sitzungspräsidenten ist schon Arbeit genug.

Aber wenn Sie eine Büttenrede schreiben müssten, was wären Themen, die Sie ansprechen würden?

Knispel Ich würde mich ganz klar auf lokalpatriotische Themen konzentrieren. Da würden mir sicherlich ein paar Sachen zur Städteplanung in Remscheid einfallen, zur menschenleeren Alleestraße, zum Designer-Outlet-Center (DOC), das in Lennep geplant ist, oder auch zu Dingen, die in Lüttringhausen so los sind. Themen gibt es ja wahrlich genug.

Über das Thema Alkohol an Karneval wird gerne diskutiert. Gehört es zum Feiern dazu?

Knispel Das Problem sehen wir jedes Jahr. Bei Veranstaltungen in Festzelten oder beim Straßenkarneval ist der Alkohol kaum unter Kontrolle zu kriegen. Das Problem haben wir als Rot-Blaue Funken nicht. Ich kann mich nicht an ein Jahr erinnern, wo eine Sitzung aus dem Ruder gelaufen wäre. Da bewegen wir uns – ohne hochtrabend klingen zu wollen – auf einem anderen Niveau. Wie haben nicht so viele Jugendliche auf unseren Veranstaltungen, hauptsächlich Gäste mittleren Alters, die können schon damit umgehen. Das Alkoholproblem stellt sich für mich eher im Straßenkarneval am Rosenmontag.

Da Sie den Lenneper Karneval schon erwähnt haben: Sind die Rot-Blauen Funken vor Ort vertreten?

Knispel Wir sind viele Jahre lang fester Bestandteil des Rosenmontagszuges in Düsseldorf gewesen. Aufgrund des Personalmangels und erschwerten Bedingungen der Veranstalter konnten wir uns das kostenmäßig allerdings nicht mehr leisten. Wir sind dann auch mal in Lennep mitgegangen, aber letztendlich in Solingen gelandet und gehen dieses Jahr zum vierten oder fünften Mal dort beim Rosenmontagszug mit. Es gefällt uns da einfach besser, weil es ein bisschen ruhiger und der Weg des Zuges auch überschaubarer ist.

Und von alldem, was Ihnen als Karnevalist jetzt noch bevorsteht, worauf freuen Sie sich denn am meisten?

Knispel Natürlich auf den Karnevalssamstag und unserer Party im Bürgerhaus Süd.