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Drogenhandel in Remscheid: „Das war eine absolute Dummheit“

Zwei Remscheider wegen Drogenhandels vor Gericht : „Das war eine absolute Dummheit“

Zwei Remscheider haben sich vor dem Wuppertaler Landgericht wegen Drogenhandels zu verantworten.

Wenn jede Gerichtsverhandlung so friedlich ablaufen würde wie diese, könnte man ein Buch über gelungene Konfliktbewältigung daraus machen. Dabei hätten diverse Behälter ausreichend Zündstoff für diesen Prozess geliefert.

In einer Tupperdose – die sie der Polizei in einer Sporttasche zeigte – und in einem Alukoffer unter dem Bett eines Nachbarn bewahrte eine 29-jährige Remscheiderin ihre Handelsware auf: Marihuana von durchwachsener Qualität, wie sie es selbst bewertete. Genauso offen beschrieb sie ihre eigene Rolle in der ganzen Sache: „Das war eine absolute Dummheit, ich habe überhaupt nicht nachgedacht.“

Dabei hatte es im Februar 2017 durchaus mit den für den Drogenhandel üblichen „Geschäftsmustern“ angefangen. Flüstern mit Bekannten, die den Tipp mit einem Lieferanten weitergaben. Kontakt mit diesem in dessen Wohnung an der Lenneper Straße und Tausch von einem Kilogramm Marihuana gegen 3800 Euro. Das wiederum war genug, um durch den Weiterverkauf von Kleinportionen von jeweils 25 Gramm einen Umsatz von mehr als 11.000 Euro zu „erwirtschaften“. Es hätte ein florierender Handel werden können, hätten die Kunden nicht nach der nächsten Tranche im März 2017 protestiert – die Qualität sei miserabel.

Der Lieferant, mittlerweile schon in einem anderen Prozess verurteilt, war einsichtig und bot den Tausch der restlichen 700 Gramm „gegen was Besseres“ an. Mehr als 400 Gramm habe er jedoch nicht liefern können, deshalb mischte die Angeklagte die restlichen 300 Gramm dazu im Stile einer Köchin, die Reste vom Sonntagsessen für den Montag aufhübscht.

Einen Teil der Ware hatte die 29-Jährige in einer modischen Sporttasche mit sich herumgeschleppt. Unter den Sportklamotten befand sich nicht nur die Tupperdose, sondern auch Werkzeug zum Portionieren und ein als Taschenlampe getarnter Elektroschocker. Zu ihrem Glück war der noch in der Originalverpackung – bewaffneter Drogenhandel kann bis zu fünf Jahre Haft einbringen.

Die Polizei, die die Angeklagte in der Wohnung ihrer Lebensgefährtin in der Kippdorfstraße festnahm, war verblüfft. Selten sei man so offen und kooperativ empfangen worden, ohne Aufforderung habe die Angeklagte alles gezeigt – auch das, wonach die Ermittler gar nicht gesucht hätten. Zusätzlich habe die Frau noch den Hinweis auf die Wohnung eines Bekannten gegeben: Dort fände sich noch weiterer Stoff in einem Alukoffer unter einem Bett. Auch dieser Freund zeigte sich den Ermittlern gegenüber kooperativ – und sitzt jetzt mit auf der Anklagebank.

Den Tatvorwurf eingeräumt ohne jede Gegenrede? Dazu noch Entschuldigungen und die Einsicht in das eigene Fehlverhalten? Das Gericht war beeindruckt und ließ durchblicken, dass man sich eine Bewährungsstrafe vorstellen könne. Zwar sind noch Zeugen zu vernehmen – aber wenn es da keine Widersprüche gibt, könnte beim nächsten Termin schon ein Urteil gefällt werden.