Remscheid: Drei Tuben und ein schöner Abend

Remscheid: Drei Tuben und ein schöner Abend

In der evangelischen Stadtkirche präsentierte das Tuba-Trio "21Meter60" wunderbare Melodien für das Blasinstrument.

Recht übersichtlich besucht war das Konzert der drei Tubisten Constantin Hartwig, Steffen Schmid und Fabian Neckermann, die am Montagabend in der evangelischen Stadtkirche in Lennep zu Gast waren. Das war schade, aus mehreren Gründen. Denn zum einen hatte man ja selten die Gelegenheit, die voluminösen Instrumente in solistischer Art und Weise zu hören. Dienten sie doch sonst eher als Bass-Hintergrund in Blechbläser-Ensembles oder im Orchester. Und zum anderen war das, was das Trio da im Altarraum bot, von ganz hervorragender Qualität.

Ganz besonders rein und natürlich reichlich basslastig wurden die Stücke geboten. Da vibrierten die Sitzbänke doch deutlich. Das hatte durchaus Humor, das machte Spaß. Auch die Ansagen zwischen den Stücken, die aus fünf Jahrhunderten der Musikgeschichte herausgepickt waren, hatten es humorvoll in sich: "Wir drei haben eine gemeinsame dunkle Vergangenheit: Neben Musiktheorie und Gehörbildung mussten wir Klavierspiel als Studienfach belegen", sagte Hartwig. Und alle drei mussten damals das Stück "Le petit Nègre" von Claude Debussy spielen. Aus selbsttherapeutischen Gründen habe man dieses Stück nun eben für drei Tuben arrangieren müssen. Eine wahrlich gelungene Selbsttherapie, keine Frage. Aber es ging auch im Original: Denn so wenig Literatur es für drei Tuben gab - das Trio präsentierte auch davon etwas. Ein Stück, das die drei selbst in Auftrag gegeben hatten. Und zwar beim Posaunisten Rico Samitz aus Österreich: "Wir haben uns sofort in das Stück verliebt. Es heißt 'Your Tuba' - viel Spaß beim Zuhören, wie drei Tuben im Original klingen", sagte Hartwig. Großartig klangen sie, und auch die Komposition war wunderschön und überzeugte durch abwechslungsreiche Teile, in denen es sowohl melodisch als auch rhythmisch wurde.

Die drei Musiker konnten aber auch ganz klein, als sie etwa Mozarts "Kleine Nachtmusik" auf drei Nasenflöten nachspielten. Oder als Hartwig die Beatles-Interpretation von "Blackbird" auf der Solo-Tuba brachte und sich selber per Gesang so grandios unterstützte, dass der letzte Akkord einfach nur noch eine positive Erlösung war. Ebenso wie die Komposition "Song for Japan" des belgischen Komponisten Steven Verhelst, der das Stück seinerzeit nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima schrieb. Das Lied hielt zum Innehalten ein, die warmen Tuba-Klänge taten da ihr Übriges. Zum Abschluss hatte das Tuba-Trio, dessen Name "21Meter60" sich übrigens aus der tonalen Bandbreite der mal drei genommenen Instrumente ergab, noch ein dreisätziges Medley der schönsten Melodien von George Gershwin mitgebracht - darunter natürlich "Summertime" und "Rhapsody in Blue".

Es war der fulminante Abschluss eines Konzerts, das viel mehr Leute hätten sehen sollen. Knapp 20 Besucher waren gekommen. Völlig zu Recht gab es zum Schluss Standing Ovations und zwei beschwingte Zugaben, die eine mit "Von Freund zu Freund" aus dem Herzen der böhmischen Blasmusik, die andere mit "Danny Boy" aus Irland.

(RP)