Briefzusteller in Remscheid Eberhard Portworsnick trägt seit 50 Jahren die Post aus

Remscheid · Zum Jahresende geht Eberhard Portworsnick nach einem halben Jahrhundert im Dienst der Post in den Ruhestand. Seinen Beruf hat er immer gerne gemacht. Mit 14 ist er in die Ausbildung gegangen.

Gute Laune auch nach 50 Jahren im Zustelldienst: Eberhard Portworsnick.

Gute Laune auch nach 50 Jahren im Zustelldienst: Eberhard Portworsnick.

Foto: Jürgen Moll

Eberhard Portworsnick hat gleich in mehrfacher Hinsicht eine besondere Berufsvita. Der Remscheider, der noch 64 Jahre ist, aber bald 65 wird, ist nicht nur 50 Jahre lang im gleichen Beruf geblieben, er hat in dem halben Jahrhundert außerdem die Privatisierung eines ehemaligen Staatsbetriebs erlebt und hat seinen Beruf dazu „eigentlich fast immer“ sehr gerne gemacht. Portworsnick ist – noch – Postbote, verbeamtet und seit seinem 14. Lebensjahr. Am Donnerstagvormittag nimmt er sich eine Stunde Zeit, um aus seinem langen Berufsleben zu erzählen – „eigentlich habe ich gar keine Zeit, weil heute ein ganz normaler Arbeitstag ist“, sagt er schmunzelnd. Und dann kommt er doch ins Erzählen, denn natürlich hat er in diesen 50 Jahren eine Menge erlebt. „Drei Monate und 16 Tage habe ich noch – am 30. Dezember ist Feierabend“, sagt er noch – klingt dabei aber keineswegs wie ein vom Beruf müder Mensch, der die Tage bis zur Pensionierung nur noch herunterzählt.

Es sei dabei eigentlich in gewisser Weise ein Zufall gewesen, dass er 1973 bei der Post gelandet sei. „Man hat mich mit 14 Jahren vor der Postfiliale ausgesetzt“, kalauert Portworsnick erst, wird dann aber ernst. „Damals gab es sowas wie Berufspraktika nicht, wir alle hatten keine beruflichen Visionen. Und dann kam doch echt ein Schulfreund zu mir und sagte: Ich gehe zur Post“, sagt er. Aus genanntem Grund der fehlenden Vision sei er mitgegangen. „Und im Gegensatz zu meinem Freund, der nach zwei Jahren wieder weg war, bin ich heute immer noch da“, sagt er lachend. Wenn es nach der Familientradition gegangen wäre, hätte er indes Schuster werden müssen. „Aber meine Eltern haben mich da nirgendwohin gedrängt“, sagt er. Bis auf ein paar Tiefen – die es sicherlich in jedem Beruf gebe – habe er die Entscheidung auch nie bereut.

Nach der Ausbildung, der praktische Teil in Remscheid, der theoretische in Solingen, sei er dann als Zusteller zunächst in Bliedinghausen, dann am Falkenberg und in den vergangenen 20 Jahren in der Altstadt. Neben der eigentlichen Arbeit als Zusteller – wie der Postbote heute offiziell heißt – habe er seit 1992 auch noch eine weitere Aufgabe. „Es geht dabei darum, dass einmal im Jahr die Bezirke bemessen werden, damit die Zusteller das in 38,5 Wochenstunden auch schaffen können. Bezirke leben, verändern sich. Da ist es dann gut, dass man neben den computergestützten Auswertungen auch Kollegen auf der Straße hat, die das mit ihrer Expertise ergänzen können“, sagt Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutschen Post. Er betont außerdem, dass es nur sehr wenige Mitarbeiter gebe, die die 50 Jahre vollbekommen. „Es ist ein echt knackiger Job“, sagt er durchaus anerkennend.

Der Schrittzähler am Handy habe Portworsnick gesagt, dass er rund 27.000 Schritte am Tag zurücklegt. „Und das natürlich bei jedem Wetter. Früher war mir das egal, wenn ich fünf Stunden im Regen gelaufen bin, aber heute stecke ich das auch nicht mehr ganz so gut weg“, sagt er. Deswegen habe er auch die Möglichkeit ausgeschlagen, noch einmal ein Jahr dranzuhängen. „Ich habe mit meinem Beruf abgeschlossen, es war eine gute, eine schöne Zeit, aber die endet mit diesem Jahresende“, sagt er. Das Salz in der Suppe seien für ihn die Kontakte zu den Kunden. „Die hege und pflege ich, das ist mir extrem wichtig. Ich werde auf jeden Fall auch eine Abschiedsrunde machen, bevor ich endgültig aufhöre“, sagt er. Das sei auch nicht immer so gewesen. „Ich musste in die Rolle als Amtsperson erst einmal hineinwachsen, als Jugendlicher war es mir nicht so angenehm, angesprochen zu werden“, erinnert er sich.

Das sei aber schon lange Geschichte. „Ich werde immer wieder angesprochen und eingeladen – früher gab es etwa immer wieder teuflischen ostpreußischen Selbstgebrannten… Zum Glück sind es heute eher Kekse oder Frühstück“, sagt Portworsnick lachend. Und ergänzt: „Eine Tatsache ist, dass ich kaum hungrig von der Arbeit nach Hause komme.“ Da kommen die 27.000 Schritte pro Tag natürlich sehr gelegen. Angst vor dem Ruhestand habe er übrigens nicht. „Ich lese gerne, mache Fitness und bin auch als Schlagzeuger in einer Band aktiv. Ich denke nicht, dass mir langweilig werden wird“, sagt er. Die Kontakte zu den Kunden werde er allerdings auf jeden Fall vermissen. „Alleine deswegen war es schon die richtige Entscheidung, bei der Post zu bleiben“, sagt er.

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